Mobile Phantomschmerzen

Nokia will wieder ein Smartphone bauen

Nokia stellt keine Gummistiefel mehr her, aber auch keine Mobilgeräte. Was bleibt? Eine legendäre Marke, die über eine Reaktivierung nachdenkt.

Von links nach rechts:Nokia 638 (1996), Nokia 2160 EFR (1996), Nokia 5160 (1998), Nokia 6070 (2006)

Für eine historische Sekunde war Nokia das Synonym für Mobiltelefon. Eine Zeitlang galt: Kein Nokia, kein richtiges Handy. Alle anderen Hersteller waren bloße Nachahmer, die dem Weltmarktführer aus Finnland hinterher hechelten. Dieses Nokia existiert nicht mehr.

Stattdessen ist das finnische Unternehmen ein Telekommunikationsausrüster, der keine Endgeräte mehr produziert und der seinen Kartendienst Here verkaufen will. Kurz: Der ehemalige Marktführer ist vom B2C-Markt verschwunden. Zwar wird Nokia nach der Fusion mit Alcatel-Lucent zu den großen B2B-Anbietern gehören, aber es ist eben „nur“ Netzwerkelektronik - das klingt nicht hip.

Komplizierte Rückkehr in den Markt

Das klingt sogar so schlecht, dass die mobile Szene vor allem in Europa Phantomschmerzen empfindet. Denn anders lassen sich die zahlreichen Spekulationen über die Rückkehr von Nokia auf den Smartphone-Markt nicht erklären. Klar, Nokia ist eine Marke, auf die vor allem die Europäer ungerne verzichten wollen, schließlich gibt es ja kaum noch relevante ICT-Unternehmen auf dem Kontinent.

Die ersten Dementis vor ein paar Monaten klangen eher schwach. Trotzdem ließ sich das kleine Flämmchen in der Gerüchteküche nicht mehr austreten. Von heute aus gesehen sind solche Mutmaßungen auch eher schlecht, denn eine Rückkehr in das alte Business sollte Nokia besser im Stillen planen, denn Vorschusslorbeeren wären Gift für den erneuten Markteintritt.

Kurz und gut: Nokia will wieder zurück in den Smartphone-Markt, kann dies aber erst im letzten Quartal des nächsten Jahres machen, weil es durch den Verkauf der Gerätesparte an Microsoft noch eine Zeit vertraglich gebunden ist: Konkurrenzausschluss.

In einer Pressemitteilung erklärt Robert Morlino, der Pressesprecher von Nokia Technologies, ausführlich, wie sich Nokia die Rückkehr in den Smartphone-Markt vorstellt. „Es ist kompliziert“, meint er zu Beginn. Denn Nokia hat durch den Verkauf an Microsoft weder Kapazitäten im Bereich der Herstellung, noch des Marketings und auch nicht des Vertriebs.

Lizenzierung der Marke an einen Partner

Das finnische Unternehmen muss also einen anderen Weg gehen, den der Lizenzierung des Markennamens an einen Hersteller. Im Moment ist Nokia wohl dabei, einen Partner zu suchen, der für Herstellung, Vertrieb, Marketing und den Kunden-Support zuständig ist.

Sobald ein solcher Partner gefunden ist, will Nokia an das technische und optische Design eines entsprechenden Gerätes gehen, sodass es zur Marke Nokia passt. So ist das Unternehmen bereits im Tablet-Markt vorgegangen, der nicht unter den Konkurrenzausschluss fällt.

Allerdings ist das solide wirkende Nokia N1 mit Android 5.0 und dem hauseigenen Z Launcher lediglich in den beiden chinesischen Märkten erschienen. Das zukünftige Nokia-Smartphone wird sicher ein aktuelles Android erhalten und ebenfalls mit dem Z Launcher ausgerüstet.

Darüber hinaus muss es wirklich gut sein, um als echtes Nokia-Smartphone zu gelten. Die alten Fans der Marke unken schon, dass es lediglich darum gehen könnte, die letzten Euro-Tropfen aus der Zitrone heraus zu pressen. Das wäre sicherlich der endgültige Tod des Nokia-Brands. Doch die Strategie kann auch aufgehen und zu einer Revitalisierung der Marke führen.

Denn mit Auftragsfertigung arbeiten ohnehin die meisten Smartphone-Hersteller, lediglich Entwicklung, Marketing und Vertrieb sind normalerweise noch mit der eigentlichen Marke verknüpft. Das beste Beispiel ist Apple, das neben der Entwicklung der Geräte lediglich zwei Hauptaufgaben hat: Fertigungsaufträge verteilen und Geld einsammeln.

Bildquelle: Jorge Barrios (Public Domain)

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