Nachgefragt bei Dr. Thomas Königsmann, Fraunhofer-Institut

Mobile Lösungen für das Pflegepersonal

Interview mit Dr. Thomas Königsmann, Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST in Dortmund

Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST

Dr. Thomas Königsmann, Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST in Dortmund

Herr Königsmann, Sichtwort „Krankenhaus der Zukunft“ – welche Rolle spielen mobile Lösungen bei dessen Umsetzung?
Thomas Königsmann:
Mobile Lösungen müssen sich den Prozessen im Krankenhaus und den Bedürfnissen der einzelnen Akteure unterordnen. Oftmals werden hier nur Ärzte während der Visite oder medizinische Notfallszenarien berücksichtigt und vergessen, dass beispielsweise im Bereich der Pflege eine Vielzahl an Tätigkeiten durchgeführt werden, die die Bestellung von Medikamenten und Verbrauchsmaterialien, dem Management von Betten, Reinigung, Verpflegung der Patienten und vieles mehr umfassen. Mobile Lösungen können insbesondere bei der Pflege helfen, das überlastete Personal zu unterstützen und ihnen die Zeit zu geben, sich mehr um die Patienten kümmern zu können.

Können Sie uns bitte konkrete, realistische Mobility-Anwendungsszenarien im „Krankenhaus der Zukunft“ beschreiben?
Königsmann:
Ein spannender Bereich ist, wie bereits angedeutet die Pflege. Hier laufen eine Vielzahl an Informationen zusammen: Die Pflege ist Schnittstelle zum Patienten, zu den Ärzten, zum OP, aber auch für administrative Tätigkeiten. Mobile Lösungen, welche diese Aufgaben aufgreifen und Werkzeuge liefern diese zu unterstützen, sind ein wichtiger Baustein des Krankenhauses der Zukunft.

Ein möglicher Anwendungsfall ist die Nutzung von Alarmierungs- bzw. Lokalisierungsfunktionalitäten mit mobilen Geräten oder Sensoren. Wie ist es hierbei um die Patientensicherheit sowie den Datenschutz bestellt?
Königsmann: Das Thema Datenschutz und Datensicherheit ist im Krankenhaus ein immens wichtiges und sehr kontrovers diskutiertes Thema. Dabei geht es nicht nur um Informationen zu Patienten, die über Sensorik (beispielsweise Patientenarmband) sondern auch über das Personal der Klinik, das geortet werden kann, oder dessen Aktivitäten durch Sensorik erfasst und dokumentiert werden.

Pauschal Technologie zu verteufeln kann dabei kein Weg sein. Ortungs- und Identifikationssysteme wie Patientenarmbänder können helfen die Patientensicherheit zu erhöhen – z.B. bei der Medikationsgabe, zur Vermeidung von OP-Verwechselung, etc. Auch wird zunehmend klar, dass die Kräfte im Krankenhaus unterstützt werden müssen, um ihre Aufgaben weiterhin bewältigen zu können. Solche Ziele rechtfertigen den Diskurs um das Thema Datensicherheit und erfordern es, sich der Aufgabe zu stellen, eine richtige Balance aus technischer Unterstützung und Wahrung der eigenen Privatsphäre zu finden.

Worauf kommt es bei der Einbindung mobiler Systeme in die Backend-Systeme (z.B. KIS, LIS, Archiv oder Bildsysteme/PACS) der Krankenhäuser vor allem an?
Königsmann:
Grundsätzlich kommt es immer auf die Hersteller der Systeme an, ob und welche Schnittstellen sie anbieten können und auch wollen. Bereiche wie beispielsweise PACS sind vergleichsweise offen, da die Hersteller offene Schnittstellen als Mehrwert des Produktes erkannt haben. Im Bereich der KIS sieht die Sache wiederum schwieriger aus. Hier sehen die Hersteller oftmals die Hoheit über die Daten in ihrem System und das Schaffen von Schnittstellen als Aufwand, den sie individuell erbringen müssen.

Wie ist Deutschland hinsichtlich „Mobile Healthcare“ im europäischen Vergleich aufgestellt? Was könnte man von Nachbarländern wie z.B. Österreich lernen?
Königsmann:
Allgemein ist die Fragestellung natürlich nicht zu beantworten. Es gibt in Deutschland sehr innovative Häuser, die ihresgleichen auch in der EU suchen. Man erhält aber schon in Deutschland oftmals ein Gefühl, dass die Scheu vor Innovationen hierzulande größer ist. Veränderungen werden erstmals kritisch gesehen, und es erfordert viel Überzeugungskraft und in gewissem Maße auch Überwindung, diese auch einzusetzen. Dieses Hindernis aufzuweichen, war die Motivation hinter dem Hospital-Engineering-Projekt. Es müssen Brücken geschlagen werden, zwischen den Krankenhäusern und den Anbietern innovativer Lösungen. Genau dies wollen wir mit der Hospital-Engineering-Initiative erreichen.

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