Die Hauptstadt der mobilen Branche

Mobile Capital Düsseldorf

Mit der breiten Brust einer leistungsstarken Wirtschaftsmetropole präsentiert sich Düsseldorf geschickt als „Mobile Capital“. Die zahlreichen Unternehmen der mobilen Branche vor Ort loben den Standort.

Dass Düsseldorf deutschlandweit mit dem Begriff „Mobile“ verbunden ist, hat seine Berechtigung und kommt nicht von ungefähr. Nirgendwo in Deutschland gibt es so viele Mobilfunk- oder Kommunikationsunternehmen an einem Standort. In oder um Düsseldorf herum tummeln sich unter anderem Hardwarehersteller wie Huawei, ZTE, ­Toshiba, Alcatel, Blackberry, Sony und im benachbarten Ratingen Nokia. Mit dem Smartphone des Düsseldorfer Sicherheitsspezialisten Secusmart telefoniert sogar Kanzlerin Angela Merkel in Berlin.

Außerdem sitzen Schwergewichte der Branche wie die Netzbetreiber Eplus und Vodafone in der Stadt – über 50 Prozent aller deutschen Mobilfunk-SIM-Karten stammen aus Düsseldorf. „Der Standort Düsseldorf ist für Telekommunikationsunternehmen in Deutschland absolut einzigartig. In keiner anderen Stadt findet man so viele Carrier und  Mobilfunkanbieter gebündelt vor“, begeistert sich Bernd Reinartz von der Net-Mobile AG für den Standort seines Arbeitgebers.

Geschickte Standortpolitik

Insgesamt haben sich über 1.500 Firmen aus den Branchen der Informations- und Kommunikationstechnik in Düsseldorf angesiedelt. Die Stadt ist obendrein Sitz des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft (BVDW). Dass sich um diese Einrichtungen und die großen Anbieter herum ein wirtschaftliches Cluster der Mobilfunkbranche aufbaut, ist naheliegend, aber nicht selbstverständlich. Die Entwicklung Düsseldorfs zur „mobilen Hauptstadt“ ist auch auf eine geschickte und nachhaltige Standortpolitik zurückzuführen. Die Stadt hat mit Jürgen Gerreser im Wirtschaftsförderungsamt einen eigenen Verantwortlichen für die Branchenentwicklung Mobile/ITK benannt. Die Unternehmer loben die Zusammenarbeit und die Standortpolitik: Dr. Hans-Christoph Quelle von der Secusmart GmbH sagt: „Die Wirtschaftsförderung unterstützt gezielt Neugründungen und alteingesessene Firmen der mobilen Branche. Viele Netzwerke haben ihre Basis in der Landeshauptstadt und bieten wichtige Kontakte. Ganz zu schweigen von den verschiedenen bedeutenden Verbänden hier, gerade für die mobile Branche. Von Anfang an hat uns das Wirtschaftsförderungsamt stark unterstützt, dafür sind wir sehr dankbar.“

„An dem Standort Düsseldorf gefallen uns besonders die Aktivitäten der Stadt. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, ‚Mobile Capital’ in Deutschland zu sein, bewirbt sich entsprechend und unterstützt Unternehmen, sich in Düsseldorf anzusiedeln“, ist auch Dr. Ralf Lauterbach, Geschäftsführer der Appseleration GmbH, Volldienstleister für die mobile Welt, zufrieden. „Wir haben den Standort Düsseldorf aus historischen Gründen gewählt, da wir zunächst vor allem für die Telekommunikationsbranche tätig waren. Düsseldorf hat sich in den Jahren zu einem sehr attraktiver Standort entwickelt, da hier sowohl die Medien- als auch die Werbebranche stark vertreten sind und die meisten großen Konzerne inzwischen einen Standort in Düsseldorf haben.“

Kleine Wolke am Düsseldorfer Himmel

Da scheint die Nachricht, dass Google dieses Jahr sein Büro am Rhein schließt und nach Hamburg verlagert, nur ein kleines Wölkchen am Düsseldorfer Himmel zu sein. Wohl auch, weil die Rheinmetropole außerhalb der ITK-Branche über eine gesunde Wirtschaftskraft verfügt, die der mobilen Branche bereits viele Kooperationen und Pilotprojekte ermöglicht hat. So sitzen etwa die deutschen Großunternehmen Metro und Eon hier. Ein internationaler Flughafen und die zentrale Lage auf der Rheinschiene sorgen für eine europaweite Kundenanbindung.

Hinzu kommen einige gewachsene Besonderheiten der Stadt, zum Beispiel die große japanische Community. „Für die Net Mobile AG ist es besonders wichtig, dass unsere japanischen Kollegen durch die vielen asiatischen Einrichtungen sich ein bisschen wie zuhause fühlen können“, weiß Bernd Reinartz, die Internationalität zu schätzen. Auch die chinesischen Hersteller Huawei und ZTE siedelten sich in der Stadt an.

Düsseldorf ist zudem eine renommierte Messestadt. „Das allein bringt schon eine große Bekanntheit im Ausland mit sich“, berichtet Dr. Ute Brambrink, Pressesprecherin von Vodafone, über ihre internationale Erfahrung mit der Marke Düsseldorf. Mit dem M2M Summit verfügt die Stadt über einen Kongress aus der mobilen Branche, der sich in den vergangenen Jahren zu einer der wichtigsten Veranstaltungen im M2M-Umfeld entwickelt hat. Veranstaltungen und Initiativen wie die Digitale Stadt Düsseldorf, Mobile Monday oder Digitalk vernetzen die Branche intern.

