Smartphone-Recommerce

„Nachhaltigkeit ist noch nicht Hauptmotivation“

Im Gespräch mit MOBILE BUSINESS erläutert Klaus Abele, Geschäftsführer von Markt.de, die Vorteile und Möglichkeiten des Smartphone-Recommerce und welche Rolle Testzertifikate hierbei für die Kunden spielen.

„Nachhaltigkeit ist noch nicht Hauptmotivation“

Der Gebrauchthandy-Markt wächst in den letzten Jahren stetig.

MOB: Herr Abele, wie groß ist das Interesse der Deutschen am Kauf von gebrauchten Smartphones anstatt von komplett neuen Geräten?
Klaus Abele: Beim Markt für gebrauchte Handys in Deutschland beobachten wir auf Markt.de in den letzten Jahren ein sehr hohes Wachstumstempo. Diese Tendenz spiegelt auch die globalen Entwicklungen wider – laut Analysen der International Data Corporation sind die Absatzzahlen auf dem globalen Gebrauchthandy-Markt allein im letzten Jahr um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

Erst vor Kurzem hat der Digitalverband Bitkom bei einer Untersuchung herausgefunden, dass die Deutschen rund 200 Millionen ungenutzte Alt-Handys in Schubladen horten. Ganze 85 Prozent besitzen demnach mindestens ein altes, ungenutztes Handy. Die große Mehrheit entsorgt oder verkauft solche Handys irgendwann weiter – knapp jeder Zweite setzt dabei auf den Verkauf an eine Privatperson, lediglich neun Prozent an professionelle Handyankäufer.

Dabei ist der erzielte Kaufpreis sowohl für Verkäufer als auch für Käufer noch das größte Hindernis. Viele Verbraucher haben das Gefühl, zu wenig Geld für ihr ehemals teures Handy zu bekommen. Denn auf klassischen Recommerce-Plattformen erzielen die Verkäufer gebrauchter Mobilgeräte oft nur einen Bruchteil des realen Marktpreises im Vergleich zu Kleinanzeigenportalen, wo der Verkauf direkt Consumer-to-Consumer und ohne Provision stattfindet.

MOB: Worin sehen Sie die Vorteile des Smartphone-Recommerce?
Abele: Smartphone-Recommerce ist ein schnell und stetig wachsender Markt. Das liegt mitunter daran, dass gebrauchte Geräte in sehr gutem Zustand – auch in moderner Ausführung – deutlich günstiger als Neugeräte zu erhalten sind. Mittlerweile weisen neue und etwas ältere Handy-Modelle nur minimale Unterschiede in ihren Funktionen und Leistungen auf, dafür bewegen sich die neuesten Highend-Modelle preislich immer noch im oberen dreistelligen oder vierstelligen Bereich. Für viele Verbraucher lohnt sich der Aufpreis beim Neugerät gegenüber dem Vorgängermodell gar nicht mehr. Dann wird eben lieber auf ein gebrauchtes Smartphone gesetzt, das oft je nach Zustand bereits zu der Hälfte oder einem Drittel des UVP erhältlich ist.#

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 09-10/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Auch stellt der Kauf gebrauchter Smartphones einerseits für Käufer eine wesentliche Kostenersparnis dar, die es ihnen ermöglicht, sich vielleicht öfter ein neueres Smartphone-Modell zuzulegen. Andererseits können auch Verkäufer ihre alten, ungenutzten Handys als kleine Geldanlage betrachten.

MOB: Steckt bei den Verkäufern bzw. Käufern tatsächlich eher der Kostenfaktor oder auch ein Nachhaltigkeitsgedanke dahinter, ein gebrauchtes Mobilgerät zu verkaufen bzw. zu kaufen?
Abele: Der Nachhaltigkeitsaspekt gewinnt immer mehr an Bedeutung. Die modernen Smartphone-Geräte enthalten hochwertige und teilweise seltene Materialien, was die Produktion ressourcenintensiv und nicht unbedingt nachhaltig macht. Der deutsche Verbraucher kauft jedoch immer öfter umweltbewusster – das beobachten wir in den letzten Jahren auch durch die hohe Nachfrage nach etwa Secondhand-Mode und Gebrauchtmöbeln. Es ist eine Frage der Zeit, bis der Nachhaltigkeitsgedanke zur Hauptmotivation der Verbraucher wird, auf den Kauf eines Neugeräts zu verzichten und ein Gebrauchthandy zu erwerben.

MOB: Wie lässt sich der aktuelle Geldwert und Zustand eines genutzten Smartphones exakt ermitteln? Wie kann etwa die Myhandycheck-App an dieser Stelle helfen?
Abele: Wer sein Alt-Handy an eine Privatperson beispielsweise per Kleinanzeige verkaufen möchte, stößt immer wieder auf dasselbe Problem: Zu welchem Preis soll das Handy angeboten werden und welche Angaben macht man zum technischen und optischen Zustand? Oft bleibt eine zeitaufwendige Recherche den Nutzern nicht erspart. Unser Partner Myhandycheck schafft genau hier Abhilfe: Die App prüft digital – ohne dass man das Smartphone irgendwohin schicken muss – dessen Hard- und Software auf Zustand und Funktionalität. Es wird dabei alles getestet: von Lagesensor und Lautsprecher über Tasten- und Bildschirmfunktion bis hin zu Kamerazustand und Akkulaufzeit. Durch den Kameratest wird auch der Zustand des Gehäuses dokumentiert. 

Im Anschluss bekommen die Nutzer einen zertifizierten Testbericht mit allen Angaben zur Handyfunktionalität sowie eine datenbasierte Preisempfehlung für den jeweiligen Zustand. So weiß der Verbraucher genau, wie viel das gebrauchte Handy noch wert ist.

MOB: Wie kam die Kooperation zwischen Markt.de und der Myhandycheck-App zustande?
Abele: Die Webtogo GmbH hat auf Basis ihrer Erfahrung in der Diagnose von Handys und der Bereitstellung von mobilen Lösungen für die Telekommunikationsbranche die Myhandycheck-App entwickelt. Auf der Suche nach einem geeigneten Partner als Verkaufsplattform für den Endkunden sind sie auf uns gestoßen. Wir haben das Potenzial der App für den Gesamtmarkt erkannt und sind eine enge Partnerschaft mit dem Anbieter eingegangen. Dadurch erzielen wir mehr Transparenz und Sicherheit sowohl für private Verkäufer als auch für Käufer von Alt-Handys. Die Transparenz des Prozesses baut das Vertrauen zwischen Käufern und Verkäufern wieder auf.

MOB: Wie wird sich Ihrer Ansicht nach der Gebrauchthandy-Markt in den kommenden Monaten entwickeln?
Abele: Wir sind überzeugt, dass der Markt weiter stark wachsen wird. Das zunehmende Umweltbewusstsein, die Preissensibilität der Käufer sowie die Angleichung der technischen Funktionalitäten zwischen Neu- und Gebrauchthandys wird den Gebrauchtmarkt ankurbeln. Auch das Bewusstsein der Verbraucher, dass das alte Smartphone einen Wert hat und der Verkaufsaufwand weiter sinkt, wird einen positiven Einfluss darauf haben.

Bildquelle: Getty Images/iStock 

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