Mit Edge, IoT und 5G abheben Smart Airport

Mit Edge, IoT und 5G abheben

Damit der Flughafenbetrieb problemlos abläuft, müssen selbst kleinste Prozesse nahtlos abgestimmt sein. Wie die zunehmende Automatisierung die Infrastruktur des „Airport 4.0“ verändert, erklärt Bernd Rijsdijk, Senior Projektmanager und Consultant im Chapter Airport Management von T-Systems International.

  • Mit Edge, IoT und 5G abheben

    Bernd Rijsdijk, T-Systems International ((Bildquelle: T-Systems))

  • Flugzeug hebt ab

    „Cyberangriffe stellen Flughäfen bei fortschreitender Digitalisierung vor immer größere Herausforderungen.“ ((Bildquelle:Getty Images/iStock))

MOB: Herr Rijsdijk, was macht aus Ihrer Sicht den Flughafen als „Mikrokosmos“ so besonders?
Bernd Rijsdijk: Um einen Flughafen zu betreiben, sind tausende Menschen und unzählige Prozesse notwendig. Die komplexen Fracht- und Passagierprozesse müssen effektiv orchestriert werden. Die Beherrschung eines solch komplexen Ökosystems macht jeden Flughafen besonders.

MOB: Was versteht man unter einem „Smart Airport“?
Rijsdijk: Der smarte Flughafen prognostiziert Ergebnisse, um von vorneherein Ressourcen taktisch sinnvoll zuzuweisen. So werden mögliche Engpässe vermieden, Prozesse effizient gestaltet und ein möglichst großer Komfort für Passagiere erreicht. Ein smarter Airport verwandelt reaktive Maßnahmen in proaktive. Während heutzutage beispielsweise erst dann neue Security-Kontrollpunkte geöffnet werden, wenn die Wartezeit zu hoch ist, können die vernetzten Systeme des smarten Flughafens durch Einbeziehung unterschiedlicher Faktoren die Wartezeit am Gate für die nächsten Stunden vorhersagen. So können proaktiv weitere Kontrollpunkte geöffnet werden, so dass es gar nicht erst zu langen Wartezeiten kommt.

MOB: T-Systems hat seine Lösung u.a. am Bejing Daxing Airport umgesetzt – einem der größten Flughäfen weltweit. Was waren hier die besonderen Herausforderungen?
Rijsdijk: Beijing Daxing ist eine der größten und umfassendsten Flughafen-Digitalisierungsinstallationen von T-Systems weltweit – nahezu alle relevanten Prozesse zwischen Landung und Start werden in Echtzeit geplant und gesteuert. Während der Realisierung haben in Spitzenzeiten bis zu 80 Kollegen und mehrere Subunternehmen reibungslos im Projekt zusammengearbeitet. Innerhalb von 19 Monaten wurde das Projekt abgeschlossen. Eine besondere Herausforderung war das Customizing z.B. folgender Lösungen:

  • Das Ressource-Management-System (RMS) zur Unterstützung der kompletten Ressourcenplanung
  • Das Flight-Information-Display-System (FIDS), das Echtzeit-Fluggastinformationen mit weiteren Medien kombiniert
  • Das Enterprise-Service-Bus, das über 110 Partnersysteme in die vorhandene Infrastruktur integriert

Alle diese vernetzten Systeme wurden nach der Greenfield-Strategie komplett neu aufgesetzt und mussten nach dem „Einschalten“ unmittelbar funktionieren.

MOB: Die IT-Infrastruktur eines Flughafens darf unter gar keinen Umständen ausfallen, ist aber gleichzeitig ein „Traumziel“ etlicher Hacker. Wie kann hier für Sicherheit gesorgt werden?
Rijsdijk: Cyberangriffe stellen Flughäfen bei fortschreitender Digitalisierung vor immer größere Herausforderungen. Hacker versuchen täglich, geschäftskritische Daten oder digitale Identitäten zu stehlen. Die steigende, allumfassende Konnektivität benötigt allgegenwärtige Sicherheitsmaßnahmen. Deshalb bieten wir unseren Kunden die gleichen Lösungen an, mit denen auch die Deutsche Telekom als Konzern weltweit geschützt ist. Die Smart-Airport-Lösung lässt sich hierbei nahtlos in die hochgeschützte Infrastruktur der Airport-Kunden integrieren.

MOB: Analog zur Customer Experience im Retail wird inzwischen auch von der „Passenger Experience“ gesprochen – können Sie kurz erklären, was es damit auf sich hat?
Rijsdijk: Ähnlich wie bei der Customer Journey gibt es bestimmte Touchpoints, die das Reiseerlebnis beeinflussen. Dies beginnt mit der Planung der Flugreise, geht über die Fahrt zum Flughafen, die Parkplatzsuche, die Sicherheitskontrollen bis hin zum Boarding des Flugzeugs. Passenger Experience zielt darauf ab, alle möglichen und beeinflussbaren Touchpoints bewusst erlebbar zu machen und so ein gutes Reiseerlebnis zu schaffen. Die gesamte Reisezeit soll durch präzise Informationen und einfache Prozesse so angenehm wie möglich gestaltet werden.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 01-02/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

MOB: Wie wird sich der neue Mobilfunkstandard 5G auf das Flughafen-Management auswirken? Wird es mehr IoT- Anwendungen in diesem Umfeld geben?
Rijsdijk:
Echtzeitdaten von einer Vielzahl von Sensoren zu erfassen und in die Regulierung einfließen zu lassen, ist eine der künftigen Herausforderungen im Flughafen-Management. Dafür müssen riesige Mengen an größtenteils mobil erfassten Daten transportiert werden, was nur mithilfe eines leistungsfähigen mobilen Netzwerks machbar ist, dem 5G-Netzwerk. Dieses ist nur durch einen konsequenten Einsatz des IoT realisierbar. Viele Daten können mithilfe von Edge Computing aber jetzt schon im Netzwerk zu relevanten Informationen verarbeitet werden, indem sie angereichert und direkt in Beziehung gebracht werden und so schnell und effizient Entscheidungen unterstützen.

MOB: Was könnte den „Flughafen der Zukunft“ vom klassischen Flughafen unterscheiden? 
Rijsdijk: Es wird zu einer weiteren Automatisierung von Prozessen kommen, eine Rolle dabei könnte der flächendeckende Einsatz von Biometrie spielen. Ebenso werden wir eine Individualisierung und Autonomisierung beobachten können, wie z.B. die Abfertigung mit selbstfahrenden Fahrzeugen. Zudem arbeiten wir an einer Passenger Experience, die sich am sogenannten „Seamless Travel“ orientiert, einer Reise ohne Medienbrüche. 

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