Der mobile Weg zur Liebe

Mobiler Lebenslauf (2): Mobile Dating

In Teil zwei einer dreiteiligen Serie skizziert MOBILE BUSINESS den mobilen Weg zur Liebe und zeigt, wie der digitale Lebensstil unser Verhalten in Liebe und Partnerschaft beeinflusst und wie sich das „Verhältnis“ zum Smartphone auf das Miteinander auswirkt.

Liebe übers Smartphone

Über Mobile-Dating-Plattformen zur großen Liebe?

Pausenlos stehen wir in Kontakt mit unserem Smartphone – halten es in der Hand, drücken es und empfinden ziemlich schnell ein Verlustgefühl, wenn das Gerät mal nicht in Reich- oder Sichtweite ist. Das Mobiltelefon ist zu einem unverzichtbaren Alltagsgegenstand geworden und spielt deshalb auch in Sachen Liebe eine wichtige Rolle – nicht nur eine positive.

Online flirten und „kennenlernen“

In den vergangenen Jahren sind spezielle Dating-Apps – als Quasi-Nachfolger von Speed-Dating-Veranstaltungen – populär geworden. Kaum ein Single, weiblich wie männlich, der nicht schon einmal mit dem Smartphone nach der großen Liebe oder einem kurzen Stelldichein gesucht hat. Gemütlich von der heimischen Couch aus können Online-Partnerbörsen und Flirt-Apps durchforstet werden – das ist effektiv und spart Zeit.

Tinder, Lovoo, Badoo oder Happn heißen diese Vermittler. Das Prinzip ist bei allen ähnlich: Ein Profilfoto wird zusammen mit einem kurzen Steckbrief angelegt und dank standortbasierter Funktionen trudeln auch gleich andere Suchende aus der Umgebung auf dem Display ein. Oder anhand der Antworten auf zuvor gestellte Fragen wird errechnet, wie gut zwei Nutzer zusammenpassen – Matching-Scores werden dann zum Auswahlkriterium eines potentiellen Lebenspartners.

Das Kennenlernen per App kann somit schnell zum spielerischen Zeitvertreib werden, reale Charaktereigenschaften bleiben bei der kurzfristigen Online-Betrachtung außen vor, ebenso wie soziale Fähigkeiten – allen voran das Flirten. Wer früher jemanden kennenlernen wollte, musste das Haus verlassen, ein Gespräch beginnen und fand so mit der Zeit heraus, ob des Gegenüber interessant ist oder eben nicht. Heute werden Daten und Fakten in Fragebögen eingegeben, damit eine Software berechnen kann, wer perfekt zu einem passen könnte. Wer dann über die App Kontakt aufnimmt und einige Zeit hin und her schreibt, entwickelt schnell eine bestimmte Vorstellung – gelegentlich eine Illusion – des Gegenübers. Da kann das Ergebnis des perfekten Partners noch so genau auf die eigenen Angaben zugeschnitten sein – das Verlieben passiert auf einer anderen Ebene. Und obwohl das Smartphone den echten Blickkontakt nicht ersetzen kann, lässt es trotzdem eine gewisse Intimität über Wort, Emoticons oder persönliche Bilder zu. Eine Liebeserklärung per SMS, E-Mail oder sonstigem Messenger hat vermutlich die Mehrheit schon mal verschickt oder erhalten. Schriftliche Geständnissse spielen dabei nicht nur dem Schüchternen in die Karten, sondern erlauben durch die Zeitverzögerung, über das zu Sagende nachzudenken.

Lieber kein Sex als offline

Wer über die „Suche“-Phase hinaus ist und in einer festen Beziehung lebt, sollte seinen Smartphone-Gebrauch wohl dosieren und nicht ständig auf das Display schauen, um das Gerät nicht zum LiebesKiller werden zu lassen. Wie erschreckend groß die Zuneigung zum Mobilgerät bereits ist, zeigen die Ergebnisse einer Online-Studie von KRC Research, laut derer bis zu 83 Prozent der Befragten das Gerät mit ins Bett zwischen die Polster und unter die Decke nehmen. 60 Prozent schlafen sogar gelegentlich mit dem Telefon in der Hand ein. Unter den mehr als 7.000 befragten Smartphone-Nutzern gaben einige sogar an, dass sie lieber ein Wochenende auf den Sex mit ihrem Partner verzichten würden, wenn sie dafür in einer Entscheidungssituation ihr Smartphone behalten könnten.

Fremdgehen begünstigt

Nicht nur die Partnersuche wird über das Internet vereinfacht. Leider mehren sich damit auch die Möglichkeiten zum Fremdgehen. Eine – persönlicher Einschätzung nach – besonders dreiste Botschaft verbreitet „Gleeden.com, die diskreteste mobile App für Untreue“. Weil angeblich 42 Prozent der Tinder-Nutzer verheiratet sind und sich mit einem öffentlichen Profil samt Bild dem Risiko aussetzen, erwischt zu werden, wirbt die Vermittlungs-App mit voller Diskretion.

So groß die Liebe zum Smartphone und die ständige Erreichbarkeit auch sein mag, sie ersetzt keine Freund- oder Partnerschaft. Und auch wenn das Telefon eine nette Ablenkung vor dem Einschlafen ist, hält man den Partner damit auf Abstand – obwohl: Es gibt bereits Sexspielzeuge, die sich über das Smartphone steuern lassen.


Lesen Sie auch Teil 1 "Jugend im Wandel" und Teil 3 "Digitaler Nachlass" um zu erfahren, welche Auswirkungen mobile Endgeräte auf unser Leben haben.


Bildquelle: Thinkstock/ iStock

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok