Arbeitsbedingungen in der ITK-Industrie

Niedriglöhne und fehlende Gewerkschaften

Interview mit Peter Pawlicki, Projektmanager bei IG Metall, über die Arbeitsbedingungen in der ITK-Industrie, Niedriglöhne sowie fehlende Tarifverträge bis hin zur Gewerkschaftsfeindlichkeit

Foxconn

Die dramatischen Ereignisse bei Foxconn haben nur zu einer kurzfristigen Aufmerksamkeit in Bezug auf die Arbeitsbedingungen in der ITK-Industrie geführt.

Herr Pawlicki, wie gestalten sich Ihrer Ansicht nach die Arbeitsbedingungen – beispielsweise hinsichtlich Arbeitszeit, Entlohnung sowie Arbeitsschutz – in den Produktionsstätten der PC-, Smartphone- und Tablet-Herstellern bzw. bei deren Auftragsfertigern und Zulieferern?
Peter Pawlicki:
Die Arbeitsbedingungen in der ITK-Industrie sind weiterhin sehr schlecht. So haben die Beschäftigten unter extrem langen Arbeitszeiten zu leiden und können ihre niedrigen Löhne nur durch Überstunden, die oft zahlreicher sind als gemäß der vorherrschenden arbeitsrechtlichen Standards erlaubt, auf ein auskömmliches Nivaeu bringen. Ein sehr schlechter Arbeits- und Gesundheitsschutz ist weiterhin charakteristisch bei der Fertigung von Konsumelektronik.

Inwiefern haben sich nach dem Selbstmordskandal bei Foxconn vor fünf Jahren die Produktionsbedingungen verbessert?
Pawlicki:
Die dramatischen Ereignisse bei Foxconn haben zwar zu einer kurzfristigen Aufmerksamkeit in Bezug auf die Arbeitsbedingungen in der ITK-Industrie geführt. Leider haben sich die Markenhersteller bisher nicht zu den notwendigen strukturellen Änderungen durchringen können. So können ihre vollmundig angekündigten Programme leider nichts an den miserablen Arbeitsbedingungen ändern.

Welche krassen Missstände findet man immer noch vor?
Pawlicki:
Stichwortartig handelt es sich um folgende Hauptprobleme: extrem niedrige Löhne, gesetzeswidrige Überstunden, Zwangsarbeit, hoher Anteil von Leiharbeit, fehlende Gewerkschaften bis hin zu einer Gewerkschaftsfeindlichkeit, fehlende Tarifverträge, schlechter Arbeits- und Gesundheitsschutz, autoritärer Führungsstil.


Stichwort „verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen“: Inwieweit ist die Transparenz über die Herkunft von in Smartphones und Tablets genutzten Rohstoffen gegeben?
Pawlicki:
Die Markenhersteller verweisen gerne auf den großen Aufwand, der für eine solche Transparenz notwendig wäre, als Entschuldigung für ihr fehlendes Engagement in diesem Bereich. Rein technisch und organisatorisch ist es aber lediglich eine Frage des Geldes.


Inwieweit finden gesundheitsgefährdende Stoffe Eingang in die Produktion von Smartphones und Tablets?
Pawlicki:
Auf fast allen Ebenen der Wertschöpfungskette von Elektronikgeräten werden zahlreiche extrem gesundheitsschädlichen Stoffe eingesetzt. Das stellt ein besonderes Problem für die Beschäftigten in den Fertigungsbetrieben dar. Die existierenden Schutzmaßnahmen zielen nur auf den Schutz der produzierten Geräte ab und setzen die Beschäftigten den gesundheitsschädlichen Stoffen zum Teil direkt aus.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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