Mobile Payment: Interview mit Christian von Hammel-Bonten, Wirecard

NFC wird zum Bezahlstandard

Im Interview berichtet Christian von Hammel-Bonten, EVP Telecommunications bei der Wirecard AG, warum der Hype um Apple Pay der gesamten Mobile-Payment-Branche weiterhelfen kann.

Christian von Hammel-Bonten, Wirecard

Herr von Hammel-Bonten, mobile Bezahlmethoden – egal welcher Art – konnten sich bisher beim Verbraucher nicht durchsetzen. Seit Apple seinen Bezahldienst Apple Pay vorgestellt hat, wird dem Mobile Payment nun der sichere Durchbruch vorhergesagt. Wie nehmen Sie Apples Marktmacht (-position) in diesem Zusammenhang wahr?
Christian von Hammel-Bonten:
Wir begrüßen die Tatsache, dass Apple mit seinem mobilen Bezahldienst Apple Pay ein größeres Interesse bei den Endverbrauchern, den Medien und allen anderen wichtigen Marktakteuren geweckt hat. Es ist aber wichtig zu verstehen, dass das große Interesse noch nicht dazu führt, dass Mobile Payment ein Selbstläufer wird. Neben Apple, mit einem Marktanteil bei Smartphones von weniger als einem Viertel im europäischen Markt, ist es wichtig, auch die Nutzer von Android und andere Smartphones in die Betrachtung mit einzubeziehen. Wir müssen ebenso auf die Händlerseite schauen. Sowohl in den USA als auch in Europa ist die kontaktlose Akzeptanz noch nicht so verbreitet, dass die Nutzer ihre täglichen Einkäufe überwiegend mit dem Mobiltelefon bezahlen können. Hier bedarf es noch Anstrengungen aller Marktteilnehmer.

Derzeit versuchen sich auch andere große Internet-/Mobilfunkunternehmen – u.a. Paypal, Payback und Amazon – an einer Lösung für das bargeldlose Bezahlen. Wird Apple Pay also unnötig gehypt?
von Hammel-Bonten:
Wir sehen das Positive an dem „Hype“: Das gesteigerte Interesse an Mobile Payment; von Endkunden, Händlern und allen anderen Marktteilnehmern, beispielsweise Banken. Dies wird den Durchbruch von Mobile Payment beschleunigen. Sicherlich wird es verschiedene Lösungen von unterschiedlichen Anbietern geben, was letztendlich für den Kunden ein größeres und besseres Angebot bedeuten wird.

Sehen Sie die Gefahr, dass die konkurrierenden Technologien (QR-Qode oder Bluetooth Low Energie) durch Apples Entscheidung auf NFC zu setzen ins Abseits geraten?
von Hammel-Bonten:
Wir denken nicht, dass die Technologien neben NFC ins Abseits geraten werden, denn diese Technologien sind komplementär zu sehen.

Grundsätzlich kann gesagt werden, dass die Infrastruktur für kontaktlose NFC-Bezahlungen heute schon mit vielen NFC-Kassenterminals gegeben ist und den Market weiter durchdringt. NFC ist, im Bereich von Visa und Mastercard, der gesetzte offene Standard, der es Nutzern erlaubt, in allen Ländern dieser Welt kontaktlos zu bezahlen. BLE als neue Technologie ist gerade in marketinggesteuerten Ansätzen interessant, die Payment zwar mit einbeziehen, aber den Hauptfokus sowohl auf neue Kundenbindungsmöglichkeiten durch Couponing & Loyalty, als auch neue Einkaufsprozesse, legen.

Wir sehen bei NFC und BLE enormes Potential für den stationären Handel, das Einkaufen und Bezahlen neu, erlebnisreicher und mehr service-orientiert zu gestalten. Auch QR-Codes sind für bestimmte Anwendungsszenarien sinnvoll und werden daher nicht von NFC oder BLE ersetzt werden. Allerdings sehen wir für Bezahlvorgänge QR-Codes als weniger geeignet an, da zu viele Schritte erforderlich sind.

