Hier rollt der Rubel

Mobile Szene Köln

Das große Plus von Köln liegt weniger in oder an der Stadt selbst, sondern ist die Lage inmitten eines pulsierenden Wirtschaftsraums. Hier finden Gründer Kunden.

  • „In Köln kann man sehr gut Geld verdienen“, so Marco Zingler von Denkwerk.

  • Kai Schmude, Venista Ventures: „Insbesondere in der Startup- und Venture-Capital-Branche wird Köln noch wenig wahrgenommen und hat gerade im Vergleich zu Berlin noch Entwicklungspotential.“

  • „Wir empfinden die Kölner Szene als sehr bodenständig und erleben die Gründer hier mit einem hohen Identifikationswert für die eigene Company.“ Julia Tanasic, Netstart Investments.

Dass diese vorteilhafte, kundennahe Lage der Domstadt in Nordrhein-Westfalen, einem starken Bundesland mit vielen Regionen und Städten, aber gleichzeitig ein Problem ist, erklärt Marco Zingler von der großen Kölner Interaktiv-Agentur Denkwerk: „Das Land tut sich schwer, Köln als das Internetzentrum herauszustellen. Die Stadt Köln mit ihren beschränkten finanziellen Mitteln ist offenbar nicht in der Lage, das Potential der Internetwirtschaft durch eine nachhaltige Wirtschaftsförderung zu heben. Anders als die konkurrierenden Standorte Berlin, Hamburg und München sind die Kölner Unternehmen mehr oder weniger auf ihre Eigeninitiative angewiesen. Das funktioniert aber erstaunlich gut, wie beispielhaft an den Initiativen Web de Cologne, Interactive Cologne oder Pirate Summit abzulesen ist.“

In und um Köln herum finden sich viele potente Kunden und gute Vernetzungsmöglichkeiten mit anderen Industrien. „Hier kann man sehr gut Geld verdienen. Berlin kann in dieser Beziehung nicht mithalten“, so Zingler, der dank zweier Niederlassungen von Denkwerk in Köln und Berlin beide Städte gut kennt. „Dafür zieht Berlin sehr viele kreative Mitarbeiter aus Deutschland und dem Ausland an. Genau diesen Pool an Mitarbeitern finden wir in Berlin leichter als in Köln. Daher haben wir uns für diese beiden Standorte entschieden.“

Ähnlich positiv bewertet Omid Hashemi, Geschäftsführer beim Digitalentwickler 42dp den großen Absatzmarkt für digitale Produkte in der breitgefächerten Medienlandschaft am Rhein. Allerdings vermisst er in Köln mehr Entwickler mit Berufserfahrung. Größere Unternehmen können mit einer Niederlassung in Berlin diese Standortschwäche kompensieren. So manch kleinerer Entwickler schielt aber auf Personal und Fördermittel an der Spree und ist bereit, umzuziehen. Gerade der Stadtstaat Berlin spielt seine Vorteile bei der Förderpolitik knallhart aus und lockt mit Förderprogrammen für Gründer.

Investorengelder gehen nach Berlin


Aber auch das Geld von Investoren zieht es vermehrt in die Hauptstadt: „Wir fühlen uns der Stadt Köln und der Region verbunden, sind aber natürlich viel in anderen Regionen Deutschlands und Europas unterwegs und aktiv. Ein Großteil unserer Frühphaseninvestments in den letzten Monaten ist in Unternehmen aus Berlin geflossen“, berichtet Kai Schmude, Chief Operating Officer vom Kölner Mobile-Investor Venista Ventures. „Wer Köln kennt, schätzt den Standort auch und kommt gerne wieder in die Stadt zurück. Aber insbesondere in der Startup- und Venture-Capital-Branche wird Köln noch wenig wahrgenommen und hat gerade im Vergleich zu Berlin noch Entwicklungspotential.“

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Mitten in der Stadt, am zentralen Rudolfplatz, hat der mobile Spieleentwickler Nurogames seine Büros. „Köln ist eine fantastische Stadt mit einer sehr hohen Lebensqualität. Es fällt nicht schwer, gute Mitarbeiter zu finden, die bereit sind, nach Köln zu ziehen. Es gibt zahlreiche Unternehmen im Medien- und Telekommunikationsumfeld. Seien es drei der vier großen Netzwerkbetreiber in der unmittelbaren Umgebung oder die Fernsehsender der RTL-Gruppe sowie der WDR. Außerdem gibt es zahlreiche Start-ups im digitalen Bereich und einige sehr professionelle Investoren, wie Capnamic“, fasst Holger Sprengel, Mit-Gründer des unabhängigen Games Developer zusammen.

Allerdings gibt er den öffentlichen Stellen mit auf den Weg, dass es mehr Förderung für innovative Unternehmen und Projekte aus der Games- und Mobile-Branche geben sollte, wie es sie in Berlin und Hamburg gibt. Eine weitverbreitete Meinung in der mobilen Szene.

Schwierige Beziehung


Und auch grundsätzlich ist die Beziehung zur öffentlichen Hand in Köln schwierig. Autofahrer stehen im Stau, Radfahren ist lebensgefährlich,  Sauberkeit und das städtebauliche Erscheinungsbild sind oft mangelhaft. „Das passt nicht zu dem in Köln herrschenden Lebensgefühl und der Power, die diese Stadt ausstrahlt“, sagt Lasse Thiemann von der Appcloud7 GmbH. Der App-Entwickler schätzt den Standort dank der „Offenheit der Menschen und somit potentielle Kunden im direkten Umfeld.“

Auch Oliver Schwarz von der auf HTML5 spezialisierten Internetagentur Schwarzdesign beschreibt Kölner als weltoffen und kontaktfreudig: „Dies gilt auch gerade fürs Business. Mit Vereinen oder Initiativen, wie z.B. dem Twittwoch oder KölnDesign gibt es hier einige spannende Networking-Optionen, von denen ich viel profitiert habe.“

Bodenständige Gründer


„Anders als Berlin herrscht in Köln kein großer Hype um die Gründer der Start-ups. Das merken wir vor allem an den Gründern selber, die wir in einer sehr frühen Seed-Phase nicht erst immer auf den Boden der Tatsachen holen müssen,“ berichtet Julia Tanasic von Netstart Investments aus der Praxis. Sie betreut die Finanzierung junger Start-up Unternehmen aus der Net Economy und lobt die rheinische Gründermentalität: „Kölner Gründer und Start-ups entscheiden sich mehrheitlich wegen ihrer Geschäftsidee und der dazugehörigen Vision, Unternehmer zu werden und wechseln nicht oft untereinander die Firmen oder Positionen.“

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Bildquelle: Denkwerk / Venista / Netstart

 

 

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