Mobile Printing

Mit Highspeed ins Ausgabefach

Morgens, kurz vor neun Uhr. In knapp zehn Minuten beginnt ein immens wichtiges Meeting, zu dem man gerne noch eine aktuelle Präsentation in ausgedruckter Form mitbringen möchte.

Dumm nur, dass man gerade im Stau feststeckt und nichts mehr weitergeht. Mit seinem Smartphone kann man zwar nicht das Verkehrschaos verhindern, aber einen Druckauftrag an den Unternehmensdrucker losschicken. So befindet sich die gewünschte Präsentation beim Eintreffen im Büro direkt im Ausgabefach des Geräts. Mobile Printing macht es möglich.

Dunkel erinnert man sich an Zeiten, in denen das Einrichten eines Druckers einem nervenaufreibenden Unterfangen gleichkam.
Ohne den entsprechenden Druckertreiber ließ sich der Rechner nicht mit dem Ausgabegerät verbinden. Gleichzeitig musste die Einbindung ins vorhandene Netzwerk realisiert werden. Kompatibilität lautete hier das große Schlagwort. Solche Szenarien gehören inzwischen glücklicher Weise der Vergangenheit an. Denn im WLAN lässt sich mittlerweile bequem kabellos drucken. Doch damit nicht genug ist laut vielen Herstellern auch das Drucken von unterwegs per Smartphone oder Tablet, egal zu welcher Zeit und an welchem Ort, ein leichtes Unterfangen. So startete bereits Ende 2010 ein hierzulande in Böblingen ansässiger Anbieter erste Werbekampagnen zu diesem Thema. Im Fernsehspot landeten dabei die gerade im Familienurlaub per Smartphone geschossenen Kinderfotos flugs im Ausgabefach des Fotodruckers bei den Großeltern. Ein schönes Beispiel aus dem privaten Umfeld. Doch natürlich gibt es auch im Geschäftsbereich zahlreiche Einsatzfelder für das mobile Drucken. Zum Beispiel können Handelsvertreter schnell ihre Bestellscheine oder Versicherungsaußendienstler notwendige Vertragsunterlagen ausdrucken. Ein weiteres Beispiel lässt sich im Dienstleistungssektor finden. Insbesondere in Hotels oder auf Flughäfen können die Anwender Mobile Printing dafür nutzen, um letzte Buchungsänderungen, Rechnungen oder Reiseunterlagen in Papierform auszugeben.
In diesem Zusammenhang kam Andreas Zilch, Vorstand bei dem Marktforschungsunternehmen Experton Group, Ende August zu folgender Einschätzung: Zwar versuche man in der Regel mit dem Einsatz mobiler Endgeräte die vorherrschende Papierflut einzudämmen. Dennoch bleibe ein papierloses Büro auf absehbare Zeit ein “frommer Wunsch”. “Wir schätzen die Entwicklung des Druckvolumens so ein, dass einerseits der Anteil von Informationen, die tatsächlich ausgedruckt werden, prozentual stark zurückgeht. Andererseits nimmt das gesamte Informationsvolumen drastisch zu”, so Andreas Zilch. Damit sei “netto” von einem mindestens gleichbleibenden bzw. ansteigenden Druckvolumen in den Unternehmen auszugehen. Eine Einschätzung die aktuelle Zahlen für den Druckermarkt bestätigen wie eine kürzlich vom Hightech-Verband Bitkom veröffentlichte Studie zeigt. Auf Basis von Zahlen des European Information Technology Observatory ermittelte man folgenden Trend: Nach einem Rückgang im Jahr 2011 steigt die Nachfrage nach Druckern und Multifunktionsgeräten dieses Jahr wieder an. Der Umsatz erhöhe sich voraussichtlich um 2,8 Prozent auf 1,9 Mrd. Euro, wobei Deutschland mit Abstand der größte Markt innerhalb der EU bleibt.

