Die Arbeitsmodelle wandeln sich

New Work: Lieber früher als später

Das klassische Angestelltenverhältnis stirbt aus – wenn man Experten glauben darf. Dafür schälen sich neue Arbeitsmodelle heraus und viele Unternehmen stehen nun vor der Herausforderung, darauf einzugehen, wollen sie langfristig als Arbeitgeber attraktiv bleiben.

Home Office ist gefragt

Auch die festangestellten Mitarbeiter möchten mehr Freiheiten erfahren und bei Bedarf im Home Office an Projekten arbeiten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete das Zeitalter der Digitalisierung nach der Bundestagswahl 2017 zu Recht als „dramatisch“. Die digitale Transformation und die Globalisierung betreffen schließlich alle Aspekte der Gesellschaft, einschließlich des Arbeitsalltags. Konkret bedeutet dies eine neue Form der Zusammenarbeit bzw. neue Arbeitsmodelle – aktuell unter dem Schlagwort „New Work“ zusammengefasst.

Große Global Player wie Microsoft, Linkedin oder Apple machen es vor: Durch die Umstrukturierung von Arbeitsorten und Arbeitszeiten fließen Arbeit und Freizeit ineinander. Schon im Oktober 2016 eröffnete Microsoft die neuen Büros im Münchner Stadtteil Schwabing, die für die neuen Arbeitsmodelle konzipiert sind. Hier hat kein Mitarbeiter mehr einen festen Arbeitsplatz, es gibt offene Büros und kleine Thinktanks, gemütliche Sofalounges und dedizierte Meeting-Räume. Microsoft reagiert damit auf die flexiblen Unternehmensstrukturen, die durch agiles Arbeiten mit Methoden wie Scrum oder Kanban entstehen. Projekte bedürfen keiner festen Teams mehr, sondern einer flexiblen Herangehensweise, bei der je nach Anforderung verschiedene Mitarbeiter mit unterschiedlichen Skills eingesetzt werden können.

Fortschritt in Echtzeit

Doch nicht nur bei internationalen Konzernen zeichnet sich dieser Trend ab, auch kleine und mittlere Unternehmen stehen vor dieser Herausforderung. Gerade im projektbasierten Dienstleistungssektor gewinnen neue Arbeitsmodelle mehr an Bedeutung: der Einsatz von Freelancern, Wahl des flexiblen Arbeitsorts und -zeiten. Um als Dienstleister und Arbeitgeber konkurrenzfähig zu bleiben, müssen sich deswegen auch Mittelständler an den Wertewandel anpassen. Schließlich wollen nicht nur die Mitarbeiter von Microsoft und Co. die Vorteile neuer Arbeitsmodelle genießen.

New Work bedient sich vor allem einer Netzwerkstruktur. Nicht alle Teammitglieder arbeiten heutzutage vor Ort oder als feste Mitarbeiter eines Unternehmens. Kompetenzen, die innerhalb eines Teams nicht vorhanden sind, werden eben projektbasiert an Freelancer ausgelagert. Doch auch der feste Mitarbeiter möchte mehr Freiheiten erfahren und bei Bedarf im Home Office an Projekten arbeiten. Um dies zu steuern, bedarf es einer Reihe an Tools, von der Kommunikation über Projektmanagement bis hin zur Organisation des Unternehmens. Schließlich muss es den Mitarbeitern möglich sein, von überall arbeiten zu können.

Für den „Mobile Workspace“ eignen sich cloud-basierte Tools besonders, da jedes Teammitglied remote an Projekten arbeiten und der Fortschritt in Echtzeit für das ganze Team einsehbar ist. Viele Lösungen, wie Jira oder Troll, konzentrieren sich auf die Projektarbeit. Auch für die Organisation eines Unternehmens gibt es mehr und mehr Tools. Eines davon ist etwa die Lösung des Münchner Unternehmens Coffeecup. Hier bildet der Manager das gesamte Unternehmen digital ab. Durch die Verwaltung von Arbeitszeiten, Abwesenheiten, Projekten und freiem sowie fest angestelltem Personal schaffen diese Business-Intelligence-Lösungen (BI) eine Basis für neue Arbeitsmodelle, bei denen Mitarbeiter mehr Freiheiten genießen können. Auch für Arbeitsgeber rückt damit die Umsetzung eines echten mobilen Arbeitsplatzes für alle Mitarbeiter näher.

Junge Eltern profitieren


Die Arbeitswelt braucht solche Lösungen heute schon – und in Zukunft wird dieser Bedarf noch verstärkt. Schon heute ziehen laut einer Studie des Personaldienstleisters Manpowergroup drei Viertel der Deutschen diese neuen und flexibleren Arbeitsmodelle in Betracht – und zwar in allen Altersgruppen. Und dabei stehen die deutschen Arbeitnehmer noch konservativer da als die Studienteilnehmer aus anderen Ländern.

Da durch die Digitalisierung die Trennungslinien zwischen Arbeit und Privatleben immer mehr verschwimmen, helfen die flexibleren Arbeitsmodelle den Arbeitnehmern dabei, sich ihr Leben nach ihren Bedürfnissen zu gestalten. Gerade junge Eltern profitieren von diesen Modellen, da sie ihnen ermöglichen, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Doch so dramatisch der aktuelle Wandel in den Augen der Bundeskanzlerin ist: Er ist unausweichlich. So stehen alle Unternehmen in der Verantwortung, die digitale Transformation anzustoßen – lieber früher als später.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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