TSE-Modul für Kassensysteme

„Mit Sicherheit ein Missbrauchskiller“

Laut Steffen Schwenk, Business Development Manager bei Concept International, ist das TSE-Modul für Kassensysteme „mit Sicherheit ein Missbrauchskiller“, bei der Bonpflicht sei ehr jedoch skeptisch.

Steffen Schwenk, Business Development Manager bei Concept International

„Der Vorteil eines digitalen Bons liegt sicher im Sparen von Papier, vor allem Thermopapier, das bekanntlich nicht im Altpapier entsorgt werden darf“, meint Steffen Schwenk von Concept International.

MOB: Herr Schwenk, welchen konkreten Aufwand (zeitlich, finanziell ...) bedeutet das Kassengesetz 2020 für die Händler? Mussten/müssen sich jetzt alle betroffenen Unternehmen neue Kassensysteme zulegen?
Steffen Schwenk:
Wie immer bei Legacy-Systemen bedeutet ein Aufschub von Modernisierungsmaßnahmen am Ende hohe Investitionskosten oder gar die Komplettablösung. Der Aufwand hängt von der bestehenden IT-Infrastruktur ab, etwa davon, ob die Kassensysteme Stand-alone, Peer-to-Peer oder in Verbindung mit einem Cloud- oder Netzwerk-Server arbeiten.

MOB: Inwieweit können bereits im Einsatz befindliche Kassensysteme technisch aufgerüstet und damit fit fürs Kassengesetz 2020 gemacht werden?
Schwenk:
Händler, die netzwerkfähige Kassensysteme nutzen, können ihre Kassen relativ einfach fit für das neue Kassengesetz machen, indem sie eine technische Sicherheitseinrichtung (kurz: TSE-Modul) mittels USB oder SD-Kartensteckplatz an einem ihrer Netzwerkgeräte nachrüsten, etwa am Server oder dem Drucker. Bei Kassen mit Anbindung an einen cloud-basierten Server sollte die TSE beim Cloud-Anbieter mithilfe eines zertifizierten Drittanbieters, beispielsweise die „Deutsche Fiskal“ oder „Fiskaly“, realisiert werden. Eine dritte Möglichkeit besteht darin, ein TSE-Modul direkt in die Kasse zu integrieren. Aus Gründen der Sicherheit sind aber die Netzwerk- und Cloud-Variante die besseren Optionen, so kann auch ein Diebstahl des TSEs praktisch ausgeschlossen werden.

MOB: Worauf sollten Unternehmen bei der Auswahl eines entsprechenden Anbieters/Kassensystemspezialisten achten?
Schwenk:
Der Anbieter sollte Kassensysteme anbieten, die hardware-seitig zum Händler passen. Eine Metzgerei z.B. kann wenig mit Tablet-Kassen anfangen und braucht auf jeden Fall eine in die Kasse integrierte Waage. Für Gastronomen dagegen ist ein ultraportabler Formfaktor mit gleichzeitig hoher Robustheit hinsichtlich Sturz und Wasser wichtig. Hinzu kommen Hardware-Specs wie ein hochauflösender, kapazitiver und gleichzeitig robuster Bildschirm. Hier bieten beispielsweise gebondete Displays, bei denen das Glas und der Touchscreen fest verklebt sind, ein sehr komfortables Benutzererlebnis. Performant sollten die Systeme natürlich auch sein. Nichts ist ärgerlicher als ein System, das nur träge bedient werden kann oder gar hängen bleibt.

Dann kommt die Software. In dieser Hinsicht haben inzwischen aus meiner Sicht android-basierte Kassensoftware-Systeme klar die Nase vorn. Traditionelle Windows-Systeme sind überteuert und arbeiten nicht so flüssig, wie man es vom Smartphone her kennt. Wichtig in puncto Software-Features ist dann natürlich auch die Flexibilität und die Möglichkeit branchenspezifischer Features und Funktionen. Sicherheit und Rechtskonformität sind zwei weitere Punkte, die der Anbieter erfüllen sollte.

MOB: Worin bestehen die Vor- und Nachteile eines android-basierten Kassensystems (mobil oder stationär) im Vergleich zu Registrierkassen auf Basis proprietärer Software?
Schwenk:
Android ist erwachsen geworden und hat sich als business-taugliche Alternative zu Windows-Betriebssystemen bewährt. Android ist lizenzfrei und Android-Kassen laufen auf Hardware-Plattformen, welche deutlich günstiger und stromsparender sind als solche für Windows. Zum Vergleich: Die Kosten für mobile und stationäre Kassensysteme mit Android-Betriebssystem belaufen sich auf etwa die Hälfte des Preises von windows-basierten Kassen – oder auch iPads.

