App-Power für Elektrofahrzeuge

Mobile Services für Elektroautos

Viele Automobilbauer stellen Fahrern von Elektrofahrzeugen mobile Apps mit Übersichtsfunktionen wie dem Ladestand der Batterie und einem Tankestellennetz zur Verfügung. Doch an der Schnittstelle von Car-IT und E-Mobility geht noch mehr.

  • Viele Automobilbauer stellen Fahrern von Elektrofahrzeugen mobile Apps mit Übersichtsfunktionen wie dem Ladestand der Batterie und einem Tankestellennetz zur Verfügung.

  • Viele Automobilbauer stellen Fahrern von Elektrofahrzeugen mobile Apps mit Übersichtsfunktionen wie dem Ladestand der Batterie und einem Tankestellennetz zur Verfügung.

Wir wollen bis 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen bringen.“ – Dieses durchaus optimistische Ziel formulierte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer Eröffnungsrede der Internationalen Automobilausstellung (IAA) 2013 in Frankfurt. Stand heute ist man davon noch kilometerweit entfernt, denn laut Angabe des Kraftfahrt-Bundesamtes waren am 1. Januar 2014 in Deutschland exakt 12.156 Elektrofahrzeuge und 85.575 Fahrzeuge mit Hybridantrieb zugelassen. Ein positiver Trend ist dennoch zu beobachten. So wurden in den ersten zehn Monaten des Jahres 2014 in der Bundesrepublik knapp 6.900 Elektrofahrzeuge neu zugelassen, was den 2013er Jahreswert (6.051 Einheiten) bereits übertrifft. Die steigende Nachfrage nach Elektroautos haben auch die Hersteller bemerkt und investieren zunehmend in die Forschung und Entwicklung dieses alternativen Antriebskonzepts. So finden Interessenten bei vielen Automobilmarken einen Ableger, der sich mithilfe von Elektromotoren fortbewegt.

E-Mobility trifft Car-IT

Auch in Sachen Car-IT stellen VW, BMW und Co. zunehmend mobile Services für ihre Modelle bereit. Interessant ist, dass sie gezielt eigene Apps für ihre Elektroautos entwickelt haben. ADAC-Sprecher Dr. Christian Buric sieht Berührungspunkte: „In der Tat ist es so, dass die Car-IT auch mit der E-Mobilität zusammenwachsen wird. Jede Datengenerierung aus dem Antriebssystem kann für die Car-IT genutzt werden.“

Bei der App-Entwicklung kommt es nicht selten zu Kooperationen – so vertraute Mercedes Benz bei der Entwicklung der aktuellen App „Charge&Pay“ auf die Expertise von Bosch Software Innovations. „Diese App ermöglicht es unseren Kunden, freie Ladesäulen zu finden und den Lade- und Abrechnungsprozess zu steuern“, erklärt Ralf Lamberti, Leiter Connected Car & User Interaction bei der Daimler AG. Unterstützt werde nahezu die komplette öffentliche Ladeinfrastruktur in Deutschland. Dabei spiele es keine Rolle, welcher Anbieter die jeweilige Ladesäule bereitstellt. Nachdem der Nutzer eine freie Ladesäule via App gefunden und sich über die Strompreiskonditionen informiert hat, authentifiziert er sich per Smartphone. Abgerechnet wird nach jedem Vorgang automatisch über eine verschlüsselte Datenverbindung via Paypal. „Besonders ist hierbei, dass die App ohne Vertragsbindung und Grundgebühr funktioniert“, fügt Ralf Lamberti an.

Fahrstiloptimierung per App

Ist die Batterie des Elektromobils frisch aufgeladen, möchten Fahrer am liebsten zu jeder Zeit wissen, wie weit sie denn noch mit ihrem Gefährt kommen. „Solange der Ladezustand und die Ladedauer ein limitierender Faktor für Elektromobilität sind, muss man vor Reiseantritt die Batteriekapazität über ein mobiles Gerät ermitteln können“, fordert Dr. Rainer Mehl, Head of Manufacturing Consulting und Global Leader Automotive bei NTT Data. BMW-Fahrer der E-Modelle i3 und i8 können dafür auf die i-emote App zurückgreifen. So können sie sich etwa über den Ladestatus der Batterie und über die Fahrzeugreichweite (elektrische sowie Range-Extender-Reichweite, also mit der Nutzung eines zusätzlich verbauten Verbrennungsmotors) informieren oder sogenannte „Remote Services“ nutzen. Zu den letztgenannten gehören das Ver- und Entriegeln der Türen sowie das Vorklimatisieren des Innenraums vor Fahrtantritt. Praktisch ist die Anzeige der dynamischen Reichweitenkarte – so können Fahrer erkennen, ob das Wunschziel rein elektrisch angetrieben erreicht werden kann. Zudem bietet die App verschiedene Funktionen zur Optimierung der eigenen Fahrweise. Erste Erfolgserlebnisse können dabei durch die Berechnung der Effizienz des eigenen Fahrstils unter Verwendung der letzten Routenergebnisse per Smartphone abgelesen werden. So können Fahrer unter Umständen eine längere Distanz rein elektrisch zurücklegen.

Mit der VW-App „Car-Net-E-Remote“ kontrollieren Nutzer nicht nur den Ladezustand der Batterie, sondern können den Ladevorgang auch gleichzeitig mobil starten oder stoppen. Weiterhin lassen sich Kilometer, Fahrtzeit und Verbrauchs­angaben des Elektromotors sowie weiterer Stromabnehmer des E-Autos einsehen. Interessant ist, dass Fahrer Daten über die Nutzung der Rekuperation, also der Energierückgewinnung, abrufen können. Dabei wird während der Brems- und der Verzögerungsphase eines Fahrzeuges – also immer dann, wenn der Fahrer bremst oder vom Gas geht – die Spannung der Lichtmaschine (Generator) angehoben und zum Nachladen der Fahrzeugbatterie genutzt.

