Ercan Kilic, GS1 Germany

Mit entsprechenden Apps die Zusatzstoffe im Blick

Interview mit Ercan Kilic, Leiter Strategieprojekt MobileCom bei GS1 Germany

Ercan Kilic, GS1 Germany

Ercan Kilic, Leiter Strategieprojekt MobileCom bei GS1 Germany

Welche Chancen und Potentiale sehen Sie derzeit für den Einsatz mobiler Lösungen im Lebensmitteleinzelhandel?
Ercan Kilic: Grundsätzlich beobachten wir zwei unterschiedliche Entwicklungen: Information und Transaktion. Zum einen ruft der Verbraucher per Barcodescan-App über die Verpackung hinausgehende Produkt- und Herstellerinformationen ab, die seine Kaufentscheidung beeinflussen. Zum anderen gehen das Mobile Couponing und das mobile Bezahlen in die Transaktion, also den Kauf von Produkten via Smartphone.

Inwiefern können sich die Verbraucher via Smartphones und Tablet-PCs über die Herkunft, Produktion und Zusammensetzung von Lebensmitteln informieren?
Kilic: Es gibt eine Fülle unterschiedlichster Apps, die Daten zum Beispiel zu Herkunft, Produktion, Inhaltsstoffe sowie Nachhaltigkeitsaspekten generieren. Mit diesen Apps kann der Barcode von der Verpackung gescannt werden und auf dem Handydisplay werden mehr oder weniger ausführliche Informationen angezeigt.
Hierzu eignet sich beispielsweise die Nutzung der Smartphone-Apps iGepir, barcoo und fTrace.

Welche Informationen erhalten die Nutzer damit im Detail?
Kilic: iGepir ist die mobile Anwendung von Gepir (Global GS1 Electronic Party Information Registry) und dient als Infothek für Geschäftspartner und Verbraucher. Hier stehen Basisinformationen zu über 600.000 deutschen Produkten, in Deutschland über den globalen Datenpoolbetreiber SA2 Worldsync zur Verfügung. Barcoo bietet Preisvergleiche, Testberichte, Öko- und Gesundheitsinformationen. Mit fTrace können die Verbraucher Fleisch- und Wurstwaren bis zum Landwirt oder zum Fleischlieferanten zurückverfolgen. Diese App übermittelt Daten zur Herkunft, Schlachtung und Herstellung sowie Rezepttipps.

Als Informationsbasis für diese Apps fungieren verschiedene Hersteller- und Produktdatenbanken. Welche sind dies?
Kilic: Als Datenlieferanten dienen ganz unterschiedliche Datenbanken, z.B. von Herstellern, von Verbraucherzentralen oder auch Nachhaltigkeitsorganisationen, von sozialen Netzwerken und vielen mehr. Es gibt kaum eine authentifizierte Quelle für die Generierung dieser Produktinformationen via Mobile App, die beispielsweise auch der Produkthaftung Rechnung tragen.

Inwieweit sind internationale Produkte in diesen Datenbanken integriert? Welche Informationslücken gibt es noch zu schließen?
Kilic: Im Rahmen seiner MobileCom-Strategie setzt sich GS1 Germany für den Aufbau einer Trusted-Data-Infrastruktur ein, über die Hersteller gesuchte Informationen verbraucherfreundlich und wahrheitsgetreu im Sinne einer möglichen Produkthaftung verfügbar machen können. Hier kann GS1 Germany auf bewährte Strukturen zurückgreifen: das Global Data Synchronisation Network GDSN – eine Datenbank, in der die Daten zu mehr als vier Millionen Artikeln jederzeit unmittelbar zur Verfügung stehen.

Stichwort Mobile Couponing: Laut einer im September veröffentlichten Meldung des EHI Retail Institute beschränken sich die Erfolge von Mobile Couponing auf „einfach“ strukturierte Branchen wie Systemgastronomie oder Coffee Shops – warum hinkt der Lebensmitteleinzelhandel noch hinterher?
Kilic: Die Herausforderung für den Handel liegt im Einlösen des mobilen Coupons an der Kasse des stationären Point of Sale. Denn es fehlt die technische Voraussetzung in den Kassensystemen, um Barcodes, mit denen die Coupons identifiziert werden können, vom Handydisplay abzuscannen. Betrachtet man jedoch die Entwicklung in Richtung Near Field Communication (NFC), genügt in Zukunft ein kontaktloses Übertragen der Coupondaten in die Warenwirtschaft bzw. Kassensysteme des Handels.

Worin liegen die Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Mobile-Couponing-Aktionen im Lebensmitteleinzelhandel? Was bedeutet dies für die Kaufprozesse am Point of Sale?
Kilic: Für Mobile-Couponing-Aktionen und -Apps wäre eine interoperable Infrastruktur entlang der gesamten Wertschöpfungskette bis an den Point of Sale wünschenswert. Die eindeutige und globale Identifikation von mobilen Coupons hilft Industrie wie Handel bei der effizienten Durchführung ihrer Rabattaktionen, und die Konsumenten können ihre Coupons händlerübergreifend einlösen. GS1 arbeitet sowohl auf internationaler als auch auf nationaler Ebene an der Entwicklung einer solchen Best Practice Empfehlung für einen idealen Mobile Couponing Prozess.

Ein Blick in die Zukunft: Wie werden wir in zehn Jahren unsere Lebensmittel einkaufen?
Kilic: Datenbankbasiert und qualitätsorientiert. Produkttransparenz, Qualität, Nachhaltigkeit und Preis werden sich die Waage halten. Der Verbraucher wird in seinem Einkaufsverhalten noch kritischer werden. Er wird sich jede Form von Technik zunutze machen, die ihm hilft, seine Kaufentscheidung zu treffen oder so komfortabel wie möglich einzukaufen oder zu bezahlen.

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