Drucken per Bluetooth, Cloud und Airprint

Doch zurück zum Mobile Printing. Wie funktionieren die dahintersteckenden Verfahren eigentlich genau? Zunächst lässt sich das Drucken per Mobile Device über vorhandene Bluetooth-Schnittstellen realisieren, wobei das Ausgabegerät naturgemäß ebenfalls über eine solche verfügen muss. Laut Andreas Zilch eigne sich diese Methode vorrangig für den Privatgebrauch bzw. das Home Office. Zudem kommen Apple-Nutzer seit 2011 in den Genuss der iOS-Funktion “Airprint”, womit sie ihre Printaufträge kabellos und ohne Treiberinstallation an kompatible Drucker senden können. Da das Feature jedoch noch nicht allzu lange verfügbar ist, ist eine Kompatibilität vor allem mit älteren Ausgabemodellen zumeist nicht gegeben. Bei aktuellen Modellen hingegen sieht die Sache anders aus. Laut Andreas Zilch bieten mit Stand von Ende August 2012 bereits folgende Hersteller Airprint-kompatible Geräte an: Brother, Canon, Dell, Epson, Hewlett-Packard, Lexmark sowie Samsung. Eine weitere Möglichkeit über mobile Endgeräte den Druck von Dokumenten anzustoßen, findet man bei speziellen Cloud-Services. Hierzu zählen beispielsweise ePrint von Microtech, Air Sharing HD von Avatron Software oder die Cloud-Printing-Services von Cortado, der Mobilsparte des Berliner Anbieters Thinprint AG. Letztere Services sind in verschiedenen Varianten erhältlich. Kostenfrei lässt sich z.B. eine einfache Workplace-Version aus dem Appstore herunterladen, mit der Ausdrucke über WLAN und Bluetooth auf entsprechende Output-Geräte möglich sind. “Zudem ist es mit der kostenpflichtigen Unternehmenslösung Cortado Corporate Server möglich, auf zentrale Dokumente zuzugreifen und von den mobilen Clients aus auf jedem Drucker im Unternehmensnetzwerk auszudrucken”, beschreibt Andreas Zilch die Funktionen der Lösung. Daneben rief der Berliner Anbieter Anfang März 2011 die sogenannte “Cloud Printing Alliance” ins Leben. Der Hintergrund: Die Vereinigung steht Druckerherstellern, Herstellern von Netzwerkequipment und Mobilfunkprovidern, aber auch Hotspot-Anbietern wie Hotels offen. Ziel ist es, den Nutzern echtes mobiles Drucken auf nahezu jedem Ausgabegerät, jederzeit und an jedem Ort zu ermöglichen. Grundsätzlich werden bereits tausende Druckermodelle von über 90 Herstellern weltweit unterstützt., wobei sich unter den Mitgliedern der Kooperation das Who and Who der Branche tummelt, darunter Brother, Konica Minolta, Kyocera, Lexmark oder Oki.

Praktikable Herstellerlösungen

Damit nicht genug haben inzwischen die meisten Hersteller von Druckern und Multifunktionsgeräten eigene Apps für das Mobile Printing kreiert und in die Appstore gebracht. “Da Smartphones und Tablet-PCs mittlerweile zu wichtigen Standardwerkzeugen im Büro gehören, bieten wir mit „TA/Utax Mobile Print“ eine App an, die die Devices mit den Ausgabesytemen verbindet, die sich im lokalen Netzwerk befinden”, erklärt Christopher Rheidt, Geschäftsführer bei Utax. Mit der kostenfreien, für Android sowie iOS verfügbaren App sei es einfach möglich, gespeicherte Dokumente und Bilder in Druckform auszugeben. “Damit erhöhen wir den Nutzen und die Einsatzmöglichkeiten der Devices und machen die tägliche Arbeit für die Anwender produktiver, so Rheidt. Bei Kyocera heißt die eigens entwickelte App ebenfalls “Mobil Print”. “Mit dieser bieten wir Usern die Möglichkeit, z.B. Fotos, Dokumente oder Internetseiten bequem auf jedem im Netzwerk verfügbaren Kyocera-System auszugeben bzw. direkt auf das Endgerät zu übertragen. Eine weitere Treiberinstallation ist nicht nötig”, so Thomas Pempelforth, Channel-Vertriebsleiter bei Kyocera. Ebenfalls fündig wir man bei dem Druckerhersteller Lexmark und seinem Angebot “Mobile Printing App”. Diese ermöglicht mobiles Drucken per Device sowohl auf Basis des Betriebssystems Android als auch iOS. Laut Hersteller können die Nutzer damit quasi überall drucken. Einzige Bedingung: Smartphone und Drucker teilen sich dasselbe WLAN-Netzwerk. Die kostenfreie Lexmark-App unterstützt die All-In-One-Tintenstrahlgeräte Pro715 und Pro915 sowie die meisten der seit 2005 vorgestellten Laserdrucker des Anbieters. Dabei gestaltet sich die Vorgehensweise wie folgt: Per App kann der Anwender einen Drucker lokalisieren, diesen zur Liste seiner favorisierten Output-Geräte hinzufügen und anschließend die gewünschte PDF- oder Bild-Datei ausdrucken.

