App-Ökonomie im Boom

Mobile Apps spülen Milliarden in die Kassen der Entwickler

Die App-Ökonomie boomt und entwickelt sich weiter. Apps bieten heute eine ganz andere Benutzererfahrung als noch vor wenigen Jahren.

Die App-Ökonomie boomt

Die App-Ökonomie boomt

Sind Apps noch hip? Ist die App-Blase geplatzt? In gewisser Hinsicht sieht es so aus: Vor ein paar Jahren wollte jedes Unternehmen ganz dringend eine eigene App - haben ihnen viele Berater jedenfalls eingeredet. Aber inzwischen ist die Karawane der Hype-Propheten weitergezogen, sie verkünden nun die Evangelien von AI und Blockchain. Aber abseits des Hypes boomt die App-Ökonomie mehr denn je.

Denn Downloads und Umsätze mit Mobilapps erreichten nach einer Analyse der Branchenbeobachter von „App Annie“ im vergangenen Jahr Rekordwerte. Allein im dritten Quartal wurden weltweit fast 26 Milliarden Apps im Apple Store und bei Google Play neu heruntergeladen. Das ist ein Plus von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Analysten erfassen dafür ausschließlich neue Downloads, aber keine Nachinstallationen oder Updates.

Auch bei den Umsätzen gibt es neue Rekordwerte von fast 17 Milliarden Dollar. Noch beeindruckender werden die Zahlen, wenn das gesamte Jahr 2017 in den Blick genommen wird. So wurden im vergangenen Jahr nach Erhebungen von Sensortower insgesamt etwa 60 Milliarden Dollar für Apps ausgegeben, ein Wachstum von 35 % gegenüber dem Vorjahr.  Davon gehen 26,5 Milliarden Dollar auf das Konto von iOS, wie Apple Anfang des Jahres mitteilte.

Eine weitere Zahl, die die Größe und das dauernde Wachstum der App-Ökonomie anzeigen: Apple zahlte seinen Entwicklern im vergangenen Jahr mehr als 25 Milliarden Dollar aus. Das übertrifft laut Apple-Augur Horace Dediu den Umsatz der Burgerbrater von McDonald‘s. Laut App Annie entsteht ein großer Teil des Wachstums der App-Ökonomie in Schwellenländern sowie Indien und China. Dort gibt es in Sachen Smartphones noch einen erheblichen Nachholbedarf, sodass die Zahlen sicher noch eine Zeitlang steigen werden. Kurz: Die App-Ökonomie ist bereits riesig, wächst aber noch kräftig.

Gewandelte App-Entwicklung

Doch sie hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Wer Erfolg in den Appstores haben will, darf nicht einfach nur eine App anbieten, die nach den Prinzipien klassischer Software aufgebaut ist. Es gibt eine Reihe von Trends in der Benutzererfahrung, die für den Wandel in der App-Ökonomie stehen.

  • Interaktion ohne klassische Benutzeroberfläche. Viele Apps nutzen den Nachrichtenbereich des Betriebssystems, um mit dem Nutzer zu interagieren. Ein typisches Beispiel ist WhatsApp: Neue Chat-Nachrichten werden direkt angezeigt, der Anwender muss gar nicht erst die App öffnen. Außerdem kann er direkt eine Antwort eingeben, der passende Dialog öffnet sich automatisch. Dieses Prinzip ist von vielen Apps übernommen worden, etwa für das Beantworten von Mails aus der Benachrichtigung heraus. So integriert sich die Bedienung einer App nahtlos in den Umgang mit dem Smartphone, dass Schließen der einen und Öffnen der anderen App wird zur Ausnahme.
  • Manche Apps sind eigentlich Meta-Apps zur Bedienung ihrer Schwestern. Sprachassistenten erweitern und ergänzen vorhandene Apps. Zudem verändern sie die Benutzererfahrung. So übernimmt Google Assistant eine Reihe von Aufgaben, für die keine Apps mehr geöffnet werden müssen. Typisches Beispiel ist der Umgang mit dem Kalender: Termine können per Sprache eingegeben, aber auch abgerufen und verändert werden. Wer sich ein wenig an den Umgang mit der (noch) auf eindeutig formulierte Floskeln angewiesenen Spracherkennung gewöhnt hat, benötigt die Kalender-App kaum noch - Termine werden ja ohnehin als Benachrichtigung angezeigt.
  • Nahtloser Wechsel zwischen Mobilapp und Webapp. Viele Apps sind eigentlich Webservices mit einem aufwändigen Backend und einer Benutzeroberfläche, die mal mit HTML 5, mal nativ in den Betriebssystemen umgesetzt wird. In vielen Fällen ist dabei die Webapp im Desktop-Browser gleichberechtigt zu ihrer mobilen Variante. Auch hier ist WhatsApp in ein gutes Beispiel, der Erfolg der Webschnittstelle spricht für sich. Sie gehört inzwischen zum Standard für Messenger.
  • Apps wachsen zu beliebig vernetzbaren Ökosystemen zusammen. Viele Apps nutzen Schnittstellen zu anderen Apps, um ihre eigene Funktion aufzuwerten. So finden sich zum Beispiel in zahlreichen Aufgaben- und Projektverwaltungen Schnittstellen zu Slack, die Diskussionen über Aufgaben und Projekte erlauben. Doch im Grunde müssen die Entwickler nicht einmal Integrationen anbieten, sondern lediglich eine Schnittstelle zu Automatisierungsdiensten wie IFTTT oder Zapier, die Apps untereinander verbinden. Beide wachsen kontinuierlich, sodass letztlich jede Kombination möglich wird.
  • Zweite Chancen gibt es nicht mehr. In der Anfangszeit wurde jede neue App euphorisch begrüßt und auch maue Apps mit kleinen Fehlern konnten sich durchsetzen - bei der zweiten oder dritten Korrektur. Das ist heute anders. Was nicht auf Anhieb funktioniert, professionell aussieht und absturzfrei arbeitet, fliegt sofort vom Homescreen. Anders ausgedrückt: App-Entwicklung hat sich enorm professionalisiert und ist inzwischen ein ähnlich komplexes Feld wie die Entwicklung von klassischer Desktop-Software. Ein Vorteil für größere Unternehmen, ein Nachteil für Einzelentwickler, die zunehmend weniger Chancen haben.

Bildquelle: Thinkstock

 

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