Wenn von Elektromobilität die Rede ist, dauert es in der Regel nicht lange, bis der Name Tesla fällt. Denn das Unternehmen aus Palo Alto nimmt eine Vorreiterstellung in der Branche ein. „Der Tesla ist ein hochinnovatives Auto, das in puncto Reichweite und auch Fahrsicherheit eine echte Revolution darstellt – zumindest im Segment der E-Fahrzeuge“, weiß Christian Buric vom ADAC. Bis zu 460 Kilometer Reichweite verspricht das Unternehmen, wenn von seinem Flaggschiff „Model S“ die Rede ist – davon kann sich die deutsche Konkurrenz eine Scheibe abschneiden. Zum Vergleich: Der neue E-Golf von VW schafft bis zu 190 km, BMWs i3 soll bis zu 200 Kilometer rein elektrisch zurücklegen können.

E-Car per Smartphone starten

Auch was das Zusammenspiel zwischen mobilem Endgerät und Automobil betrifft, möchte sich das kalifornische Unternehmen von seiner Konkurrenz absetzen. Neben ausgewählten Standard-App-Funktionen – z.B. mobile Kontrolle über den Ladeprozess, Klimatisierung, Ver- und Entriegeln der Türen sowie des Schiebedaches – lassen sich zusätzliche Fahrzeugkomponenten per Smartphone steuern. So können Nutzer die Hupe betätigen oder das Fernlicht aufflackern lassen, um das Fahrzeug auf einem weitreichenden und gut gefüllten Parkplatz schneller wiederzufinden. Der mobile Zugriff auf Autofunktionen geht sogar noch weiter – so ermöglicht es eine neue Firmware-Version US-Kunden bereits, ihren Tesla per Smartphone zu starten, falls der Autoschlüssel vergessen wurde.

Weiterhin stellt der US-Automobilproduzent Apps für Google-Wearables bereit. So lassen sich z.B. Informationen über Batteriestand und Geschwindigkeit des Wagens auf dem Display der Datenbrille Glass bzw. einer Android-Smartwatch anzeigen – zudem ist die bereits erwähnte Steuerung von Hupe, Schiebedach sowie das Auf- und Abschließen des Wagens per Wearable Device möglich.

Bei Mercedes steht bei der Wearable-Integration hingegen die Informationsfunktion im Vordergrund, wie Ralf Lamberti ausführt: „Seit diesem Frühjahr können Kunden, die das Drive-Kit-Plus-Infotainmentsystem im Fahrzeug haben und unsere Digital-Drivestyle-App nutzen, die Pebble-Smartwatch verwenden, um sich auch außerhalb des Autos Fahrzeuginformationen (z.B. Tankfüllstand) anzeigen zu lassen.“ Die Integration der Smartwatch sieht allerdings kein Öffnen der Fahrzeugtüren vor.

Entwicklungsvorsprung aufholen

In puncto Technikfortschritt könnte man meinen, als hinge die deutsche Automobilindustrie in Sachen Elektromobilität gegenüber anderen Industrienationen (noch) hinterher – vor allem, was die Akkuleistung und damit die potentielle Reichweite betrifft, scheint das erwähnte US-Unternehmen in der Tat „state of the art“ zu sein. Auch im Zusammenspiel zwischen E-Mobil und Mobile Device setzt Tesla innovative „Duftmarken“, wobei der Sicherheitsaspekt dabei noch nicht wirklich ausgereift scheint (mehr dazu auf Seite 47). Gerade diese Erfahrungswerte aus dem Land der (un)begrenzten Möglichkeiten scheinen die deutschen Autobauer genau zu beobachten, weshalb hierzulande durchaus berechtigte Sicherheitsbedenken die Entwicklung hinsichtlich des mobilen Zugriffs auf Fahrzeugfunktionen einbremst. Überhaupt sollte man zuerst die Markt­entwicklung bei bereits erhältlichen mobilen E-Mobility-Services abwarten. In Deutschland schätzt ADAC-Experte Arnulf Volkmar Thiemel die Entwicklung wie folgt ein: „Der Markt wird zeigen, ob Fernentriegelung, Ladezeitsteuerung oder Standklimatisierung angenommen werden – und ob die Kunden bereit sind, dafür Aufpreise zu bezahlen.“ Denn gerade letzteres Ar­gument scheint (noch) ein Knackpunkt in Sachen E-Mobility zu sein: die Kosten. So verlangt VW beispielsweise für seinen Kleinwagen e-up! bereits stolze 26.900 Euro – ohne Extras. Bei Tesla darf man gut und gerne noch das 2,5-fache für das Basismodell draufschlagen.

Dass Automobile mit Elek­troantrieb gerade hinsichtlich der Themen Energieeffizienz und CO2-Emission einen technischen Fortschritt darstellen, steht außer Frage. Löblich ist zudem, dass der Umwelt­aspekt auch innerhalb der herstelleigenen Apps – vor allem, was die Datennutzung zur Verbesserung der Fahreffizienz betrifft –  Beachtung findet. Wie sinnig es allerdings ist, das E-Auto per Datenbrille aus der Ferne zum Hupen zu bringen, sei einmal in Frage dahingestellt...

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