Mobiles Bezahlen: Die EC-Karte bestimmt den Markt
Das Bezahlen mit dem Smartphone ("Mobile Payment" oder "M-Payment") wird zumindest in den UA langsam von einem reinen Hype zu etwas, was auf mittlere Sicht den Weg in die Läden und auf die Smartphones finden wird. So haben einige US-Handelskonzerne das Potential dieser Technik erkannt und wollen kräftig in dem Zukunftsmarkt mitmischen.
Doch im Moment sind selbst in den USA noch längst nicht alle Voraussetzungen erfüllt. M-Payment basiert auf der NFC-Technologie. Bei dieser "Near Field Communication" werden Daten via Funk und über sehr kurze Entfernung ausgetauscht. So kann zum Beispiel eine elektronische Geldbörse im Handy einen Betrag an den anderen Chip senden, der sich in einem Kassenterminal im Supermarkt befindet.
Dieses auf den ersten Blick recht simpel wirkende Verfahren ist allerdings noch Zukunftsmusik, denn nur die wenigsten Smartphones besitzen NFC-Chips und außerdem muss der gesamte Handel mit den entsprechenden NFC-Terminals ausgerüstet werden. Und es fehlt noch ein einheitliches System, das elektronisches Geld in einer elektronischen Geldbörse verwaltet.
Zumindest die Smartphone-Seite des M-Payment dürfte in weniger als zwei Jahren weithin auf NFC aufgerüstet sein. Neue Modelle besitzen überwiegend Nahfunk-Chips. Doch trotzdem sind die Hürden hoch, vor allem in Deutschland. Neuartige Bezahlstandards wie "Google Wallet" haben keine Bedeutung und der Handel rüstet seine Kassensysteme nur in Feldversuchen mit NFC auf.
So gibt es in Deutschland nur erste NFC-Pilotprojekte, die außerdem auf das Kartenformat setzen. Einige deutsche Banken starten im April im Großraum Hannover sowie in Braunschweig und Wolfsburg ein NFC-Pilotprojekt. Dazu wird das neue Markenzeichen 'girogo' für das kontaktlose Bezahlen eingeführt.
In dem Pilotprojekt werden etwa 1,3 Millionen EC-Karten (Giro-Karten) mit der NFC-Technologie ausgestattet. Die Nutzer können damit bis 20 Euro kontaktlos über den Prepaid-Chip auf ihrer girocard an der Kasse bezahlen. Handelspartner für das Pilotprojekt sind EDEKA, Esso Tankstellen, Douglas Parfümerien sowie die zur Douglas Holding gehörenden Filialen von Thalia, Christ, AppelrathCüpper und Hussel.
Auch die Sparkassen in Deutschland erlauben ihren Kunden ab dem Sommer das kontaktlose Bezahlen von Kleinbeträgen bis 20 Euro. Der NFC-Chip wird ab August in die EC-Karten der Geldinstitute integriert. Wie Werner Netzel, Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes ankündigte, sollen zunächst 16 der 45 Millionen Sparkassen-Karten ausgetauscht werden.
Eine etwas andere Variante wählt die Postbank: Für einen NFC-Testlauf werden Gold- und Platinum-Kreditkarten von Visa mit der neuen Bezahlmöglichkeit ausgestattet. Damit können die Nutzer Beträge bis zu 25 Euro unterschriftsfrei per NFC bezahlen, bei höheren Beträgen muss eine Unterschrift hinterlegt werden.
Diese ersten Versuche von Geldinstituten und Handel bei Bezahlsystemen mit NFC-Chips haben im Grunde nichts mit M-Payment zu tun. Es ist lediglich eine Erweiterung vorhandener Möglichkeiten. Letztlich bedeutet NFC eine Steigerung des Komforts, da das lästige Einschieben der Karte in die Lesegerät entfallen kann.
Dadurch hat es das M-Payment mit Smartphone in Deutschland schwer. Denn die größte Hürde für das mobile Bezahlen ist die praktische und einfache EC-Karte, deren Verbreitung im Markt auch auf längere Sicht kaum zu schlagen ist. Vom Teenager bis zum Rentner kann jeder ohne Zusatzkosten bargeldlos bezahlen.
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