„Ein wahrer Teufelskreis“

Mobile-Payment-Markt: Evolution statt Revolution

Im Gespräch mit Patrick Brienen (CRO) und Chris Ziemann (Payments and Financial Services) von Orderbird über den hiesigen Mobile-Payment-Markt und den Einfluss der neuen Bezahlmethode „Apple Pay“ in Deutschland

  • Chris Ziemann, Payments and Financial Services, Orderbird

    „Wir werden keine Revolution erleben, sondern vielmehr eine Evolution“, meint Chris Ziemann von Orderbird.

  • Patrick Brienen, CRO von Orderbird

    Patrick Brienen von Orderbird denkt nicht, „dass Apple eine marktbeherrschende Stellung erobern wird“.

Herr Brienen, an welcher Stelle steht Deutschland im Bereich „Mobile Payment“ im Vergleich zu anderen europäischen Ländern?
Patrick Brienen:
Im E-Commerce steht Deutschland bislang sehr gut da. Ich denke da z.B. an Mytaxi oder Zalando – zwei deutsche Unternehmen, die für ihre Apps einen hervorragenden Mobile-Payment-Check-out gebaut haben. Auch am POS haben wir mittlerweile gute Voraussetzungen. Kontaktlose Kartenzahlungen haben in Deutschland bereits einen signifikanten Marktanteil und sind, verglichen mit anderen Ländern wie beispielsweise den USA, weitaus höher.

Chris Ziemann: Allerdings hat es bisher noch immer niemand geschafft, den Kunden richtig abzuholen. Lösungen wie Apple Pay und Google Pay haben da definitiv das Potential, Mobile Payment in Deutschland auf die Erfolgsspur zu bringen.

Was waren die bisherigen Bremsklötze für das mobile Bezahlen in Deutschland?
Ziemann:
Bislang hat es den Konsumentenanwendungen immer an der entsprechenden Nutzerfreundlichkeit gemangelt. Denn oftmals war der Vorgang, um beim Kassierer mobil bezahlen zu können, komplizierter und langsamer als die herkömmliche Karten- oder Barzahlung. Daraus resultierte ein typisches Henne-Ei-Problem. Es gab zu wenig Konsumenten, die die mobilen Zahlungsmöglichkeiten tatsächlich nutzten, und somit auch nicht genügend Personal, das sich mit den angebotenen Lösungen auskannte. Letzteres schreckte dann wiederum die Konsumenten davon ab, die Anwendungen einzusetzen – also ein wahrer Teufelskreislauf.

Wie sehen hingegen die treibenden Faktoren aus?
Brienen:
Die derzeitige Terminal- und Kassenlandschaft ist definitiv die treibende Kraft. So gibt es immer mehr Bezahl-Terminals, die kontaktloses Bezahlen unterstützen, sowie digitale Kassen, die beispielsweise QR-Codes scannen oder anzeigen können. Der Marktstart von Google Pay und Apple Pay tut sein Weiteres hinzu, um das Thema voranzutreiben. Die Kunden werden sich an das mobile Bezahlen gewöhnen – und es künftig stärker einfordern.

Welchen Einfluss übt der Markteintritt von Zahlungssystemen wie Google Pay (Juni 2018) und jetzt auch Apple Pay (Dezember 2018) konkret auf die Nutzerzahlen von M-Payment aus? Wie schätzen Sie die Wichtigkeit jener Zahlungssysteme ein?
Ziemann:
Der Einfluss von Lösungen wie Apple Pay und Google Pay ist riesig. Dazu muss man jedoch sagen, dass weder Apple noch Google konkrete Zahlen kommunizieren. Allerdings gibt es Hochrechnungen, die besagen, dass allein am Starttag von Apple Pay mehr Nutzer generiert wurden, als viele Mobile-Payment-Lösungen bis dato überhaupt hatten.

Was ist den Nutzern solcher Lösungen besonders wichtig?
Brienen:
Schnell, sicher und einfach muss es sein!

Ziemann: Geschwindigkeit, denn es sollte natürlich schneller als eine Barzahlung sein. Sicher, denn Nutzer müssen dem System vertrauen können, dass es ihre sensiblen Daten schützt. Einfach, weil es nicht komplizierter als andere Zahlmethoden sein darf. Letzteres betrifft auch den Kassierer. Niemand möchte in eine unangenehme Situation während des Bezahlens kommen.

Warum hat Apple Pay hierzulande so lange auf sich warten lassen? Welches Kalkül steckt Ihrer Meinung nach dahinter?
Brienen:
Das hat gleich mehrere Gründe: So trägt das iPhone in Deutschland lediglich einen Marktanteil von etwa 20 Prozent. Ein weiterer Punkt ist, dass Kreditkartenzahlungen noch immer wenig verbreitet sind. Zudem haben wir, im Gegensatz zu anderen Märkten, eine recht vielfältige und komplexe Bankenlandschaft. Damit haben wir drei Kriterien, die ursprünglich nicht unbedingt für Deutschland als wichtigen Markt gesprochen haben.

Worin sehen Sie die Vor- und auch Nachteile von Apple Pay im Vergleich zu den anderen gängigen mobilen Zahlungssystemen?
Ziemann:
Bei Apples Produkten und Services steht immer die Nutzerfreundlichkeit im Vordergrund. Genauso ist es auch bei Apple Pay. Es ist kinderleicht und intuitiv, seine Karteninformationen zu hinterlegen und diese dann mit den jeweiligen Geräten zu nutzen. Auf diese Weise ist es wesentlich einfacher, das iPhone oder die Apple Watch an das Bezahlterminal zu halten, als die Karte selbst herauszukramen.

Wie ist es um die Sicherheit jener Lösung bestellt?
Ziemann:
Die Karten, die in der Apple Pay Wallet hinterlegt werden, sind durch einen Token gesichert. Somit gelangen weniger Daten in das Kartenzahlungsnetzwerk als bei einer herkömmlichen Kartenzahlung. Darüber hinaus sind Gesichtserkennung und Fingerabdruck nur mit sehr viel krimineller Energie zu knacken. Meiner Meinung nach stellen Lösungen wie Apple Pay und auch Google Pay derzeit in Deutschland eine der sichersten Wege dar, um Zahlungen auszuführen.

Inwieweit wird sich Apple Pay Ihrer Ansicht nach hierzulande durchsetzen?
Brienen:
Ich denke nicht, dass Apple eine marktbeherrschende Stellung erobern wird – dafür gibt es in Deutschland schlichtweg zu wenige iPhones. Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass die Payment-Lösung einen relevanten Anteil im Zahlungsverkehr einnehmen wird.

Und wie wird sich anno 2019 generell der Mobile-Payment-Markt in Deutschland entwickeln?
Ziemann:
Wir werden keine Revolution erleben, sondern vielmehr eine Evolution. Technologien wie beispielsweise das kontaktlose Bezahlen mit der Karte mithilfe von NFC (Nahfeldfunk) wurden ja hierzulande bereits gut angenommen. Ich bin überzeugt davon, dass sich dieser Trend jetzt auch beim Mobile Payment fortsetzen wird.

Bildquelle: Orderbird

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