Smartphones & Co.

Nachhaltigkeit ist Fehlanzeige

Im Rahmen des MWCs vergangene Woche in Barcelona überboten sich die Hersteller mit der Vorstellung neuer Mobilgeräte. Bei der Deutschen Umwelthilfe sieht man dies kritisch, denn Nachhaltigkeit ist bei Smartphones & Co. meist nicht gegeben.

Elektroschrott

Die immer kürzeren Nutzungszyklen von Mobilgeräten führen zu wachsenden Schrottbergen.

Nach Einschätzung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ist Nachhaltigkeit bei Smartphones und Co. noch immer eher die Ausnahme als die Regel. Darauf machte der Umwelt- und Verbraucherschutzverband vergangene Woche in Barcelona aufmerksam. Denn kaum ein anderer Industriebereich verdeutlicht den verschwenderischen Umgang mit Ressourcen so stark wie die Informations- und Kommunikationstechnologie. Immer kürzere Nutzungszyklen führen zu wachsenden Schrottbergen und steigenden Ressourcenverbräuchen.

Damit Umweltschutz in der Branche wirklich umgesetzt wird, fordert der Verband Bundesumweltministerin Svenja Schulze auf, Dienstleistungen zum Erhalt von Geräten und nachhaltige Produkte finanziell zu fördern, Standards zum Ökodesign festzulegen, ein Handypfand sowie Vorgaben zum Einsatz von Recyclingmaterial einzuführen.

In diesem Zusammenhang hat eine DUH-Studie zur Nachhaltigkeit von Smartphones, Festnetztelefonen und Routern aus dem Jahr 2018 gezeigt, dass Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit in der Branche kaum umgesetzt werden. Nach Einschätzung des Verbands hat sich daran bis heute nichts geändert. Die Geräte gehen immer schneller kaputt und ständig kommen neue Modelle auf den Markt, für deren Herstellung viel Energie und wertvolle Ressourcen aufgewendet werden. „Allein in Deutschland wandern 24 Millionen neue Smartphones Jahr für Jahr über die Ladentheke, mit verheerenden Auswirkungen für die Umwelt. Um die immer kürzer werdenden Produktzyklen zu stoppen, müssen Dienstleistungen zum Erhalt von Smartphones im Vergleich zum Erwerb neuer Produkte steuerlich begünstigt werden. Auch besonders umweltfreundliche Geräte, wie gebrauchte Smartphones, sollten durch finanzielle Anreize für Verbraucher interessanter gemacht werden“, sagt die Stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz.

Desweiteren müssten die Hersteller von Smartphones stärker als bisher in die Pflicht genommen werden, Originalersatzteile zu verhältnismäßigen Kosten anzubieten. „Kostenlose Reparaturanleitungen und Software-Updates müssen für die erwartete Lebensdauer der Geräte zur Verfügung gestellt werden“, fordert der Stellvertretende DUH-Bereichsleiter für Kreislaufwirtschaft Philipp Sommer.

Handypfand von 22 Euro

Alternative Anbieter wie Fairphone und Shift zeigen wie es geht. Sie machen originale Ersatzteile für unabhängige Reparaturbetriebe und auch für Verbraucher verfügbar, wodurch Reparaturen überhaupt erst möglich werden. Darüber hinaus muss aus Sicht der DUH auch beim Ökodesign nachgebessert werden. „Umweltministerin Schulze muss verbindliche Standards zum Ökodesign festlegen, damit Produkteigenschaften wie Haltbarkeit, Reparierbarkeit, Recyclingfähigkeit und auch der Einsatz von Recyclingmaterialien in der Branche zur Regel werden. Beispielsweise sollten Akkus und Displays für die Nutzer problemlos austauschbar sein“, sagt Sommer.

Damit ausgediente Geräte für eine erneute Wiederverwendung aufbereitet oder recycelt werden können, ist es notwendig, dass sie getrennt gesammelt werden. Doch den in der Branche jährlich in Verkehr gebrachten Neugeräten mit einem Gesamtgewicht von einer viertel Million Tonnen stehen nur rund 9.000 Tonnen Altgeräte gegenüber, die für die Wiederverwendung gesammelt und aufbereitet werden. Eine desaströse Bilanz. Deshalb fordert der Umweltverband die Einführung eines Handypfands. Der Smartphone-Hersteller Shift erhebt bislang als einziger Anbieter bereits ein Pfand in Höhe von 22 Euro.

Allein in deutschen Schubladen schlummern rund 124 Millionen Handys, die vier Tonnen Gold, 38 Tonnen Silber und mehr als 2.000 Tonnen Kupfer beinhalten. Die professionelle Wiederaufbereitung eines einzigen Smartphones kann 14 Kilogramm Primärressourcen und 58 Kilogramm CO2 einsparen. „Um den Geräten ein zweites Leben zu ermöglichen, haben wir die Sammelinitiative ‚Handys für die Umwelt‘ neu gestartet. Mit unseren Sammelboxen können alte Handys an Sammelstellen abgegeben werden“, sagt Metz.

Für den Schutz von Umwelt und Ressourcen empfiehlt man den Verbrauchern gebrauchte Geräte zu kaufen, sie möglichst lange zu nutzen und Schäden, zum Beispiel durch Schutzhüllen oder Displayfolien, vorzubeugen. Umweltzeichen wie der „Blaue Engel“ und Produktbewertungen von Prüforganisationen wie Stiftung Warentest oder Öko-Test sollen überdies helfen, besonders umweltfreundliche Geräte zu erkennen.

Bildquelle: Paul Georg Meister

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