Einen anderen technologischen Weg verfolgt man bei Xerox. “Mit der Mobile Print Solution stellen wir eine Lösung zur Verfügung, mit der Mitarbeiter vom Smartphone oder Tablet-PC aus Dokumente an Drucksysteme übermitteln und dort ausgeben lassen können. Es reicht, eine E-Mail an eine zuvor definierte Mail-Adresse zu senden”, beschreibt Susanne Heß, Sector Marketing Manager bei Xerox, die Methode. Anschließend erhält der Anwender einen PIN-Code, mit dem er die E-Mail bzw. deren Anhänge am nächsten Multifunktionssystem ausdrucken lassen kann. Eine Installation von Software oder Apps auf dem mobilen Endgerät sei indes nicht notwendig. Somit soll sich die Applikation ideal für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen eignen, die die Produktivität ihrer mobilen Mitarbeiter steigern möchten, ohne dabei Kompromisse in Bezug auf die Sicherheit einzugehen. Auf ein ähnliches Verfahren setzt Hewlett-Packard. Hier bemerkte man bereits früh, dass mobiles Drucken immer populärer wird. "Von daher haben wir 2010 die ePrint-Technologie eingeführt, mit der Anwender Druckaufträge per E-Mail an HP-Drucker senden können”, erklärt Stefan Kugele, Business Manager, Office Printing Solutions bei der Hewlett-Packard GmbH. Mittlerweile gibt es überdies unterschiedliche Angebote, beispielsweise ePrint Enterprise. “Bei dieser Lösung steht der Server in der Firma”, so Kugele. Dies bedeutet, dass der Anwender die Aufträge an den HP-Drucker innerhalb des Firmennetzws sowie der eigenen Unternehmens-Firewall sendet. Was für erhöhte Sicherheit sorgen soll. Desweiteren bieten die Böblinger mit ePrint Public eine zusätzliche mobile Printlösung speziell für Hotels oder Restaurants an.

In die IT-Strategie einbetten

Um den Reigen der Hersteller-Apps rund zu machen, sei an dieser Stelle das Angebot von Konica Minolta erwähnt. Nach Meinung des Anbieters muss moderne IT auch das mobile Drucken von Information abdecken. “Deshalb reichen unsere Lösungen von Everyone Print, einer Software für treiberloses Drucken von Smartphones, Tablet-PCs und Notebooks bis hin zu Pagescope Mobile”, erklärt Philipp Schröder, Leiter Produktmanagement bei Konica Minolta. Bei letzterem handle es sich um eine kostenlose Druck-App, die es Nutzern von iOS- und Android-Geräten erlaubt, mit Konica-Minolta-Systemen mobil und drahtlos zu drucken sowie gescannte Daten zu empfangen. Und nicht zuletzt besitzt auch der Mobilspezialist Samsung eine eigene App. “Damit kommunizieren unsere Ausgabesysteme vorbildlich, egal ob über Printserver oder kabellos direkt, mit mobilen Endgeräten oder Lösungen wie Microsoft Sharepoint, Google Cloud und vielen mehr, berichtet Jürgen Krüger, Director IT Printing bei der Samsung Electronics GmbH, unter weiter: “Darüber hinaus unterstützen sie nahezu alle relevanten Sicherheitsprotokolle bereits standardmäßig.” Die App-Angebotspalette der Hersteller lässt sich sicherlich noch beliebig fortsetzen. Entscheidet sich ein Nutzer jedoch für eine solche Variante, sollte er generell Folgendes beachten: “Zwar bieten herstellerspezifische Lösungen den höchsten Funktionsumfang und Komfort sowie die meisten zusätzlichen Services, in gewisser Weise sind sie jedoch immer proprietär”, schätzt Andreas Zilch die Situation ein.

Wie die beschriebenen Varianten zeigen findet wohl (fast) jeder, der mobil drucken möchte, auch einen Weg dafür. Insbesondere im Business-Umfeld sollten die Verantwortlichen das “Mobile Printing” jedoch unbedingt in ihre IT-Strategie einbetten. “Gerade bei künftigen Ausschreibungen und Beschaffungen von Druckern oder Multifunktionsgeräten gilt die Mobile-Printing-Funktion des Anbieters als ein nicht zu unterschätzendes Leistungsmerkmal”, fordert Andreas Zilch.

Bildquelle: iStockphoto.com/urbancow

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