Deutsche Telekom, Vodafone & Co. gegen ausländische Konkurrenz

Neue Konzepte gesucht: IoT und 5G

Deutsche Telekommunikationsanbieter wie Deutsche Telekom, Vodafone & Co. sind auf der Suche nach neuen Konzepten, um Umsätze zu generieren. Hoffnungen ruhen auf IoT und dem 5G-Standard. Der Wettstreit um die Marktführerschaft sowie Rechte und Patente ist in vollem Gange.

Internet of Things, IoT

Das Internet of Things steht bei deutschen Telekommunikationsnabietern hoch im Kurs.

Ab Juni 2017 dürfen Mobilfunkprovider ihren Kunden innerhalb der EU keine Auslandsaufschläge mehr berechnen. Bereits ab dem 30. April liegen die von der EU vorgeschriebenen Höchstgrenzen für Auslandsgebühren im niedrigen Cent-Bereich. Zudem haben die etablierten Kräfte schon seit längerer Zeit mit Billig-anbietern zu kämpfen, die ihnen Marktanteile streitig machen. Die Zeiten waren schon mal leichter für die Mobilfunker. Auf der Cebit präsentierten die Marktführer wie die Deutsche Telekom und Vodafone nun ihre Strategien, wie die Zukunft der Zunft wieder ein wenig rosiger aussehen könnte. Zu den Kernpunkten gehören dabei Business-Anwendungen, Lösungen für das Internet of Things sowie immer wieder 5G. Im Kampf gegen die US-Giganten wie Apple und Google setzt man dabei auch auf die Vorteile, die der Standort Deutschland mit sich bringt.

Statt sich weiterhin in teure Investitionen zu stürzen, will man bei der Deutschen Telekom die vorhandene Infrastruktur noch besser nutzen und so letztlich den Umsatz steigern. Zu den Kernpunkten gehören dabei u.a. neue Angebote für die Industrie und die Open Telekom Cloud. Letztere soll es Business-Kunden ermöglichen, ihre Anwendungen beispielsweise für die Kommunikation rund ums eigene Büro kostengünstig über die Telekom-Wolke abzuwickeln. Das entscheidende Argument liegt laut Vorstandschef Thimotheus Höttges dabei nicht allein bei den Kosten, sondern auch beim Schutz der eigenen Daten vor dem Zugriff Dritter. Nicht zuletzt seit dem Fall Edward Snowden gebe es eine große Verunsicherung in den Unternehmen bezüglich der Sicherheit ihrer Daten auf Servern in den USA. Das Telekom-eigene Rechenzentrum bei Magdeburg sei ein „Daten-Fort-Knox“, versicherte Höttges auf der Cebit, dessen Kapazität in den nächsten zwei Jahren noch einmal um 150 Prozent ausgebaut werden soll.

Auch das Internet of Things steht bei der Deutschen Telekom hoch im Kurs. Unter anderem stellte das Unternehmen in Hannover eine Cloud-Anwendung für pflegebedürftige Menschen vor, die erkennt, wenn ein Patient zuhause stürzt und Hilfe benötigt. Diese wird im Ernstfall vom System automatisch angefordert. Eine neue Lösung für die Überwachung von Waren auf dem Seeweg sowie ein System, das Autofahrern über das Navigationssystem auf freie Parkplätze aufmerksam macht, wurden ebenfalls präsentiert. Große Hoffnungen ruhen auch auf dem kommenden 5G-Mobilfunknetz, mit dem dann Millionen von Geräten und Maschinen stabil und sicher über Funk verbunden werden sollen.

Noch mindestens vier Jahre

Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Konkurrenten Vodafone. Auch hier bereitet man sich auf den Nachfolger von 4G/LTE vor, der Geschwindigkeiten von jenseits der 1 Gbit/s ermöglichen soll, wie Hannes Ametsreiter auf der Cebit betonte. Gemeinsam mit Prof. Gerhard Fettweis von der TU Dresden zeigte der Deutschland-Chef von Vodafone das 5G-Netz auf der Pressekonferenz im Live-Betrieb. Bis das Netz auch Endkunden zur Verfügung steht, dürfte es allerdings noch mindestens vier Jahre dauern. Und bis das Netz 1.000-Mal höhere Geschwindigkeiten als derzeitige Technologien wie LTE bietet, dürften weitere zehn Jahre vergehen. Allerdings wird es bei 5G nicht allein um höhere Geschwindigkeiten gehen, sondern auch um Stabilität und kurze Reaktionszeiten. Denn nur so kann sichergestellt werden, dass sowohl Industrieanwendungen als auch Endkunden mit ihren Smartphones und Wearables jederzeit verlässlich auf die angebotenen Dienste zugreifen können.

Entsprechend groß ist der Kampf um die beste Ausgangsposition für 5G. Unter anderem wollen die Provider die Fehler der Vergangenheit vermeiden, die sie derzeit teuer zu stehen kommen. So müssen die Netzbetreiber für die Nutzung der eigenen Netze weiterhin an Unternehmen wie Nokia Networks und Huawei zahlen, die diese Netze aufgebaut haben. Eine bessere Ausgangsposition für 5G ist somit entscheidend für den Erfolg der Mobilfunkanbieter.

