Die Entwicklung neuer und einzigartiger Technologien benötigt u.a. Weitblick. ((Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus))
„Wir beobachten, dass in deutschen Unternehmen aktuell noch überwiegend physische Karten im Einsatz sind“, betont Marco Föllmer. ((Bildquelle: EBF))
MOB: Herr Föllmer, worin liegen die Unterschiede zwischen eSIM und einer „normalen“ SIM-Karte?
Marco Föllmer: Die embedded SIM und die normale, physische SIM-Karte erfüllen den gleichen Nutzen. Verglichen mit einer physischen SIM-Karte bietet die eSIM im Alltag der Nutzer und auch der verwaltenden IT allerdings einige Vorteile. Um eine normale Karte zu nutzen, muss diese von Nutzern aus einer Form gebrochen und in das Gerät eingelegt werden. Dieses umständliche Einlegen entfällt bei der eSIM von vornherein. Das erleichtert nicht nur die Inbetriebnahme neuer Geräte, sondern auch den Gerätewechsel bei Verlust oder Diebstahl. Schließlich entfällt der Versand der Karte, der Zeit kostet und gerade in Zeiten von mobilen Arbeitsplätzen, Homeoffice und Co. ein echtes Problem ist. Mit einer eSIM ist der Nutzer hingegen innerhalb weniger Minuten arbeitsfähig.
Die eSIM bietet zudem den Vorteil, dass darauf mehrere Profile und damit mehrere Tarife unterschiedlicher Anbieter hinterlegt werden können, zwischen denen der Nutzer wechseln kann. Das ist gerade für Unternehmen, deren Mitarbeiter regelmäßig im Ausland arbeiten, ein Mehrwert, der auch Kosten spart. Bei der Ankunft im EU-Ausland können Mitarbeiter dann einfach zu ihrem Auslandstarif wechseln, ohne dass eine neue SIM-Karte angeschafft und eingesetzt werden muss.
Auch die parallele Nutzung eines Mobilgeräts zu beruflichen und privaten Zwecken wir durch die eSIM vereinfacht. Denn neben dieser für berufliche Zwecke kann zusätzlich eine physische Karte für private Zwecke ins Gerät eingesetzt werden. Zudem sinkt durch die eSIM das Missbrauchspotenzial von Firmenkarten, da es keine physische Karte mehr gibt, die entnommen und in einem anderen Gerät verwendet werden kann.
MOB: Inwieweit wird die eSIM bereits von deutschen Unternehmen genutzt?
Föllmer: Immer mehr Smartphones, Tablets, Notebooks und Smartwatches erlauben die Nutzung. Und auch immer mehr Netzbetreiber bieten ihren Kunden dafür spezielle Verträge und Tarife an. Die Deutsche Telekom ist in diesem Feld ein Vorreiter. Wir beobachten jedoch, dass in deutschen Unternehmen aktuell noch überwiegend physische Karten im Einsatz sind. Zwar erkennen die Unternehmen den Mehrwert der eSIM. Viele scheuen allerdings den Wechsel – gerade in großen und komplexen Unternehmensstrukturen. Schließlich löst die eSIM alleine nur einige der Herausforderungen, die bei physischen SIM-Karten bestehen. Andere – im Hinblick auf die Verteilung und Verwaltung – bleiben bestehen.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 5-6/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Um Unternehmen diese Hürden zu nehmen, haben wir gemeinsam mit der Deutschen Telekom den eSIM Business Manager entwickelt. Dieser ermöglicht es, aus der Ferne eine eSIM zu aktiveren und einem Gerät zuzuordnen. So gelingt sowohl die Inbetriebnahme als auch die Migration von einem physischen Profil zu einem digitalen Profil mit wenigen Klicks. Und auch die anschließende Verwaltung wird für Admins vereinfacht.
MOB: Welche Hürden mussten bei der Entwicklung des eSIM Business Manager überwunden werden?
Föllmer: Mit dem eSIM Business Manager haben wir gemeinsam mit der Deutschen Telekom eine vollkommen neue und weltweit einzigartige Technologie entwickelt. Das ist natürlich eine Herausforderung – schließlich mussten viele Bausteine und Schnittstellen ineinandergreifen und miteinander vernetzt werden. Aber es ist auch eine einzigartige Chance. Denn mit dem Business Manager haben wir eine Technologie von morgen innerhalb von zehn Monaten entwickelt, die auf großen Bedarf stößt. Das erfordert neben technologischem Wissen auch den Mut und Weitblick, einschätzen zu können, wie sich der Markt in den nächsten Jahren entwickeln wird. Dafür braucht man das richtige Team, das mit Leidenschaft, Kreativität, Geduld und Struktur an die Sache herangeht.