Für Wirecard gilt, dass wir als Payment Experte im Bereich Mobile Payment technologie-agnostisch sind: Es ist unser Ziel, den Markt mit Lösungen voranzutreiben, die unseren Kunden und den Endkunden den meisten Mehrwert bieten.

Welche Kriterien müssen Bezahlverfahren generell erfüllen, um die kritische Masse an Konsumenten sowie Händlern bzw. anderen Akzeptanzstellen zu überzeugen?
von Hammel-Bonten:
Drei Kriterien müssen mindestens erfüllt sein: Einfachheit, Transparenz und Mehrwert.
Durchsetzen wird sich die Lösung, die von den Endkunden schnell, einfach und sicher genutzt werden kann. Die technische und operative Komplexität der gesamten Mobile-Payment-Umgebung muss dem Endkunden abgenommen werden, so dass dieser mittels „Tap&Go“ bezahlen kann. Gleichzeitig müssen die Möglichkeiten des Smartphones genutzt werden, dazu gehören die Echtzeitanzeige über das Guthaben, Zahlungen in mobilen Applikationen als auch bei E-/M-Commerce Anbietern und weitere Funktionen wie die Kartensperrung. Denn auch die Sicherheitsbedürfnisse der Endkunden sind zu berücksichtigen. 

Welches Bezahlverfahren hat aus Ihrer Sicht die größte Chance vom Verbraucher akzeptiert und angewandt zu werden? Sind mehrere Standard-Lösungen auf dem Markt denkbar?
von Hammel-Bonten:
NFC wird sich meiner Meinung nach als Technologiestandard durchsetzen, da dieser von Visa und Mastercard weltweit eingesetzt wird. Bedingt durch den Einzug von Internet-getriebenen Technologien wie BLE werden wir aber auch weiterhin viele alternative Ansätze sehen. Die Vielfalt der Angebote wird größer und dem Endkunden stehen mehr Optionen zur Verfügung: beim Bestellen, Kaufen und Bezahlen.

Welche Auswirkungen haben mobile Bezahllösungen auf Banken- und Kreditkartenunternehmen? Inwiefern wird sich die Situation in den kommenden Jahren ändern?
von Hammel-Bonten:
NFC ist Teil des übergeordneten Standards EMV, einem internationalen Standard für Zahlungskarten mit Chip und die zugehörigen Terminals in Handel und Banken. Alle Chipkarten in Deutschland basieren auf EMV. Deshalb sehe ich keinerlei Sicherheitsrisiken beim Bezahlen mit dem Mobiltelefon. Außerdem ist das Kopieren der Daten von der SIM-Karte mit integriertem NFC-Chip unmöglich. Hier gelten die gleichen hohen Anforderungen von Visa und Mastercard wie für die bereits heute von uns millionenfach verwendeten EMV-Karten.

Haben Sie persönlich Erfahrung mit mobilen Bezahldiensten gemacht? Was spricht aus Ihrer Sicht dafür, was dagegen?
von Hammel-Bonten:
Ich nutze die Bezahlung mit dem Smartphone, so oft es geht und finde es immer wieder ein erfreulich anderes Erlebnis. So sehe ich beispielsweise die Verarbeitung der Transaktion unmittelbar auf meinem Telefon und bekomme automatisch in Echtzeit eine Push-Notifikation zugesendet. Und ganz klar ist es einfach ein anderes (Bezahl-)Erlebnis. Besonders freue ich mich immer bei Geschäftsreisen nach London. Ohne eine lästige Bargeldabhebung kann ich mit meinem Handy alle Taxifahrten, Restaurantbesuche und Hotelaufenthalte bezahlen.

Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen Mobile Payment zu nutzen. Nur leider unterstützen viele Händler diese neue Möglichkeit noch nicht und berücksichtigen hierbei nicht das steigende Interesse der Endkunden.

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