QR-Code-Zahlungen

Niedriger Bekanntheitsgrad ist ein Hemmnis

Nicole Groß, Gründerin und CEO der ZIIB Zahlungssysteme GmbH, ist vom Bezahlen per QR-Code überzeugt. Warum, das erläutert sie im Interview.

Nicole Groß, Gründerin und CEO der ZIIB Zahlungssysteme GmbH

„Die Verbraucher werden es in der Praxis erleben, wie einfach und sicher das Bezahlen via QR-Code ist“, so Nicole Groß von ZIIB.

MOB: Frau Groß, wie wird hierzulande aktuell an der Kasse am liebsten bezahlt: mit Bargeld, per Karte oder via Mobile-Payment-Lösung?
Nicole Groß: Bis zur Corona-Pandemie waren die Deutschen weltmeisterlich im Bezahlen mit Bargeld. Mittlerweile hat sich das geändert. Immer mehr bevorzugen das bargeldlose Bezahlen. Fast 60 Prozent der Bundesbürger nutzen regelmäßig die Karte – Tendenz steigend. Und vor allem Mobile-Payment-Lösungen sind im Trend – weil es einfach, sicher, preiswert und kontaktlos geht.

MOB: Welchen Einfluss haben die Krisen der letzten Monate auf das Bezahlverhalten der Deutschen ausgeübt?
Groß: Die Deutschen haben im Zuge der Pandemie die kontaktlose Kartenzahlung für sich entdeckt. Um Kontakte zu vermeiden, bezahlt man lieber mit Karte oder Smartphone anstatt mit „kontaminierten“ Münzen und Scheinen.

MOB: Vor nicht allzu langer Zeit brach bundesweit Chaos u.a. an den Kassen der großen Lebensmittel- und Drogeriemärkte sowie Tankstellenketten aus, als die Karten-Terminals aufgrund eines Software-Fehlers ihren Dienst versagten. Wie haben die Händler reagiert?
Groß: Man kann das Chaos um die Terminals als eine Art „Weckruf“ bezeichnen. Immer mehr Einzelhändler suchen nach Alternativen und sind dabei auch auf das Bezahlen via QR-Code gestoßen. Unser „Pay with Charlie“ – unsere bargeldlose Zahlungsakzeptanz via QR-Code – kommt ganz ohne Lesegerät aus. Man merkt, der Handel sucht nach Alternativen, denn es gibt einen gravierenden Engpass an Karten-Terminals im Markt. Durch den Chipmangel können keine Ersatz-Terminals angeboten werden. Gerade die großen Ketten haben mittlerweile erkannt, wie abhängig sie inzwischen von funktionierender Technik beim Bezahlen geworden sind.

MOB: Inwieweit bieten Händler bereits eigene Smartphone-Apps an, mit denen man an der Kasse bezahlen kann, und wie gestaltet sich deren Akzeptanz?
Groß: Meist sind es Insellösungen, die gleichzeitig auch als Kundenbindungsinstrument fungieren sollen. Es ist aber nicht wirklich zielführend, wenn jede Tankstellen- oder Supermarktkette ihre eigene App mit unterschiedlichen Zahlungsvarianten auf den Markt bringt, wofür sich dann noch die Kunden umständlich registrieren müssen. Wer kann denn von den Verbrauchern verlangen, dass sie sich für jeden Shop eine eigene App herunterladen und sich dafür auch noch registrieren?

MOB: Wie funktioniert das kontaktlose Bezahlen via QR-Code?
Groß: Bei Bezahlsystemen mit QR-Code sind drei Schritte notwendig – und das Ganze, ohne sich vorher in der App zu registrieren:

1. Scannen des QR-Codes

2. Betrag bestätigen oder Betrag eingeben

3. Zahlart auswählen und bezahlen

Der Kunde scannt den QR-Code im Einzelhandel, im Taxi oder im Restaurant und gibt den zu zahlenden Betrag ein. Steht der Kunde hingegen am Automaten oder an der Kasse, so kann auf die Betragseingabe bei Schritt zwei verzichtet werden, denn der Betrag erscheint dann schon automatisch in der App. Ist der Betrag eingegeben bzw. übertragen, wählt der Kunde nur noch seine favorisierte Zahlart aus und bezahlt.

