Kontaktloses Bezahlen: Interview mit Mirko Hüllemann, Heidelberger Payment

Mobile-Payment-Markt wächst nur mäßig

Mirko Hüllemann, Geschäftsführer der Heidelberger Payment GmbH, berichtet im Interview, warum der Mobile-Payment-Markt nur mäßig wächst und Apple Pay keine Erfolgsgarantie ist.

Mirko Hüllemann, Heidelberger Payment

Herr Hüllemann, mobile Bezahlmethoden konnten sich bisher beim Verbraucher nicht durchsetzen. Seit Apple seinen Bezahldienst Apple Pay vorgestellt hat, wird dem Mobile Payment nun der sichere Durchbruch vorhergesagt. Wie nehmen Sie Apples Marktmacht (-position) in diesem Zusammenhang wahr?
Mirko Hüllemann:
Den „sicheren“ Durchbruch wird auch Apple mit Apple Pay nicht erreichen. Dafür ist der Dienst nicht ausgereift genug. Und um einen wenig innovativen Dienst ohne Zusatznutzen auf einem funktionierenden Markt zu etablieren, reicht die Marktmacht von Apple bei Weitem nicht aus. Das elektronische Zahlen funktioniert auch bisher sehr gut. Eine Veränderung im Nutzerverhalten kann nur erreicht werden, wenn ein neues Produkt einen wirklichen Zusatznutzen bringt. Gerade diese Problematik wird auch bei Apple Pay nicht adressiert. Allein die Marke wird dem Dienst daher nicht zum Durchbruch verhelfen.

Apple greift mit seiner Lösung auf NFC-Technologie zurück, genau wie viele andere Anbieter bei vorhandenen Lösungen auch. Warum wird dennoch so viel über Apples Verfahren gesprochen?
Hüllemann:
Apple hat es in der Vergangenheit auf dem Markt der Smartphones und anschließend bei Tablets geschafft, grundlegende Innovationen zu liefern und neue Standards zu etablieren. Daher sind die Erwartungen groß und nähren die Hoffnung, dass Apple das ein weiteres Mal gelingt. Das erklärt den Hype, sagt aber noch nicht viel über die Erfolgsaussichten aus.

Derzeit versuchen sich auch andere große Internet-/Mobilfunkunternehmen – u.a. Paypal, Payback und Amazon – an einer Lösung für das bargeldlose Bezahlen. Wird Apple Pay also unnötig gehypt?
Hüllemann:
Ob unnötig oder nicht, lässt sich noch nicht sagen. Der Markt ist nach wie vor stark fragmentiert und die eine, alles überragende Lösung ist nicht in Sicht. Apple hat viele Fans und sehr gutes Marketing – die Grundlage für einen Hype. Nun muss das Unternehmen aber beweisen, dass dieser Hype gerechtfertigt ist. Derzeit sieht es eher nicht danach aus.

Sehen Sie die Gefahr, dass die konkurrierenden Technologien (QR-Code oder Bluetooth Low Energie) durch Apples Entscheidung auf NFC zu setzen ins Abseits geraten?
Hüllemann:
Damit eine Technologie sich als Standard durchsetzt, muss sie funktionieren und einer breiten Masse, mindestens aber der anvisierten Zielgruppe zur Verfügung stehen. Im Bereich Payment kommen Sicherheitsanforderungen hinzu, die erfüllt werden müssen. Diese Kriterien erfüllen alle drei der genannten Techniken, wobei nur die NFC-Technologie spezielle Hardwareanforderungen stellt. Da allerdings neben Apple auch viele andere Anbieter auf NFC setzen, stehen die Chancen gut, dass sich diese Technologie für das Payment durchsetzt. In anderen Bereichen werden aber sowohl der QR-Code als auch BLE zum Einsatz kommen.

Welche Kriterien müssen Bezahlverfahren generell erfüllen, um die kritische Masse an Konsumenten sowie Händlern bzw. anderen Akzeptanzstellen zu überzeugen?
Hüllemann:
Bezahlverfahren müssen einen überzeugenden Nutzen für den Endverbraucher bieten und dürfen für den Händler nicht zu aufwendig in der Integration in bestehende Prozesse sein. Um sich gegen existierende Verfahren durchzusetzen, muss ein Mehrwert für den Endverbraucher ersichtlich sein. Natürlich muss auch das Vertrauen in das Verfahren vorhanden sein.

Welches Bezahlverfahren hat aus Ihrer Sicht die größte Chance vom Verbraucher akzeptiert und angewandt zu werden? Sind mehrere Standard-Lösungen auf dem Markt denkbar?
Hüllemann:
Dazu lässt sich derzeit noch keine definitive Aussage machen. Es ist durchaus denkbar, dass mehrere Verfahren parallel eingesetzt werden. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass sich letztendlich ein Verfahren durchsetzt, das von mehreren Brands angeboten wird.

Woran werden voraussichtlich viele der heute am Markt befindlichen kleinen Anbieter scheitern?
Hüllemann:
Es gilt, viele Akzeptanzstellen zu schaffen und die Endverbraucher zu gewinnen. Beides sind Prozesse die viel Arbeit und Man-Power erfordern. Gerade dabei wird es für kleine Anbieter schwer werden, die nötige Aufmerksamkeit zu schaffen. Insbesondere bei den Händlern.

Haben Sie persönlich Erfahrung mit mobilen Bezahldiensten gemacht? Was spricht aus Ihrer Sicht dafür, was dagegen?
Hüllemann:
Ein Problem der mobilen Bezahldienste, das ich aus eigener Erfahrung kenne, ist die Verfügbarkeit. Sie funktionieren nur, wenn das Handy geladen ist und auch Empfang hat. Damit ist die Einsatzbereitschaft selbst dann nicht gewährleistet, wenn diese Bezahlmethode vom Händler prinzipiell akzeptiert wird. Deshalb sehe ich nicht, wie diese Verfahren in naher Zukunft das Portemonnaie und die etablierten und verlässlichen Verfahren EC- und Kreditkarte verdrängen können.
 
Ein Blick in die Zukunft: Wie hoch wird der Anteil mobiler Zahlungen 2020 in Deutschland sein?
Hüllemann:
Bei der derzeitigen Entwicklung und den aktuellen Problemen wird dieser Markt in den nächsten Jahren nur mäßig wachsen. Aber es bleibt abzuwarten, ob die Dienste-Anbieter aus den Fehlern lernen und eine entsprechende Lösung entwickeln. Dann kann es sehr rasant zugehen. Nach dem Hype um mobile Payment warten alle auf „Die“ Lösung – nur gibt es die noch nicht.


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