Gründerszene

Mit Staatsknete Unternehmer werden

Die enorme Vielfalt an Förderprogrammen für Unternehmensgründungen in Deutschland ist einzigartig, aber sie können kein Venture Capital ersetzen.

Deutschland ist Weltspitze, zumindest was öffentliche Förderprogramme für Unternehmensgründungen angeht. Dieses Ergebnis aus dem „Global Entrepreneurship Monitor“ ist auf den ersten Blick erstaunlich. Die Mehrheit der 28 Vergleichsländer liegt weit zurück, darunter beispielsweise die Vereinigten Staaten, Schweden oder die Niederlande.

Auf den zweiten Blick ist es allerdings erwartbar: In der deutschen Wirtschaft gibt es traditionell einen immer etwas staatsfixiert wirkenden Korporatismus. Da die Banken sich in den letzten Jahrzehnten stark aus der Gründungsfinanzierung zurückgezogen haben, ist der Staat eingesprungen.

Mit zahlreichen Fördertöpfen und Gründerstipendien finanzieren vor allem die Länder, aber auch der Bund die sogenannte „Seed-Phase“ eines Unternehmens. Darunter wird üblicherweise eine kurze Zeit vor und nach der Unternehmensgründung verstanden, in der sich die Firma noch nicht selbst trägt.

Wer also gründen will, kann sich an Vater Staat wenden und aus Dutzenden entsprechender Programme auswählen. Da gibt es zum Beispiel das „Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa)“, das jungen Unternehmen eine Beratung zu Fragen der Unternehmensführung teilfinanziert.

Bekannt (und erfolgreich) ist auch die EXIST-Gründerförderung, die gleich drei unterschiedliche Programme speziell für Hochschulen und ihre Absolventen anbietet. Eine weitere Möglichkeit sind die umfangreichen Förderprogramme der KfW Bank. Sie unterstützt Startups, Freiberufler, Gründer und mittelständische Unternehmen unter anderem mit günstigen Krediten.

Hunderte Programme in der Förderdatenbank

Das ist noch längst nicht alles. Es gibt insgesamt einige hundert Möglichkeiten, sein Unternehmen mit „Staatsknete“ zu unterstützen. Hier in Eigenregie einen Überblick zu gewinnen, ist fast unmöglich. Es gibt allerdings einen Weg zum besseren Überblick über die Fördermöglichkeiten.

In der Förderdatenbank des Bundeswirtschaftsministeriums finden sich alle Arten von Förderprogrammen von der Bürgschaft oder einem Darlehen bis zum reinen Zuschuss. Berücksichtigt sind alle Förderbereiche, nicht nur Existenzgründungen und außerdem listet die Datenbank sämtliche Angebote von Bund, Ländern und der EU.

Das Problem dieser zahlreichen Fördermöglichkeiten: Bei einigen sind die bürokratischen Hürden recht hoch. So dürfen viele Förderprogramme nur über die Hausbank beantragt werden. Für sie ist der Aufwand hoch, aber der Ertrag gering. Die Folge: Anträge über kleinere Summen unter 30.000 Euro werden häufig nicht angenommen.

Und natürlich sind die Fördersummen klein, für Technologie-Startups sogar lächerlich gering. Die Politik setzt bei der Gründungsförderung eher auf den Gießkanneneffekt. Davon profitieren zwar Kleinunternehmen vom Typ „Nagelstudio“ oder „Kiosk“, aber eine Landschaft aus zukünftigen Mittelständlern entsteht so nicht.

Technologie-intensive Gründungen haben einen wesentlich größeren Kapitalbedarf und sind auf die Existenz von Wagniskapitalgebern angewiesen, beschreiben die Autoren des „Entrepreneurship Monitor“ die Situationen und geben Deutschland sehr schlechte Noten: Das Land habe hier erhebliche Schwächen. Der Mangel an Wagniskapital hemme die Entwicklung von innovativen und potentiell wachstumsstarken Unternehmen.

Bildquelle: Thinkstock

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