„Die Corona-Pandemie hat uns eine schwierige Zeit beschert, bringt aber auch positive Auswirkungen mit sich“, so Henning Schäfer von Poly.
MOB: Herr Schäfer, kürzlich feierte die Covid-19-Pandemie ein trauriges Jubiläum. Wie haben sich im Vergleich dazu die Homeoffice-Nutzerzahlen in Deutschland in den vergangenen Monaten entwickelt? Wo stehen wir aktuell?
Henning Schäfer: Die Online-Umfrage des Statista Research Department beschreibt den Anteil der im Homeoffice arbeitenden Beschäftigten in Deutschland folgendermaßen: Während vor der Krise vier Prozent der Beschäftigten von zu Hause aus arbeiteten, waren es im ersten Lockdown im April 2020 rund 30 Prozent. Auch Ende Januar 2021 arbeiteten aufgrund hoher Corona-Infektionszahlen wieder knapp ein Viertel der Erwerbstätigen ausschließlich oder überwiegend im Homeoffice.
MOB: Sind es eher die Groß- oder Kleinunternehmen, die verstärkt auf Homeoffice setzen?
Schäfer: Mobiles Arbeiten und die Arbeit im Homeoffice bieten sich natürlich hauptsächlich für Büroarbeiten an, die per Telefon, Laptop oder adäquater Videokonferenztechnologie erledigt werden können. Laut einer Umfrage des Statista Research Departments stieg der Anteil der Beschäftigten im Homeoffice mit Beginn der Pandemie deutlich an. Der Anteil von großen Unternehmen ist hierbei größer als der kleinerer Unternehmen – und zwar sowohl vor als auch während der Pandemie.
MOB: Inwieweit haben sich die „neuen“ Prozesse im Leben der Arbeitnehmer nach nun gut einem Jahr Pandemie eingespielt?
Schäfer: In den letzten Monaten ist das Arbeiten von zu Hause normal geworden und erfreut sich einer nie dagewesenen Akzeptanz. Die Pandemie hat gezeigt: Es ist egal, ob im Homeoffice oder Büro gearbeitet wird – was zählt, ist das Endergebnis. Wir haben jetzt die Möglichkeit, eine flexiblere Zukunft zu gestalten und in den Bereichen, in denen es möglich ist, Arbeit neu zu definieren. Denn es handelt sich dabei um keinen Ort, sondern um eine Tätigkeit, und deren Rahmenbedingungen werden sich langfristig ändern. Die Pandemie hat die Work-Life-Balance beeinflusst und Videomeetings menschlicher gemacht. Die Anwesenheit von Kindern und Haustieren bei Videokonferenzen werden nun akzeptiert und Arbeitgeber lassen mehr Flexibilität zu, sich um Angehörige zu kümmern.
MOB: Welche mobilen/digitalen Tools sind im Rahmen der Homeoffice-Offensiven in den Fokus gerückt und erweisen seitdem nützliche Dienste?
Schäfer: In den Bereichen „Technologie“ und „Innovation“ hat die Arbeitswelt im vergangenen Jahr einen großen Sprung nach vorn gemacht, denn gerade jetzt brauchen Unternehmen Lösungen, die dem aktuellen Wandel gerecht werden. Die Nachfrage nach professionellen Headsets, die die Kommunikation erleichtern, und nach Videokonferenzlösungen, die Flexibilität und Bewegungsfreiheiten ermöglichen, ist größer denn je. Freisprecheinrichtungen wie beispielsweise das neue Poly Sync 20, aber auch Tools wie Poly Lens, ein Cloud-basierter Service, der es IT-Abteilungen ermöglicht, einen Einblick in alle eingesetzten Geräte zu erhalten und diese über eine einzige Oberfläche von überall aus verwalten und unterstützen zu können, rücken immer mehr in den Fokus. All diese Lösungen optimieren die Kommunikation und erleichtern dabei die Zusammenarbeit im Homeoffice.
MOB: Was waren und sind noch jetzt häufige Stolpersteine bei der Arbeit im Homeoffice?
Schäfer: Der Zehn-Stunden-Homeoffice-Tag in der gleichen Umgebung, Tag für Tag, kann anstrengend sein. Technologie kann allerdings dabei helfen, alle möglichst glücklich und gesund zu halten. Die professionelle Ausstattung sollte deshalb zukünftig Teil jeder modernen Unternehmensstrategie sein. Einige Vorteile der Zusammenarbeit im Büro gehen jedoch verloren. Spontane, ungeplante Treffen beispielsweise. Durch diesen informellen Austausch entstanden häufig neue Ideen und auch die zwischenmenschlichen Beziehungen wurden verbessert. Unternehmen müssen daher zukünftig solche Momente bewusst in das Remote-Arbeitsleben einbauen und neue Wege finden, eher informelle, virtuelle Treffen zu ermöglichen und neue digitale Abläufe in die Unternehmenskultur zu integrieren. Die Ausbreitung des Corona-Virus, die damit einhergehenden Kontaktbeschränkungen und das Arbeitsleben aus dem Homeoffice hat die Welt vor ungeahnte Herausforderungen gestellt. Die Pandemie hat deutlich gemacht, wie wichtig zwischenmenschliche Kontakte und Kommunikation gerade in herausfordernden Zeiten sind. Innovative Kommunikationslösungen erweisen sich als unverzichtbar, um die Wirtschaft aber auch zwischenmenschliche Beziehungen aufrecht zu erhalten. Gerade in dieser Zeit ist es wichtig, Zeit für virtuelle Treffen und Pausen mit Kollegen einzuplanen, um in Verbindung zu bleiben.
MOB: Inwieweit bereiten sich die Unternehmen bereits auf die Post-Covid-19-Ära vor und entwerfen Konzepte für die Zukunft der Büroarbeit?
Schäfer: Hybrides Arbeiten oder Remote Work ist kein neues Konzept. Vor der Pandemie wurden Remote-Arbeiter jedoch als unproduktiv stigmatisiert – das ist nun nicht mehr der Fall. Es ist das erste Mal in der Geschichte, dass Remote und Hybrid Work nicht nur toleriert werden, sondern nun eine Unternehmensstrategie sind. Durch die Pandemie konnten wir einen starken Anstieg der Nachfrage nach Lösungen im UCC-Bereich feststellen. