Michael Stanscheck, Regional Channel Manager bei Outsystems
MOB: Herr Stanscheck, Hermes Borderguru hat Sie mit der Entwicklung zweier Apps beauftragt – welche Problemstellung lag dem Projekt zu Grunde?
Michael Stanscheck: Der Ausgangspunkt des Projekts bestand darin, dass Hermes Borderguru sein bisheriges logistisches Leistungsportfolio um ein neues Angebot erweitert hat: einen weltweiten Lieferservice für internationale Kunden. Das Problem bestand jedoch darin, dass aufgrund der neuen Geschäftseinheit und der damit verbundenen Neuausrichtung bestehende IT-Services erweitert werden mussten. Es fehlte ein Puzzlestück zwischen den bereits vorhandenen internationalen Systemen und dem europäischen Liefersystem. Dies hatte wiederum zur Folge, dass Pakete in der internationalen Supply Chain nicht vollständig vom Versandland bis zur Zustellung der Pakete im Empfangsland nachverfolgt werden konnten. Eine weitere Problemstellung ergab sich, nachdem der Beschluss gefasst worden war, diesen „blinden Fleck“ durch die Entwicklung einer entsprechenden App zu beseitigen. Denn leider passte das Projekt zum damaligen Zeitpunkt sowohl kapazitativ als auch thematisch in keines der vorhandenen Software-Entwicklungsteams. Daher entschied sich das Unternehmen schließlich für einen „Proof of Concept“ im Low-Code-Ansatz. Die Wahl fiel auf unsere Entwicklungsplattform, mit der sich die benötigte Anwendung schnell und gleichzeitig in hoher Qualität bereitstellen ließ.
MOB: Was leisten die beiden Apps und wie unterstützen sie das Logistikunternehmen?
Stanscheck: Die erste Anwendung, die das Projektteam von Hermes Borderguru unter der Leitung von Jörn von der Fecht mithilfe unserer Plattform erstellte, wurde unter dem Namen „TrApp“ – als Kürzel für „Transit App“ – entwickelt. Sie löst die fehlende Transparenz zwischen dem internationalen Vorlauf der Pakete und der Zustellung im europäischen Logistiknetzwerk. Als mobile App wird sie für die Scannung von „Loading Units“ und zur Übermittlung von Transitdetails wie z.B. Informationen zur Zollabwicklung an Import-Gateways genutzt. Sie verwendet dafür u.a. Geolokalisierung, eine Kamera-/Barcode-Integration, eine Transithistorie sowie Statusverwaltung und ermöglicht die Generierung von E-Mail-, PDF- und QR-Code-Ausgaben.
Die zweite Applikation, die Hermes Borderguru mithilfe von Outsystems entwickelt hat, ist „Trip“, die „Transport Information Platform“. Sie basiert auf dem gleichen Backend wie „TrApp“ und liefert konsolidierte Informationen zum Status von Paketen während des Transports, zwischen den Hermes-Logistikzentren und dem jeweiligen Zielort. Dank dieser beiden maßgeschneiderten Logistik-Apps – die im Übrigen innerhalb von nur zwei Monaten erstellt wurden – verfügen nun sowohl Hermes Borderguru als auch dessen Kunden über durchgängige Transparenz für jedes Paket im internationalen Transport. In der Folge konnte u.a. die Wirtschaftlichkeit der internationalen Services verbessert werden, da nun deutlich weniger Anfragen zum Sendungsstatus eintreffen.
MOB: Auf welche Features wurde bei der Entwicklung besonderes Augenmerk gelegt?
Stanscheck: Um Pakete auf ihrem Weg durch unterschiedlichste Länder nachzuverfolgen, muss „TrApp“ in der Praxis unweigerlich mit unterschiedlichsten Gegebenheiten vor Ort zurechtkommen. So kann es natürlich vorkommen, dass Paketdaten erfasst und verarbeitet werden müssen, auch wenn keine stabile Netzverbindung besteht. Für solche Fälle haben wir in der App vorgesorgt: So lässt sich mit „TrApp“ bei Bedarf auch jederzeit offline arbeiten. Die Daten werden dann synchronisiert, sobald wieder eine Verbindung besteht.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1-2/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Als Puzzleteil zwischen den bestehenden IT-Services lag bei der Entwicklung ebenfalls ein Augenmerk auf der einfachen Einbindung in die bestehende Software-Landschaft bei Hermes Borderguru. Dies wurde durch die Nutzung und Kommunikation zwischen REST-Schnittstellen gelöst, die sich sehr einfach in Outsystems einbinden lassen und somit bestehende und neue Lösungen verknüpfen.
MOB: Worauf gilt es grundsätzlich zu achten, wenn maßgeschneiderte Lösungen für Unternehmen entwickelt werden, die im Wachstum begriffen sind und eventuell im Laufe der Zeit ihr Geschäftsfeld und ihren Umfang erweitern?
Stanscheck: Der zentrale Aspekt, den es hierbei zu beachten gilt, ist die einfache Anpassbarkeit der Lösung. Prozesse können sich in solchen Fällen jederzeit – teils umfassend – ändern. Die entsprechende Lösung dann jedes Mal aufwendig manuell anzupassen, ist weder wirtschaftlich noch zielführend. Genau aus diesem Grund waren die Anpassbarkeit und die schnelle Erstellung eines MVPs auch bei Hermes Borderguru eine zentrale Anforderung. Das Unternehmen ist eine junge Geschäftseinheit. Entsprechend entwickeln sich viele Prozesse ständig weiter. Gleichzeitig soll sich der neue Logistikservice auch in Zukunft flexibel auf weitere Regionen ausweiten lassen, in denen Systeme und Prozesse wiederum variieren können. Auf diese dynamischen Gegebenheiten muss die Lösung jederzeit reagieren können – und genau das haben wir mit „Trip“ und „TrApp“ sichergestellt.
Bildquelle: Outsystems