Agents of Transformation

„Niemals mit dem Status Quo zufrieden sein“

Die Digitalisierung in den Unternehmen benötigt Allrounder mit Kommunikationsfähigkeit und digitalem Know-how, sagt Karsten Flott von AppDynamics.

Karsten Flott, Sales Engineering Manager bei AppDynamics

Karsten Flott, Sales Engineering Manager bei AppDynamics

Viele Unternehmen hadern immer noch mit der digitalen Transformation und haben Schwierigkeiten, von der Idee zur Umsetzung zu kommen. Karsten Flott, Sales Engineering Manager bei AppDynamics, empfiehlt im Interview diesen Unternehmen, gezielt nach sogenannten Agents of Transformation zu suchen, die wertvolle Helfer bei der Digitalisierung sind.

Was ist ein Agent of Transformation?
Das ist ein Mitarbeiter im Unternehmen, der etwas bewegen möchte. Er hinterfragt den Status Quo und ist mit dem Erreichten nicht zufrieden. Er will Innovationen gestalten und das Unternehmen voranbringen.

Welche besonderen Fähigkeiten benötigt er dafür?
Ein Agent of Transformation ist in erster Linie neugierig und erkennt aktuelle Trends bereits dann, wenn sie noch in einer sehr frühen Phase sind. Doch das ist noch nicht alles. Agents of Transformation zeichnen sich vor allen Dingen dadurch aus, dass sie in der Lage sind, diese Trends im eigenen Unternehmen zu positionieren und sie Mitarbeitern und Management zu erläutern. Er muss also in gewisser Hinsicht ein Evangelist sein, der seine Botschaft mit großer Überzeugung vermittelt.

Diese Fähigkeiten finden sich vermutlich nicht unter Mitarbeitern, die erst seit kurzer Zeit im Unternehmen sind. Denn dafür muss er im Unternehmen sehr gut vernetzt sein und möglichst viele Kollegen in unterschiedlichen Fachbereichen kennen. Dabei ist es wichtig, dass sich nicht nur „nach oben“, also in Richtung Management und Vorstand hin orientiert. Er muss mit allen Mitarbeitern reden können. Denn es ist häufig so, dass die Leute an der Basis viele Ideen haben und auch sehr genau wissen, wie bestimmte Prozesse verbessert werden können.

Diese Fähigkeiten legen einen sehr breit aufgestellten Allrounder mit speziellen Fähigkeiten im Bereich Kommunikation und digitalem Know-how nahe. Gibt es so jemand überhaupt in großer Zahl in den Unternehmen?
Ein interessantes Ergebnis unserer Studie: Ein knappes Viertel der Mitarbeiter gehört zur Kategorie der Digital Pioneers. Das sind allerdings vorwiegend Mitarbeiter, die erst seit kurzer Zeit im Unternehmen sind. Der Erneuerungsprozess geht also in die digitale Richtung. Angesichts der Altersstruktur der Gesellschaft ist das aber kein großes Wunder.

Bei den Agents of Transformation ist das leider anders, es gibt davon nur etwa vier Prozent. Es müssten aber zehnmal so viele sein. Doch das Potenzial ist da, denn Digital Pioneers können bei längerer Verweildauer in Unternehmen sehr leicht zu Change-Agenten werden. Dies hat aber wichtige Voraussetzungen.

So müssen die digitalen Talente auch tatsächlich im Unternehmen gehalten werden. Denn sie neigen dazu, ihre Alltagserfahrung mit Digitalisierung in den Beruf zu übertragen und sind durch starre Strukturen, schlechte Kommunikation und bürokratische Tendenzen schnell zu frustrieren. Die Konsequenz: Sie verlassen die Unternehmen, denen dadurch recht häufig ein enormes Potenzial verloren geht.

Wie erkennt man denn bei einem jungen Mitarbeiter das Potenzial für einen Change-Agenten?
Vielleicht ist der Begriff ja etwas altbacken, aber das ist eine Charakterfrage. Es gibt Leute, die brennen für Veränderungen und Innovation, möchten selbstständig arbeiten und eigene Entscheidungen treffen. Das kann man leider nicht lernen. Doch es gibt sicher Möglichkeiten, diese Leute frühzeitig, vielleicht sogar bereits vor der Einstellung zu identifizieren. Dafür müssten die IT-Ausbildungen in Betrieben, aber auch an den Universitäten auch Themen jenseits der Technik berücksichtigen, beispielsweise Grundkenntnisse in BWL, Organisationslehre und Marketing.

Doch auch die Unternehmen müssen sich ändern. Leider werden junge Mitarbeiter mit Ideen oft als Traumtänzer oder Naivling abgestempelt. Das Gegenteil muss geschehen. Es sollte in den Unternehmen mehr Möglichkeit geben, auch im ersten Moment ungewöhnlich klingende Einfälle auszuprobieren. Und darüber hinaus mangelt es an Fehlerkultur, denn wenn Scheitern die Karriere ausbremst oder gar den Job gekostet, wird niemand etwas wagen.

Wie können Unternehmen Talente mit Potenzial rekrutieren?
Zuerst im eigenen Unternehmen. In größeren Unternehmen gibt es viele Leute, die mit guten Ideen loslegen würden, wenn man sie nur ließe. Doch das Recruiting sollte sich nicht nur auf die eigenen Märkte ausrichten. Auch Fachfremde können neue Impulse in das Unternehmen tragen. Ebenso wichtig ist Weiterbildung. Grundsätzlich kann sich jeder Mitarbeiter fehlendes Wissen und mangelnde Skills erarbeiten.

In eine knappe Formel gebracht: Unternehmen benötigen eine offene Kultur, in der Innovation nicht schlecht geredet wird und die Mitarbeiter selbst aktiv werden dürfen.

Bildquelle: AppDynamics

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