Interview mit Frank Ruge, Vidyo

Mobile Videokonferenzen noch im Pilotstadium

Interview mit Frank Ruge, Vice President Vertical Markets EMEA bei Vidyo

Frank Ruge, Vidyo

Frank Ruge, Vice President Vertical Markets EMEA bei Vidyo

Inwieweit nutzen hiesige Kliniken bereits mobile Videokonferenzlösungen im Arbeitsalltag?
Frank Ruge: In Deutschland befinden sich mobile Videokonferenzlösungen vielerorts noch im Pilotstadium. Mehr und mehr Einrichtungen interessieren sich aber auch hierzulande inzwischen für die neuen technischen Möglichkeiten. Andere Länder sind hier schon weiter: Etwa in den USA, England, Kanada, Singapur oder Skandinavien haben Ärzte und Pflegepersonal mobile Videokonferenzen bereits für sich entdeckt und vollständig in ihre täglichen Aufgaben integriert.

Welche Herausforderungen gilt es bei der Anbindung von Videokonferenzsystemen mit mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablet-PCs zu meistern?
Ruge: Für Videokonferenzen mit Smartphones kommen heute 3G- und 4G-Mobilfunknetze in Frage. Die Bandbreiten variieren in diesen Netzen allerdings sehr stark. Klassische Videokonferenzlösungen sind darauf nicht – oder bestenfalls nur bedingt – ausgelegt. Verbindungsabbrüche sind die Folge. Kliniken sollten daher eine Lösung wählen, die auf den Standard "H.264/SVC" (Scalable Video Coding) setzt. Er ermöglicht HD-Videokonferenzen zuverlässig auch über WLAN- und Mobilfunk-Netze.

Wie muss die Infrastruktur in der Gesundheitseinrichtung gestaltet sein, damit mobile Videokonferenzen qualitativ hochwertig und performant möglich sind?
Ruge: Lösungen, die auf dem H.264/SVC-Standard basieren, benötigen keine eigene IT-Infrastruktur mehr, eine gängige Internetverbindung reicht für Videokonferenzen in HD-Qualität aus. Auch die Anschaffungskosten sind im Vergleich zu klassischen, hardwarebasierten Systemen niedriger. Sie betragen teils nur ein Zehntel der herkömmlichen Lösungen. Durch die überschaubaren Investitionen und die technischen Möglichkeiten wird es für Kliniken aus betriebswirtschaftlicher Sicht hoch interessant, allen Mitarbeitern Videokonferenzen zur Verfügung zu stellen. So lassen sich die Kapazitäten der Mitarbeiter besser einsetzen und die Patientenbetreuung verbessern. Empfehlenswert ist eine zentrale Bereitstellung der Anwendung – das erleichtert die schnelle Einführung der neuen Technologie und, viel wichtiger noch, die Einhaltung datenschutzrechtlicher Vorgaben.

Können Sie uns bitte kurz ein konkretes Einsatzbeispiel von mobilen Videokonferenzen im Klinikalltag beschreiben?
Ruge: Es gibt bereits vielfältige Einsatzbeispiele unserer Technologie: Klinikärzte können sich für eine Diagnose mit Kollegen aus demselben oder einem anderen Krankenhaus beraten oder bei einer Operation direkt einen entfernt sitzenden Spezialisten hinzu schalten. Die Schweizer Firma Cyberfish beispielsweise hat eine Videoplattform zum Austausch für Mediziner ins Leben gerufen. Die Resonanz ist sehr groß: 2.500 niedergelassene Ärzte, Fachpraxen und Krankenhäuser innerhalb und 7.500 Kollegen außerhalb der Schweiz konferierten 2011 insgesamt 135.000 Stunden per Videokonferenz.

Mobile Videokonferenzen bieten Klinikärzten zudem auch die Möglichkeit, bei Bedarf rasch einen Übersetzer hinzuzuziehen. In Polen können sie beispielsweise sogar den Gebärdensprachedienst Mobitoki per Video nutzen. Auf der Intensivstation werden heute viele der Intensivbetten zentral durch geschultes Personal per Video überwacht. Pflegepersonal und Ärzte nutzen die Bilder für eine optimale Patientenbetreuung. Interessant ist auch die Videoübermittlung von Ambulanzfahrzeugen an die Notaufnahme: So gewinnen die Ärzte bereits vorab einen direkten Eindruck vom Zustand des Patienten und können gezielt kurzfristige, mitunter lebensrettende Maßnahmen vorbereiten.

©2020Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok