Schnelle App-Entwicklung

Mobile Apps: Klein anfangen und nach Benutzerfeedback ausbauen

Bei der Entwicklung mobiler Unternehmens-Apps helfen die traditionellen Vorgehensweisen der Software-Entwicklung nicht weiter. Die Anwender in den Fachbereichen wollen schnell eine Lösung. Wichtig ist daher, rasch erste Ergebnisse abzuliefern.

Bei der Entwicklung mobiler Unternehmens-Apps dauert die übliche Vorgehensweise bei der Software-Entwicklung – Planung, Entwurf, Implementierung sowie System- und Abnahmetest – einfach zu lang. Sie hat nach wie vor ihre Berechtigung für die Erstellung unternehmenskritischer Applikationen, die in der Auftragsbearbeitung, im Finanzwesen, im Controlling und anderen grundlegenden betriebswirtschaftlichen Funktionsbereichen zum Einsatz kommen. Dieser traditionelle IT-Bereich, in dem beispielsweise die gesamten Transaktionssysteme laufen, muss sehr zuverlässig sein, ist vergleichsweise langlebig und wird nur in größeren Zeitabständen grundlegend geändert.

Mobile Unternehmens-Apps aber sind von Haus aus anders. Sie sind deutlich kleiner, konzentrieren sich auf eine überschaubare Zahl von Funktionalitäten und müssen ständig an geänderte Anforderungen angepasst werden. Eine neue mobile Unternehmens-App hat oft nur wenige Kernfunktionen und folgt dem Konzept eines Minimum Viable Product (MVP). Deshalb empfiehlt sich für ihre Entwicklung ein iterativer Ansatz. Die App darf in der ersten Iteration durchaus noch unvollständig sein. Für die Erstellung sollten nicht mehr als fünf Tage investiert werden und dann können die Anwender sie schon produktiv einsetzen. In der Praxis arbeiten Entwickler dabei häufig mit Javascript oder Open Source Frameworks wie Nativescript von Progress. Wichtig ist, dass sie mit der Skriptsprache Javascript native mobile Applikationen schreiben können, die unter Apple iOS, Google Android und idealerweise auch unter Windows Universal laufen.

Kontinuierlich Feedback einsammeln

Danach kommt es vor allem auf zwei Dinge an: erstens baldmöglichst die App anstatt mit Testdaten unter realen Bedingungen zu testen und Feedback von den Benutzern einzusammeln, um deren Wünsche und Anregungen in Form einer erweiterten Funktionalität einarbeiten zu können; und zweitens den kontinuierlichen Feedback-Prozess als feste Einrichtung zu etablieren. In der zweiten Iteration spielt zusätzlich zu den konkreten Benutzererfahrungen auch der Umgang mit „echten Daten“ eine Rolle. Bei einfachen Aufgabenstellungen werden diese anfangs nur aus einer oder zwei Datenquellen stammen. Die Erfahrung aber lehrt, dass die Ansprüche der Anwender mit der Zeit wachsen und weitere Datenquellen einzubinden sind. In der ersten und zweiten Iteration wird die neue mobile Unternehmens-App außerdem oft nur von wenigen Anwendern eingesetzt. Das ändert sich dann oft in der dritten Iteration, wenn sich der Benutzerkreis vergrößert und dann meist auch weitere funktionale Anforderungen mit Fokus auf die Benutzeroberfläche umgesetzt werden müssen. Hilfreich sind in diesem Zusammenhang Analyse-Tools, um die Akzeptanz der App durch Anwender zu erfassen und zu ermitteln, welche Anforderungen priorisiert und im nächsten Release umgesetzt werden.

Übung macht den Meister

Unternehmen, die anstatt des üblichen, aufwändigen Planungs- und Umsetzungsprozesses mit neuen Methoden in der Software-Entwicklung experimentieren, werden dafür Anwendungsszenarien auswählen, die bislang eher in die Rubrik „es wäre schön, wenn wir so etwas hätten“ fallen. Sind die Entwickler einmal mit einem schlanken Prozess bei der Erstellung von mobilen Unternehmens-Apps vertraut, sammeln sie dabei auch wertvolles Wissen, das in die Etablierung von Prozessen für künftige Projekte einfließt. Insbesondere das kontinuierliche Feedback auf den einzelnen Iterationsstufen kann die gesamte Kommunikation zwischen der IT und den Fachabteilungen bereichern und fördern. In einigen Fällen erstellen heute schon erfahrene Anwender in den Fachabteilung einen ersten Prototypen, zeigen ihn Kollegen aus der IT und diese erstellen dann die erste Iteration einer App.

Klar ist aber auch, dass sich nicht alle mobilen Unternehmens-Apps nach diesem Modell erstellen lassen. Sobald beispielsweise eine sehr enge Abstimmung mit den wirklich unternehmenskritischen betriebswirtschaftlichen Applikationen erforderlich ist, hat die genaue Planung Vorrang und die Qualität der Ergebnisse ist wichtiger als Schnelligkeit. Und dies bedeutet einen längeren Entwicklungszyklus. In allen anderen Fällen aber zählt vor allem eins: Geschwindigkeit.


Bildquelle: Thinkstock/ iStock

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