Privatsphäre als Alleinstellungsmerkmal

Neuer Kurs beim Datenschutz?

Nach Facebook stellt nun auch Google die Privatsphäre seiner Nutzer in den Mittelpunkt der eigenen Unternehmenskommunikation. Dabei mag es sich in erster Linie um Marketing handeln, Verbraucher könnten dennoch davon profitieren.

Ein stilisierter Datenkompass

Wieviel ehrliche Ambitionen hinter den jüngsten Datenschutz-Versprechen der großen US-Konzerne stecken, wird sich erst mit der Zeit zeigen.

Als Google am vergangenen Dienstag im Rahmen seiner Entwicklerkonferenz I/O eine Reihe neuer Datenschutz-Funktionen für seine Produkte vorstellte, dürften nicht nur die Vertreter der Konkurrenz die Stirn gerunzelt haben. Ausgerechnet der Konzern, der längst zum Synonym für den intransparenten Umgang mit privaten Daten geworden ist, setzt den wolkigen Datenschutzversprechen der Konkurrenz nonchalant ganz konkrete Features entgegen.

So soll es den Entwicklern von Google etwa gelungen sein, die Software für Sprachassistenten von 100 Gigabyte auf 500 Megabyte zu komprimieren und diese so lokal auf den Smartphones zu installieren. Das soll unter anderem zur Folge haben, dass viele Anfragen gar nicht mehr ins Netz geschickt und auf externen Servern gespeichert werden müssen, sondern direkt auf dem Gerät verarbeitet werden können. Darüber hinaus verkündete der Konzern einen Inkognito-Modus für seinen Kartendienst Google Maps sowie einen besseren Tracking-Schutz für Nutzer des Google Chrome-Browsers.

Zwischen Wettbewerbsdruck und Nebelkerzen

Wie eng die Datenschutzambitionen eines Technologie-Unternehmens mit der Außenwirkung zusammenhängen, hat vermutlich kaum jemand auf eine härtere Tour gelernt, wie Mark Zuckerberg. Der Facebook-Chef probiert bereits seit Jahren das durch unzählige Datenskandale ramponierte Image seines Konzerns wieder einigermaßen auf den Kurs zu bringen. Das äußerste sich auch auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz am 30. April. »The future is private« prangte dort in großen Buchstaben über der Bühne des McEnery Convention Centers in San Jose, Kalifornien. Was genau das für die Zukunft heißen sollte, wurde derweil nicht so richtig klar. Umso ungünstiger für den Konzern, dass Google das Thema nun einfach von der Zukunft in die Gegenwart verlegt und ganz konkrete Lösungsansätze vorgestellt hat. Der Druck zu handeln dürfte damit für Facebook noch einmal erheblich gestiegen sein.

Neben den Kritikern dürfte sich derweil auch Apple die neue Agenda von Facebook und Google ganz genau anschauen. Der iPhone-Konzern hat das Thema Datenschutz schließlich schon vor geraumer Zeit zu seinem Alleinstellungsmerkmal gemacht. Das äußert sich auch ganz klar im Vorsprung zur Konkurrenz: Die für Google Chrome angekündigten Funktionen zur Einschränkung der Tracking-Möglichkeiten sind im Safari-Browser schon lange Standard. Dennoch wäre es naiv zu glauben, dass die Thematik bei Apple nicht in erster Linie ein dankbares Stichwort für Marketing und Pressearbeit wäre.

Sicher ist, dass sich der iPhone-Konzern den hart erarbeiteten Ruf des Datenschutzheiligen nicht so einfach streitig machen lassen wird. Aus dieser Spannung könnte allerdings eine Dynamik entstehen, von der vor allem die Nutzer profitieren. Wenn das Marketing rund um die Privatsphäre zum wettbewerbskritischen Faktor wird, bleibt den Konzernen schließlich nicht mehr viel übrig, als früher oder später auch greifbare Fortschritte zu präsentieren. Google zeigt aktuell, wie eine solche Weiterentwicklung aussehen kann, hat aber immer noch einen weiten Weg vor sich. Nun kommt es darauf an, ob dieser auch konsequent beschritten wird.

Bildquelle: Getty Images Plus/iStock

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok