Supply Chain Management

Nachhaltigkeit ist gefragt

Daniel Dombach, Director EMEA Industry Solutions bei Zebra Technologies, erklärt im Interview, weshalb in einer globalisierten Welt der Supply Chain so eine tragende Rolle zukommt.

Daniel Dombach, Director EMEA Industry Solutions bei Zebra Technologies

Herr Dombach, können Sie kurz erklären, was Supply Chain Management (SCM) ist und wie es sich von der „klassischen“ Logistik unterscheidet?
Dombach:
Supply Chain Management bezeichnet den Aufbau und die Verwaltung integrierter Logistikketten (Material- und Informationsflüsse) über den gesamten Wertschöpfungsprozess, ausgehend von der Rohstoffgewinnung über die Veredelungsstufen bis hin zum Endverbraucher. Zebra trägt dazu bei, eine vernetzte Supply Chain zu schaffen, die die notwendige operative Transparenz bietet, um Vermögenswerte, Personen, Prozesse und Bestände miteinander zu verbinden. So wird eine reibungslose Chain of Custody, zuverlässige Genauigkeit und eine fundierte Entscheidungsfindung in Echtzeit ermöglicht.

Supply Chain Management erfährt eine wachsende Aufmerksamkeit. Welchen Einfluss haben Globalisierung, E-Commerce und die wachsende Leistungsfähigkeit von Mobilgeräten auf diese Entwicklung?
Dombach:
Die Rolle des SCM wird immer wichtiger. Moderne Arbeitsplätze entwickeln sich immer mehr hin zu intelligenten, innovationsgetriebenen Umgebungen, die die physische mit der digitalen Welt verbinden. In der gesamten Lieferkette erleben wir vor allem in den letzten Jahren enorme Veränderungen in allen Bereichen. Tägliche Aufgaben werden technologisch verändert, was zu mehr Effizienz und Produktivität sowie zu einer höheren datengesteuerten Transparenz des Betriebs führt. Es ist zwingend erforderlich, Teams, Anlagen und Systeme in Echtzeit miteinander zu verbinden, um so Leitlinien zur Steigerung der Effizienz und Rentabilität in der gesamten E-Commerce Supply Chain zu schaffen. Laut der Zebra Warehousing Vision Study wird der Einsatz von mobilen Handheld-Computern deutlich zunehmen, wobei der Bereich der Built-In-Barcodescanner in den nächsten fünf Jahren weltweit z.B. um 45 Prozent wachsen wir. Darüber hinaus werden mehr und mehr Anlagen, Fahrzeuge und andere Geräte miteinander verknüpft bzw. überwacht und zentral gesteuert werden. Verschiedenste Sensoren und Software-Programme ermöglichen eine permanente Sicht auf die Prozesse in der Supply Chain und erlauben eine schnelle Reaktion im Fall von Fehlern oder Problemen. Diese Vernetzung spielt eine wesentliche Rolle in Logistik 4.0 bzw. dem Internet der Dinge (IoT).    

Welche Prozesse sind innerhalb der Supply Chain besonders fehleranfällig und wie kann eine digitale SCM-Lösung hier Abhilfe schaffen?
Dombach:
In dem hart umkämpften und schnelllebigen Markt von heute kann es teuer werden, sich den neuen produktivitätssteigernden Technologien nicht anzupassen. Durch den Einsatz intuitiver mobiler Technologien, einschließlich robuster mobiler Computer und Tablets, Scanner, Drucker, Wearables, und in Zukunft auch Datenbrillen, werden die wachsenden Widrigkeiten für Hersteller, Lager, Einzelhändler sowie Transport- und Logistikunternehmen reduziert. Die Erfassung und Speicherung aller prozessrelevanten Daten ermöglicht hierbei Sichtbarkeit des Waren- bzw. Lieferbestandes in Echtzeit, um schnellstmöglich auf Bestellungen reagieren zu können und Kundenwünsche zu erfüllen.

Weshalb ist z.B. mangelnde Ende-zu-Ende-Sichtbarkeit eine solch große Herausforderung und welche Konsequenzen hat sie für Unternehmen?
Dombach:
Bei der On-Demand-Wirtschaft besteht die Herausforderung darin, den Mitarbeitern im Einzelhandel einen Leistungsvorsprung durch einen besseren und schnelleren Service zu verschaffen. Dies geschieht durch eine durchgängige Ende-zu-Ende-Sichtbarkeit vom Lagerbestand bis hin zum Einkaufsverhalten. Damit der Kunde das erhält, was er möchte, wann, wo, wie und zu seinem gewünschten Preis. Dazu gehört ein Portfolio flexibler und anpassbarer Ende-zu-Ende-Standortlösungen, die Betriebs- und Edge-Daten aus verschiedenen Quellen integrieren, darunter Ultra-Wideband (UWB), UHF-RFID-Tags, Bluetooth Low Energy (BLE)-Beacons und Kameras. Somit ist zum Beispiel der Lagerort einer Ware im Lager sichtbar oder die Bewegung eines Gabelstaplers kontrollierbar, der die Ware zu einer bestimmten Laderampe bringt. Das genaue Wissen über den Warenbestand ermöglicht eine schnellere Lieferung der Ware entsprechend dem Ziel Next Day oder sogar Same Day Delivery.

Welche Rolle spielt die Weiterentwicklung von Künstlicher Intelligenz für die Zukunft von SCM-Lösungen?
Dombach:
KI wird in der Zukunft von SCM-Lösungen eine Schlüsselrolle zukommen. So wird beispielsweise das Bestandsmanagement die Automatisierung und die KI nutzen, um Produktivität und Präzision der Mitarbeiter zu verbessern, Lagerbestände zu identifizieren, Mitarbeitern Aufgaben zuzuweisen und Produkte zu bestellen, was dann insgesamt zu einer reibungsloseren und zuverlässigeren Lieferkette führt.

Das Thema Nachhaltigkeit ist heute gefragter denn je. Die Abnehmer sind in der Pflicht, sich auch Gedanken über Dinge wie Entsorgen und/oder Recycling zu machen. Welche Rolle kommt also den Reverse Logistics zu und wie können SCM und mobile Lösungen hier unterstützen?
Dombach:
Nachhaltigkeit ist heute ein sehr wichtiges Thema bei SCM-Lösungen und verdient gleichzeitig noch mehr Aufmerksamkeit. Hier gibt es viele Aspekte zu berücksichtigen, Reverse Logistics ist dabei ein Faktor von vielen der nicht isoliert sondern als Teil einer Gesamtkalkulation betrachtet werden sollte. Großes Potential bieten dabei neben der Digitalisierung der Lieferketten auch neue Mobilitätsansätze wie Drohnen oder Elektromobilität. 

(Bildquelle: Zebra Technologies)

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