Scannen, klicken, kaufen

Multi-Channel-Plattform weitet Angebot aus

Das britische Unternehmen Power Technologies bereitet die Einführung einer Multi-Channel-Plattform in Deutschland vor. Um Marken und Einzelhändler hierzulande dafür zu gewinnen, kooperieren die Londoner mit der Netzpiloten AG. Im Interview berichtet Thomas Heickmann, Vorstand Sales, welches Einkaufserlebnis den Kunden künftig erwartet.

Thomas Heickmann, Vorstand Sales der Netzpiloten AG

Herr Heickmann, was verbirgt sich hinter der Mobile-Commerce-Plattform Powatag?
Thomas Heickmann:
Powatag gibt Käufern die Möglichkeit, Produkte innerhalb von wenigen Sekunden jederzeit und überall zu kaufen. Dabei werden eine Vielzahl von Triggern, wie das Scannen von Print-Materialien, Blue-tooth Beacons, Audiotags und Social Media genutzt. Sprich, die Konsumenten können Produkte direkt aus jeder Form von Werbung kaufen. Die Offline-Welt und ihre Print-Formate, wie Magazine oder Plakate, werden so für Online-Shopping zugänglich. Selbst dann, wenn die Geschäfte nach Feierabend oder am Wochenende geschlossen sind. Zusätzlich werden Infomercials, Rundfunkmedien und auch Events wie Fußballspiele oder Konzerte durch Audiotags in ein Shopping-Umfeld verwandelt.

Welche technologischen Möglichkeiten werden bei dem Bestellvorgang berücksichtigt?
Heickmann:
Mithilfe der QR-Codes, Beacons und Audiotags erkennt Powatag das gescannte Produkt und zeigt es automatisch im Warenkorb der App an. Durch den Zugriff auf vorab gespeicherte Informationen zur Zahlungsart und Anschrift, werden getätigte Käufe in nur drei Sekunden abgewickelt. Die Plattform erweitert bestehende Zahlungsarten und -technologien, anstatt sie zu ersetzen.

Wie ist der Kontakt zu Powa Technologies entstanden und wie sieht Ihre Kooperation konkret aus?
Heickmann:
Wir sind auf die Plattform durch unsere Kollegen in Spanien aufmerksam geworden und haben uns dann intensiv mit dem Thema beschäftigt. Mit Laura Schwarz, Director Client Relations von Powatag für DACH, haben wir eine zentrale Ansprechpartnerin, mit der wir auf einer Wellenlänge sind. Zum einen werden wir selbst das Angebot einsetzen und die Applikation in unsere Angebote integrieren. Zum anderen ist eine Vertriebskooperation vereinbart.

Zunächst war der Launch der E-Commerce-Plattform in Deutschland für das 1. Quartal 2016 geplant, nun ist von Herbst diesen Jahres die Rede. Wie laufen die Vorbereitungen für die Einführung?
Heickmann:
Der Launch mit mehreren wichtigen Händlern in Deutschland wird wie geplant im ersten Halbjahr 2016 stattfinden. In diesen Tagen beginnen wir damit, Kunden zu begeistern. Eine solche Neuerung muss auf die Marketing-Pläne der Händler abgestimmt sein.

Welche Branchen haben Sie für eine potentielle Teilnahme an der Plattform im Fokus?
Heickmann:
Der Einsatz von Powatag ist auf keine bestimmten Branchen festgelegt. Wir konzentrieren uns zunächst auf den B2C-Bereich.

Wie ist die Resonanz der Unternehmen. Können Sie schon ersten Namen bekannt geben?
Heickmann:
Zum jetzigen Zeitpunkt bin ich sehr zufrieden. Natürlich hat nicht jedes Unternehmen sofort „Hurra“ geschrien und nur auf uns gewartet. Aber so war es auch vor 15 Jahren, als ich mit den ersten Internet-Services bei Kunden vorstellig geworden bin. Die Early Adopters haben jedoch sofort verstanden, welches Potential in der Applikation unseres Kooperationspartners steckt.

Wie schätzen Sie die Erfolgsaussichten in Deutschland ein?
Heickmann:
Deutschland kommt oft etwas später, aber dann gewaltig, denn wir haben das größte Marktpotential. Das wird sicherlich kein Kurzstreckenlauf.

Welche Auswirkungen haben die Verbreitung der E- und M-Commerce-Aktivitäten von Einzelhändlern auf den stationären Handel künftig?
Heickmann:
Der Einzelhandel steht ja gar nicht so schlecht da, wie es ihm oft nachgesagt wird. Aber der Einzelhandel muss jetzt was tun, um dem Wandel der Konsumgewohnheiten gerecht zu werden. Die Konsumenten wünschen sich mehr Kontrolle und größere Freiheiten in der Art und Weise bzw. wann und wie sie einkaufen. Die stationären Einzelhändler sind auf die steigende Nachfrage, die von mobilen und Online-Plattformen herrührt, weitestgehend unvorbereitet. Die persönliche Interaktion zwischen Konsument und Marke wird immer wichtiger und Einzelhändler müssen darauf reagieren können. Wenn der Einzelhandel die Chancen, die ihm insbesondere der M-Commerce bietet, jetzt konsequent zu seinen Gunsten nutzt, wird es – und davon bin ich fest überzeugt – den stationären Handel beflügeln. Übrigens kaufe ich meine Anzüge und Jeans, trotz 15 Jahren Online-Erfahrung im Online-Marketing, nach wie vor in der Hamburger Innenstadt. Mit Powatag dann sogar noch ein bisschen lieber.

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