Im Netz unsterblich?

Mobiler Lebenslauf (3): Digitaler Nachlass

Im letzten Teil der dreiteiligen Serie skizziert MOBILE BUSINESS, warum es wichtig ist, sich schon zu Lebzeiten mit seinem digitalen Nachlass zu befassen und wie sich in sozialen Medien die Profile Verstorbener verwalten lassen.

Traurige Frau

Bei Facebook lässt sich ein Nachlasskontakt angeben, der sich beispielsweise um das Nutzerkonto kümmert, wenn dieses in den Gedenkzustand versetzt wird.

Das ewige Leben zählt zu den uralten Menschheitsträumen, was sich in mythischen Geschichten wie der Suche nach dem heiligen Gral widerspiegelt. Nun scheint das Internet inklusive sozialer Netze diesen Traum zu erfüllen. Denn das World Wide Web vergisst nichts und wenn man nicht bereits zu Lebzeiten seinen digitalen Nachlass geregelt hat, überdauern Nutzerprofile nicht selten bis in alle Ewigkeit.

Aus den Augen, aus dem Sinn: Was vielleicht für den räumlichen Umzug von Bekannten, Freunden oder Nachbarn gelten mag, gestaltet sich in der digitalen Welt oftmals vollkommen anders. Denn im Netz bleiben sämtliche digitalen „Erinnerungen“ omnipräsent. So haben Schauspieler wie der 2008 verstorbene Heath Ledger oder der 2012 verstorbene Dirk Bach nach wie vor öffentliche Facebook-Profile – und damit Tausende von Followern, regelmäßige „Likes“ sowie hin und wieder Kommentare auf den Profilseiten. Und beim Kurznachrichtendienst Twitter stößt man über ein Jahr nach seinem Tod noch immer auf Frank Schirrmacher, seines Zeichens Mitherausgeber der FAZ. Doch nicht nur Prominente und Menschen des öffentlichen Lebens sind vom scheinbar unauslöschlichen Gedächtnis des Internets betroffen. So sterben nach Angaben der Verbraucherzentrale jedes Jahr rund 175.000 deutsche Facebook-Nutzer, ohne bestimmt zu haben, was nach dem Tod mit ihren digitalen Daten geschieht.

Was schwirrt durchs Netz?

Was einmal ins Internet gelangt, kann nur schwerlich wieder gelöscht werden. Von daher sollte man bereits zu Lebzeiten nicht nur ein Augenmerk auf seine öffentlichen Posts in Geschäftsnetzwerken, Foren oder sozialen Medien legen, sondern auch klären, wo genau man private Daten überall preisgegeben hat. Es gilt den Überblick zu behalten, welche Profile bei welchen Internet-Diensten, Service-Apps oder E-Mail-Accounts überhaupt existieren. Bei durchschnittlichen Digitalmenschen könnten dazu zählen: E-Mail-Dienste, soziale Netze (Facebook, Twitter), Business-Netzwerke (Xing, Linked-in), Cloud-Dienste (Dropbox, Evernote, Flickr), Fitness- und Gesundheits-Apps (Runtastic, Noom), Messenger (Whatsapp), Online-Games und und und ... Diese Liste lässt sich bei den meisten wohl beliebig weiterführen und macht deutlich, wie viele persönliche Daten – wenn auch mitunter nicht die allerkritischsten – bereits durch das Web schwirren.

An dieser Stelle lohnt es sich, zunächst einmal aufzuräumen und Accounts, die seit Jahren ungenutzt blieben, direkt zu löschen. Im nächsten Schritt sollten die Online-Nutzer klären, wie der eigene digitale Nachlass aussehen sollte und wer diesen steuern darf. Nützliche Tipps dazu gibt der Bundesverband der Verbraucherzentralen unter www.machts-gut.de. Hier findet man u.a. Checklisten für Hinterbliebene sowie eine Übersicht darüber, wie Online-Anbieter selbst mit Todesfällen unter ihren Nutzern umgehen.

Eine andere Möglichkeit ist die Nutzung spezieller Software-Tools. So verwalten beispielsweise Passwort-Manager wie Roboform von Siber Systems sämtliche Internet-Passwörter. Zudem können in sogenannten „Identitäten“ wichtige Daten wie Ausweis-, Führerschein- oder Steuernummern hinterlegt werden. Anschließend kann eine Nachricht mit dem Master-Passwort für einen vertrauenswürdigen Menschen hinterlegt werden. Dieser hat dann Zugriff auf alle Accounts und kann diese auf den vorgesehenen Wegen kündigen. Gleichzeitig stehen dieser Person alle Angaben für die Kommunikation mit den Behörden zur Verfügung. Für den Fall, dass auch der Computer des Verstorbenen nicht mehr zugänglich sein sollte, kann die verschlüsselte Datei mit den Zugangsdaten laut Anbieter mit der mobilen Roboform2Go-Software auf einem USB-Stick gespeichert werden. Im Verlustfall drohe keine Gefahr, denn der Inhalt des Sticks sei verschlüsselt und könne nur mit dem Masterpasswort zugänglich gemacht werden.


Lesen Sie auch Teil 1 "Jugend im Wandel" und Teil 2 "Der mobile Weg zur Liebe" um zu erfahren, welche Auswirkungen mobile Geräte auf unser Leben haben.


Bildquelle: Thinkstock/ iStock

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