MOB: Was sind die Vorteile solcher Mobile-Payment-Lösungen, welche Risiken verbergen sich zugleich dahinter?
Groß: Bei QR-Bezahlsystemen ist die Intelligenz im Smartphone. Bei „Pay with Charlie“ etwa wird nur ein QR-Code mit dem Smartphone gescannt und von den Kunden per App autorisiert. Der Kunde bezahlt einfach per Fingerprint oder Face-ID über sein Smartphone. Die App erkennt, für welche Zahlarten der Kunde in seinem Smartphone freigeschaltet ist, wie etwa Applepay, Googlepay, Paypal oder „Bezahlen per Handyrechnung“. Die Zahlung ist wie eine Internetzahlung sicher und komplett tokenisiert. Alle Zahlungen unterliegen der Zwei-Faktor-Authentifizierung. Da es sich bei „Pay with Charlie“ um eine Native-App handelt, kann auch kein Phishing stattfinden. Welches bei Browser-basierten Lösungen durchaus der Fall sein kann.

MOB: Wie gestaltet sich an dieser Stelle die Akzeptanz von Selbstbedienungsangeboten im Smart-Retail-Bereich, wie z.B. SB-Kassen und Self-Scanning-Systemen?
Groß: Das Bezahlen per QR-Code ist wie gemacht für den Selbstbedienungsbereich. Der Kunde scannt den QR-Code vom Warenkorb ein und bezahlt. Zur Sicherheit können Kameras oder Mitarbeiter im Ein- und Ausgangsbereich platziert werden. Bei einem Selbstbedienungsangebot sorgt ja auch nicht die Bezahllösung für die Sicherheit vor dem „Diebstahl von Produkten“. Mit unserer App beispielsweise muss der Anbieter nicht mehr teure Terminal-Hardware und Drucker in seine Kassensysteme integrieren, sondern er braucht im Display nur den QR-Code anzuzeigen. Zahlungsbeleg und Kassenbon werden dann auch gleich in der App hinterlegt.

MOB: Was sind hierbei häufige Stolpersteine für die Kunden?
Groß: Tatsächlich ist der noch zu niedrige Bekanntheitsgrad des sicheren Bezahlens via QR-Code ein Hemmnis. Da ist uns Asien einen großen Schritt voraus. Hier ist das QR-Code-Bezahlen sogar im Street-food-Bereich und auf den Märkten gang und gäbe.

MOB: Unter welchen Voraussetzungen werden die Verbraucher bei den neuen, innovativen Zahlungsmethoden bleiben bzw. was muss anno 2022 geschehen, damit sie nicht zurück zu ihrer alten Zahlungsgewohnheit kehren: der Barzahlung?
Groß: Die Verbraucher werden es in der Praxis erleben, wie einfach und sicher das Bezahlen via QR-Code ist und dass es eine prima Ergänzung zur Kartenzahlung ist. Denn an der Kasse wird diese neue Form des Bezahlens zunächst parallel zur Zahlung mit dem Karten-Terminal angeboten. Es wird sich also verhalten wie bei der Einführung der kontaktlosen Zahlung. Am Anfang haben die Kunden immer ihre Karte in das Terminal gesteckt oder der Kassierer hat das für sie übernommen. Irgendwann hat der Verbraucher gesehen, wie bequem die Zahlung mit dem „Karteauflegen“ ist – nicht zuletzt, weil dann ja auch häufig die PIN-Eingabe entfällt. Das wird mit dem QR-Code und mit dem eigenen Smartphone ähnlich sein. Hier überzeugt die Bequemlichkeit. Nicht nur die PIN-Eingabe fällt weg– sogar bei Beträgen über 50,00 Euro. Mehr noch: Man hat die Belege gleich digital im Smartphone. Falls es später noch eine Reklamation geben sollte, haben die Kunden die Gewissheit, dass sie den Beleg parat haben. Dass es nochmal ein Zurück zum Bargeld gibt, können wir uns bei diesen Vorteilen nicht wirklich vorstellen.

Bildquelle: ZIIB Zahlungssysteme

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