Smartphones beim Einkauf

Mobile Werbung ist eine schlechte Idee

Mobile Werbung wird immer seltener angeklickt. Käufer wollen das Smartphone eher für Informationen nutzen. Jeder zweite schaut bloß nach Anschrift und Öffnungszeiten.

Was fällt einem Marketer ein, wenn ihm nichts mehr einfällt? Genau: Mehr Werbung. Viel, viel mehr Werbung - laut, grell und unüberhörbar. Deshalb nannten Marketingexperten zum Beispiel beim Thema “iBeacons in iOS 7” als Anwendungsfall auch direkt ein leicht skurril klingendes Szenario mit mobilen Werbeunterbrechungen.

So ungefähr soll die Zukunft aussehen: Claus P. geht in ein Geschäft, um sich eine neue Hose zu kaufen. Direkt am Eingang ein Ständer mit stonewashed Jeanshemden und schon quakt das Smartphone los. “Kauf mich, oooooh ja, kauf mich. “- “Nein, kauf mich. Es wird bestimmt gleich regnen, ehrlich.” (Ein Regenschirm) - “Nein, hierher. Du musst jetzt sofort mich kaufen, dann brauchst du nie wieder das Haus verlassen.” (Das Smart-TV mit 60-Zoll-Display)

Ein Albtraum. In dieser Werbe-Dystopie werden wir nicht bloß still überwacht, sondern dauernd von virtuellen Koberern belästigt. Das ganze soll eine Art personalisierter, ortsgebundener Werbung via Smartphone sein, lustigerweise auch noch unter einem Euphemismus wie “Mobiles Einkaufserlebnis” oder “Mobile Customer Journey”.

Etwas weniger satirisch ausgedrückt: Die Auslagen in einem Geschäft informieren mein Smartphone über ihre Existenz, das überprüft dann zum Beispiel meine bisherigen Käufe und meine Suchbegriffe. Bei einem “Match” zwischen vermuteter Präferenz und vorhandenem Angebot wird mir dann das Produkt angepriesen, direkt mit Sofortkauf-Rabatt oder im Bundle mit einem Gutschein für ein Geschäft, in dem ich nie war und nie hin will.

Wie viele Leute würden das wirklich toll finden und nicht einfach nur lästig? Vermutlich ungefähr genauso viele Leute, wie im letzten Quartal auf mobile Werbeanzeigen geklickt haben: Sehr, sehr wenige, wie der “Global Media Intelligence Report” von Neustar feststellt.

Genaue Zahlen gibt es nicht, aber aus der Relation zwischen ausgelieferten und angeklickten Anzeigen lässt sich ein großes Missverhältnis ableiten: Die “Impression to Click Ratio” sei im letzten Quartal um 77 Prozent gesunken, stellt Neustar fest. Die Nutzer reagieren kaum noch auf mobile Werbung.

Das ist nach einer Studie von Equation Research und Vibes auch kein Wunder: Viele Smartphone-Besitzer nutzen ihr Smartphone eher als Entscheidungshilfe und zur Verbesserung des Einkaufskomfort. Weder das Bezahlen mit dem Smartphone noch der mobile Einkauf stoßen auf großes Interesse.

Selbst in den USA nicht, denn die Studie untersuchte nur den US-Markt. Sie fand unter anderem heraus, dass etwa ein Drittel das Smartphone lieber zum zum Verwalten von Gutscheinen und Kundenkarten benutzen wollen als für das bargeldlose Bezahlen. Und die Hälfte der befragten Nutzer informiert sich mit dem Smartphone ganz schlicht über Anschrift und Öffnungszeiten von Ladengeschäften.

Bildquelle: Helene Souza  / pixelio.de

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