Auf dem Teppich bleiben

Bei allen unbestrittenen Standortvorteilen mahnt mancher Düsseldorfer an, es mit der selbstbewussten Imagepflege nicht zu übertreiben und auf dem Teppich zu bleiben: „Alles, was das Bild von Düsseldorf in der Bevölkerung verbessert, ist für uns gut. Düsseldorf wird meist gleichgesetzt mit der Kö und Mode und wenig Bodenständigkeit. Die gute Lebensqualität, die kurzen Wege und die wunderbaren Kulturangebote und Freizeitmöglichkeiten bleiben da häufig im Hintergrund. Diese entscheiden aber darüber, ob qualifizierte Mitarbeiter nach Düsseldorf umziehen wollen“, so Dr. Ralf Lauterbach von der Appseleration GmbH.

Dass diese Standortvorteile bei den Bewerbern ankommen, darüber macht sich Dr. Ute Brambrink von Vodafone keine Sorgen: „Die Stadt hat insgesamt ein sehr positives Image und gilt bei Arbeitnehmern als attraktiv. Hinzu kommt ein großes Einzugsgebiet, aus dem wir ‚akquirieren’ können – der gesamte Niederrhein, das Ruhrgebiet, das Münsterland, das Bergischen Land, der Kölner Raum und die Gegend um Aachen.“

Dr. Hans-Christoph Quelle meint: „Natürlich kommt uns zugute, dass viele IT- und Kommunikationsfirmen in Düsseldorf zuhause sind. Qualifizierte Kräfte werden von einem solchen hochklassigen Jobangebot angezogen. Den bundesweit bekannten Mangel an Fachkräften spüren wir auch. Allerdings garantiert uns der Standort eine gute Basis an hervorragend ausgebildetem Personal und die Möglichkeit, neue Profis zu überzeugen. Die Nähe zur RWTH Aachen oder auch zur Ruhruniversität Bochum bilden eine gute Klammer, um Fachpersonal zu suchen. Und mit dem Lehrstuhl Kryptologie der FH Düsseldorf haben wir den Verschlüsselungsnachwuchs direkt vor der Haustür.“

Wie wichtig diese Ausbildungsstätten sind, zeigen etablierte Beispiele: Eine erfolgreiche, mittlerweile 15 Jahre am Markt aktive Gründung aus der Universität Düsseldorf heraus ist Sipgate, ein Unternehmen, das Mobilfunk­lösungen für Privatanwender und virtuelle Telefonanlagen für Firmen anbietet. Bastian Wilhelms, Produktmanager Mobilfunk, berichtet: „Unsere Firma ist 1998/99 schnell aus ihrem Geburtsort ‚Studentenwohnheim Campus Süd’ an der Uni Düsseldorf herausgewachsen. Wir fühlten uns immer sehr wohl in der Stadt. Es gab nie einen Grund, über einen anderen Standort nachzudenken.“ Allerdings wünscht sich Wilhelms durchaus „mehr Lockerheit“ für den Standort: „Mehr Ausprobieren, statt Businesspläne zu schreiben. Mehr auf einen Kaffee treffen, statt Visitenkarten auszutauschen. Mehr Turnschuhe tragen statt Anzüge“, beschreibt er das Gefühl und meint: „Düsseldorf ist nicht gerade eine Start-up-Stadt.“ Doch es tut sich was: „Viele Events im Coworking Space in der Garage Bilk finde ich sehr spannend.“ (siehe Seite 56)

Unterstützung für Gründer


Auch aktuell werden Gründungen in der Stadt unterstützt: „Wir profitieren von der räumlichen Nähe zur Film- und Medienstiftung NRW. Darüber hinaus bieten die IHK mit ihrem Startercenter und die Wirtschaftsförderung Düsseldorf Beratung, Vernetzung und Vermittlung von Büroräumlichkeiten an. Dort kann man seinen Businessplan kostenlos prüfen lassen, bevor man ihn Investoren vorstellt. Für Gründer aus dem Hochschulumfeld, die beispielsweise das Exist-Gründerstipendium nutzen möchten, ist die Düsseldorfer Innovations- und Wissenschaftsagentur (Diwa) eine gute Anlaufstelle“, berichtet Sebastian Kreutz über seine Erfahrungen. Sein Unternehmen Frame6 entwickelt Computer- und Videospiele. Das Gründerteam besteht aus Gamedesign-Absolventen der Mediadesign Hochschule Düsseldorf. „Die Hochschule hat uns nach dem Studium mit einem Gründerlabor unterstützt, in welchem wir aktuell auch noch entwickeln“, berichtet der junge Geschäftsführer. „Generell bietet Düsseldorf als Technologie- und Medienstandort eine gute Infrastruktur. Wir mögen die Stadt einfach. Sie ist kulturell abwechslungsreich, hat interessante Freizeit-Locations und Naherholungsgebiete, in denen man auch innerhalb der hektischen Großstadt abschalten kann.“ Aber er mahnt an: „Düsseldorf haftet nicht ganz grundlos das Image der ‚Schickimicki-Stadt’ an. Die Stadt investiert stark in Luxusquartiere, die saftige Mietpreissteigerungen in ganzen Stadtvierteln nach sich ziehen. Als Gründer und Normalverdiener wird es da bereits schwierig, Wohnraum in der Stadt selbst zu finden, wenn man auf lange Pendelzeiten verzichten möchte.“ 


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Bildquelle: Thinkstock / iStock

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