Ein weiterer bedeutender Vorteil von Android für den Digitalkassenbereich ist seine intuitive Benutzeroberfläche. Das Look and Feel ist den meisten Anwendern von ihrem Smartphone bereits gut bekannt und hat sich längst zu einem Benutzerstandard entwickelt. Dadurch reduzieren sich unter Umständen die Schulungskosten.

MOB: Welche Rolle nehmen hier iPad-Kassen ein?
Schwenk:
Vielerorts werden iPads als mobile Kassen eingesetzt. Dabei sind iPads eigentlich gar nicht für den Einsatz als Kasse konzipiert – sie sind teuer, nicht sturzfest und sie reduzieren die Hintergrundbeleuchtung, wenn sie zu lange in der Sonne stehen. Spezialisierte mobile Kassensysteme sind weitaus robuster als ein iPad. Sie dürfen auch einmal herunterfallen. Darüber hinaus ist beim iPad nur die Form eines Tablets möglich – ganz im Gegensatz beispielsweise zu mobilen Android-Kassen, welche es in vielen verschiedenen Formfaktoren und Größen gibt.

Ein weiterer Nachteil beim iPad ist die Schnittstellenthematik. Zwar bieten Kassenspezialisten Systeme auf iPad-Basis an, die Bondrucker oder Kartenlesegeräte integrieren. Allerdings sind wir hier wieder beim Preisleistungsargument: Android-basierte Systeme sind weitaus preisgünstiger und gleichzeitig genauso funktionell wie Systeme mit proprietärer Software.

MOB: Seit dem 1. Januar 2020 muss nicht nur jede verwendete Kasse beim zuständigen Finanzamt gemeldet werden, sondern es gilt auch eine Belegausgabepflicht, die technologie-neutral ausgestaltet sein soll, d.h. die Quittung gibt es klassisch auf Papier, per E-Mail oder direkt aufs Smartphone. Doch inwieweit kommt letztere Variante überhaupt schon zum Einsatz? Und gibt es hier eine einheitliche Applikation/Schnittstelle oder muss man sich von jedem einzelnen Händler eine entsprechende App installieren, um digitale Kassenzettel empfangen zu können?
Schwenk:
Es gibt hier viele verschiedene Ansätze, das Papierchaos zu begrenzen oder gar zu beseitigen. Ich denke, dass die Tendenz auf jeden Fall zu digitalen Lösungen geht. In der heutigen Zeit werden Umweltfaktoren immer wichtiger – nicht nur für die Händler, sondern auch für deren Kunden. Wir haben vor kurzem erst eine schöne Lösung in einer Bäckerei realisiert. Dort wird dem Kunden angeboten, alternativ den Kassenzettel einfach über einen QR-Code auf dem Handy abzurufen und per E-Mail zu senden. In diesem Fall hat der Kassensoftware-Anbieter diese Funktion im Rahmen eines Updates ergänzt. Natürlich druckt das System den Bon aus, wenn er nicht abgerufen wird, um der Bonpflicht zu entsprechen. Im Grunde ist es eine Win-Win-Situation. Der umweltbewusste Kunde von heute ist glücklich darüber und der Händler spart sich ebenfalls einige Kosten, da er weniger Papierrollen kaufen muss.

MOB: Worin sehen Sie weitere Vor-, aber auch Nachteile eines digitalen Bons? Wie ist es um die Sicherheit der Daten bestellt?
Schwenk:
Der Vorteil eines digitalen Bons liegt sicher im Sparen von Papier, vor allem Thermopapier, das bekanntlich nicht im Altpapier entsorgt werden darf. Das wissen viele Kunden und der Verzicht auf Papierbons spart nicht nur Kosten, sondern wird auch zu einem gewissen Prestige-Faktor für den Händler.

MOB: Wird durch die neuen Regelungen Ihrer Ansicht nach dem Steuerbetrug wirklich der Riegel vorgeschoben? Wo sehen Sie noch Lücken im Kassengesetz 2020?
Schwenk:
Das TSE-Modul ist mit Sicherheit ein Missbrauchskiller, bei der Bonpflicht bin ich skeptisch. Ich denke, das hätte man sich sparen können bzw. hätte man zuerst die Wirkung der TSE-Einführung abwarten können.

Bildquelle: Concept

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