WLAN auf dem Vormarsch

Mobilfunknetze im Wandel

Im Interview berichtet Dr. Bettina Horster, Direktorin Mobile im Eco-Verband der deutschen Internetwirtschaft, über künftige Veränderungen im Mobilfunkmarkt durch Streaming, Messenger-Dienste und die zunehmende Verbreitung von WLAN.

Bettina Horster, Eco e.V.

Bettina Horster, Direktorin Mobile im Eco-Verband der deutschen Internetwirtschaft

Frau Horster, neben altbekannten Netzbetreibern wie der Telekom, AT&T oder Vodafone arbeiten Neueinsteiger wie Facebook und Google an eigenen Datennetzen – wie ist hier der aktuelle Stand? Welche Erfolge räumen Sie diesen Initiativen ein?
Bettina Horster:
Die genannten Unternehmen arbeiten eher an virtuellen Netzen, bauen aber beispielsweise keine eigene Infrastruktur auf, was die Leitungen angeht. Die mieten sie vielmehr bei den gängigen Betreibern. Zur zweiten Frage: Die Preise für diese Mobilfunkdienste sind überall in den Keller gerutscht, zumal es eine immense Fülle an Angeboten gibt, auch von vielen kleinen Anbietern, die auf den Markt drängen. Dabei unterscheiden sich die Angebote kaum voneinander. Daher sind hier keine hohen Margen zu erwarten.

Stichwort Zusatzdienste (neudeutsch: Over the top services, OTT wie Hulu, Netflix, Spotify): Inwiefern werden diese das Bild der internationalen Netze verändern?
Horster:
Solche OTT-Dienste haben schon viele Veränderungen herbeigeführt und werden das auch weiterhin tun. Dienste wie beispielsweise Spotify oder auch Netflix verursachen unglaublich viel Last, daher müssen die Netzbetreiber ständig nachrüsten und ihre Netze ausbauen. Das sind immense Investitionen, über die sich die OTT-Anbieter freuen, an denen sie sich aber praktisch nicht beteiligen. Das ist ein echtes Problem für die Netzbetreiber – sei es im Mobilfunk oder klassisch übers Festnetz.

Indien erwägt, Whatsapp einer Regulierung zu unterwerfen. Ähnliche Überlegungen gibt es seitens der EU hinsichtlich der Regulierung von OTT-Diensten – was halten Sie von solchen Vorhaben?
Horster:
Von solchen Überlegungen seitens der EU habe ich noch nichts gehört, halte das aber auch rechtlich für sehr, sehr schwer durchsetzbar. Gerade auch seitens der Politik wird das Thema Netzneutralität sehr hoch gehalten und die müsste dann aufgeben werden. Ich sehe momentan nicht, dass das innerhalb der EU in absehbarer Zeit passiert.

Inwieweit unterscheiden sich die europäischen Mobilfunkmärkte von afrikanischen, asiatischen und amerikanischen Märkten? Welches sind hier die auffälligsten Merkmale?
Horster:
In Afrika gibt es nur den Mobilfunk. Dort sind Anwendungen wie M-Payment der Renner – ein Thema, das hier überhaupt nicht läuft. In Amerika – oder genauer: in den USA – sind die Tarife deutlich teurer. Und dort haben wir einen Apple-Markt, während Europa eher ein Android-Markt ist. Die Anwendungen bzw. Apps sind ähnlich. In Asien ist das anders, die haben ganz andere App-Anbieter, Whatsapp läuft dort gar nicht. Und beispielsweise in Japan sind auch Unix-basierte Betriebssysteme verbreitet, die es wiederum hier nicht gibt.

Manche Unterschiede sind tatsächlich länderspezifisch, wobei es eher um Details geht. Beispielsweise sind Messenger-Dienste im Grunde überall hip, aber welcher genau am beliebtesten ist, unterscheidet sich eben zum Teil von Land zu Land.

Mobilfunkverträge schließt man hierzulande in der Regel über eine Mindestlaufzeit von zwei Jahren ab. Inwieweit sind dies im europäischen/internationalen Vergleich gängige Vertragslaufzeiten?
Horster:
In Deutschland hängt das stark mit der Endgerätesubventionierung zusammen. Die gibt es nach wie vor und dann schließen die Leute auch solche Verträge über eine Mindestlaufzeit von zwei Jahren ab. Der Anteil der Prepaid-Angebote liegt schon seit Jahren bei ca. einem Drittel der Verträge. Die genauen aktuellen Marktanteile sowie etwaige andere Vertragsmodelle kennen die Mobilfunkbetreiber am besten. International variiert das stark von Land zu Land. In der Schweiz beispielsweise gab es im Gegensatz zu Deutschland nie eine so hohe Subventionierung.

Wo zahlt man innerhalb Europas durchschnittlich die geringsten und wo die höchsten Mobilfunkkosten? Wie sieht die Preisgestaltung in den afrikanischen, asiatischen und amerikanischen Mobilfunkmärkten aus?
Horster:
Die Antwort kann ich nicht aus dem Ärmel schütteln, dazu wäre eine recht aufwendige Recherche nötig, denn das ändert sich ständig. Beispielsweise war Österreich viele Jahre lang sehr billig. Dann hat dort eine Marktbereinigung stattgefunden, in deren Zuge Mobilfunkanbieter mit anderen zusammengingen (wie aktuell in Deutschland E-Plus und O2). Im Anschluss konnte man ganz deutlich beobachten, dass die Preise stiegen. Und wenn wir noch mal auf den amerikanischen Markt blicken: In den USA ist es im Vergleich zu hier recht teuer.

Glaubt man Branchenkennern, befinden sich mobile Dienste wie SMS oder Prepaid-Angebote derzeit weltweit auf dem absteigenden Ast – wie schätzen Sie diesen Sachverhalt ein?
Horster:
Ja, in Deutschland wird die SMS bald tot sein, denn Messenger-Dienste wie beispielsweise Whatsapp machen die SMS überflüssig. Diese Dienste arbeiten auch mit WLAN und sind daher kostengünstig. Es gibt aber auch Länder, in denen diese Entwicklung noch nicht in dem Maße stattgefunden hat, das ist aber nur eine Frage der Zeit.

Insgesamt ist WLAN hierzulande deutlich auf dem Vormarsch. Gerade bei Streaming-Diensten ist WLAN deutlich besser geeignet als die Nutzung über das normale Mobilfunknetz. WLAN wird immer weiter ausgebaut, indem beispielsweise immer mehr Hotspots entstehen. Das macht dann, je nach Nutzerverhalten, eventuell auch manche Prepaid-Angebote überflüssig.

Die Zukunft der Mobilfunknetze wird sehr stark durch die Machine-to-Machine-Kommunikation (M2M) mitbestimmt werden. Sie wird ein wesentlicher Treiber zukünftiger Mobilfunkstrategien sein. Über diese Zukunft berichtet Eco schon heute bei den Mobile-Business-Trends.


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