Doch auch diesmal schlafen Huawei & Co. nicht und haben sich eigenen Angaben zufolge bereits wichtige Rechte gesichert. Und so hält nicht nur Prof. Gerhard Fettweis von der TU Dresden einen „Patentkrieg“ für unausweichlich. „Die Weichen für die Zukunft werden jetzt gestellt“, betont Oliver Hüttig vom Beratungsunternehmen Cocus. „Umso wichtiger ist es für die einzelnen Provider, ebenso schnell wie strategisch klug zu handeln. Ein Szenario wie derzeit bei 4G, bei dem die Netzbetreiber dauerhaft für jedes Gigabyte an die Netzaufbauer zahlen müssen, gilt es unbedingt zu vermeiden“, mahnt Oliver Hüttig. Gleichzeitig wünscht er sich im Sinne der hiesigen Wirtschaft mehr Unterstützung seitens der Politik für deutsche und europäische Unternehmen. „Für den hiesigen Wirtschaftsstandort wäre das wichtig, damit die Gelder und Aufträge am Ende nicht in andere Regionen fließen“, so Hüttig.

Wettstreit um die besten Plätze

Bei den Cloud-Diensten bahnt sich ebenfalls ein Wettstreit um die besten Plätze und Kunden an. Wie die Deutsche Telekom präsentierte auch Vodafone auf der Cebit neue Cloud-Lösungen für den digitalen Arbeitsplatz und richtet sich damit auch an den Mittelstand. Laut Alexander Saul, Firmenkundenchef bei Vodafone, wandere die TK-Anlage damit „aus den Kellern und den Kaffeeküchen in die Cloud“. Die Lösung „One Net Business“ soll per Cloud beispielsweise Mitarbeiter unter einer einzigen Rufnummer überall erreichbar machen. Mit „Vodafone Total Cloud Flex“ sollen zudem Firmenkunden wie Online-Shops die Vorteile einer privaten Cloud mit der Flexibilität einer „Public Cloud“ kombinieren können, indem sich IT-Ressourcen bedarfsgerecht hinzubuchen lassen.

Auch im IoT-Bereich zeigt sich Vodafone weiterhin engagiert. Laut Alexander Saul werden zukünftig hunderttausende Aufzüge der Firma Thyssenkrupp über IoT-Lösungen von Vodafone verknüpft sein, wodurch u.a. eine gezielte und bedarfsgerechte Wartung der einzelnen Aufzüge möglich werden soll. Wie Saul betonte, verspricht man sich bei Thyssenkrupp dadurch eine Reduzierung der Ausfälle um 50 Prozent. „Das Internet of Things dürfte für die Mobilfunkprovider eines der wichtigsten Geschäftsfelder werden“, prognostiziert Dr. Andreas Fink, Vorstandvorsitzender der M2M Alliance. „In den nächsten Jahren werden Milliarden von SIM-Karten standardmäßig in den unterschiedlichsten Maschinen und Geräten integriert sein, die dadurch wesentlich mehr leisten können. Ganze Systeme werden sich nahezu vollständig selbstgesteuert warten und bedarfsgerecht Nachschub anfordern. Das gilt für den Unternehmensbereich ebenso wie für Privathaushalte“, so Fink.

Ein Bereich, der den Providern helfen könnte, das Privatkundengeschäft wieder gewinnbringender zu gestalten, liegt ausgerechnet im Festnetz. „Wer in Deutschland G wie Gigabit-Gesellschaft sagt, muss auch G wie Glasfaser sagen“, sagte Ametsreiter medienwirksam auf der Vodafone-Pressekonferenz in Hannover. Die Digitalisierung in Deutschland könne nur mit zukunftssicheren Technologien gestaltet werden. Noch in diesem Jahr will Vodafone die Geschwindigkeiten für seine Kunden im Kabel- und Mobilfunkbereich steigern. Im Kabelglasfasernetz sollen so 400 Mbit/s möglich werden, und beim Mobilfunk „an vielen Orten“ sogar Geschwindigkeit von bis zu 525 Mbit/s.

Festnetz feiert Revival

Während der Cebit aktivierte das Unternehmen zudem die ersten drei Gigabit-WLAN-Hotspots in Berlin, die ans Glasfasernetz angebunden sind. Im Café „Tiffanys“ am Ku-Damm, im Café Allegretto am Brandenburger Tor sowie im Restaurant „Die Eins“ sollen Kunden nunmehr durchschnittlich über zehn Mal so schnell im Internet surfen können wie mit herkömmlichen Kupferkabeln. Die Bandbreite muss man sich allerdings auch in diesen Hotspots mit anderen Nutzern teilen. Daran kann weder eine Glasfaseranbindung etwas ändern, noch ein zukünftiges 5G-Netz.



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