Interview mit Hugo Thiel, Comparex

Mobiler Zugriff auf Patientendaten

Interview mit Hugo Thiel, Manager Vertical Healthcare bei der Comparex AG

Hugo Thiel, Comparex

Hugo Thiel, Manager Vertical Healthcare bei der Comparex AG

Was versteht man genau unter mobiler Telemedizin bzw. neudeutsch M-Health?
Hugo Thiel: Unter Mobile Health versteht man in erster Linie den Zugriff auf Patientendaten sowie medizinische Daten und Befunde im Krankenhaus mit mobilen Endgeräten.

Welche Vorteile dürfen sich Ärzte, Kliniken und Patienten von mobiler Telemedizin versprechen?
Thiel: Patienten sowie das klinische Fachpersonal profitieren in erster Linie von der Informationsversorgung. Durch den Einsatz mobiler Endgeräte stehen die erforderlichen Informationen an jedem Ort zur Verfügung. Das fördert eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung und bindet nicht unnötig Kapazitäten des Fachpersonals.

Inwiefern können herkömmliche, eher anwenderorientierte Smartphones und Tablets als Überwachungsgeräte eingesetzt werden?
Thiel: In erster Linie lassen sich herkömmliche Geräte für die Notfallortung einsetzen. Mit entsprechenden Apps und Geräteschnittstellen – z.B. zur EKG-, Blutdruck- oder Blutzuckermessung – können diese Daten automatisch in der persönlichen Akte gespeichert und gegebenenfalls an den behandelnden Arzt übertragen werden.

Welche Krankheiten werden heute bereits mittels mobiler Telemedizin behandelt?
Thiel: Insbesondere bei Diabetes Mellitus oder bei koronaren Herzkrankheiten (KHK) kommt sie bereits zum Einsatz.

Wie verläuft der Datenaustausch zwischen Mobilgerät und Arzt- bzw. Krankenhausinformationssystem (AIS, KIS)?
Thiel: Die besten Methoden sind die Applikationsbereitstellung oder die Desktop-Virtualisierung. Diese ermöglichen Mitarbeitern eines Krankenhauses oder Ärzten, die Mobiltechnologien im vollen Umfang zu nutzen, ohne die Sicherheit von Klinik- oder Patientendaten zu gefährden. Die Applikationen werden für den Nutzungszeitraum virtuell zur Verfügung gestellt, jedoch bleiben alle Daten am Server gespeichert.

Wie wird dabei die Sicherheit der Patientendaten gewährleistet? Wo bestehen aktuell noch Sicherheitslücken?

Thiel: Folgende Regeln gilt es in punkto Sicherheit zu beachten:
•    Vertrauliche Daten müssen geschützt sein. Mobile Endgeräte sollten daher einheitlich und sicher konfiguriert werden, einschließlich Kennwortrichtlinien und Zugangskontrollen.
•    Zurücksetzung verloren gegangener und gestohlener Geräte per Fernzugriff (Remote)
•    Steuerung der Zugriffe auf die Unternehmensdaten über sichere Kanäle, beispielsweise dürfen Krankenhausdaten nicht lokal auf dem mobilen Endgerät gespeichert werden
•    Kontrolle über mobile Endgeräte durch die Definition von Unternehmensrichtlinien

Wie ist es hierzulande und sowie innerhalb Europas um die Verbreitung von M-Health bestellt?
Thiel: Im Hinblick auf die aktuellen Herausforderungen im Gesundheitswesen wird dem Einsatz von Informationstechnologien eine bedeutende Rolle zugemessen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Verbesserung der Informationsversorgung. Alle benötigten Informationen müssen im richtigen Umfang und zur richtigen Zeit für Krankenhausmitarbeiter zur Verfügung gestellt werden. Der Einsatz von mobilen Endgeräten, wie Smartphones und Tablet-PCs, im Gesundheitswesen nimmt stetig zu.

Können Sie uns bitte kurz einen konkreten Anwendungsfall beschreiben?
Thiel: Das Leipziger Klinikum St. Georg hat für die Eltern von kranken oder zu früh geborenen Säuglingen und das klinische Fachpersonal einen ganz besonderen Service eingerichtet: Via Internet oder WLAN können Eltern das neugeborene Kind jetzt von überall rund um die Uhr beobachten. Möglich machen dies Webcams in der neonatologischen Intensivstation sowie eine sichere Online-Zugriffslösung. Das so genannte „Kuschelblick-TV“ lässt sich von jedem Ort aus und mit jedem beliebigen Endgerät abrufen. Sogar auf einem Tablet-PC oder Smartphone können die Eltern jederzeit Live-Bilder ihres neuen Familienmitglieds sehen. Das klinische Fachpersonal hat mit der neuen Technologie die Möglichkeit, die Betreuung der Kleinen weiter zu verbessern und sie immer im Blick zu behalten.

Ein Blick in die Zukunft: Wie gestaltet sich ein Arztbesuch in zehn Jahren? Wie ein Klinikaufenthalt?
Thiel: Die Anzahl der Arztbesuche und Klinikaufenthalte wird zurückgehen. Online-Sprechstunden haben sich etabliert und die lebenslange Patientenakte ist Realität geworden. Aufgrund optimaler Ressourcenplanungen gehören lange Wartezeiten ebenso der Vergangenheit an wie Mehrfachuntersuchungen aufgrund nicht vorliegender Vorbefunde.

Generell gilt: Damit das Klinikpersonal von heute ohne Einschränkungen mobil arbeiten kann, muss die IT-Infrastruktur eines Krankenhauses hochverfügbar sein. Der Einsatz von mobilen Endgeräten, wie Smartphones oder Tablet-PCs, findet immer häufiger Verwendung im Gesundheitswesen. Eine wirtschaftliche wie effektive Lösung kann eine zentrale Applikationsbereitstellung sein, um die Mobilität für das klinische Fachpersonal effizient zu steigern.

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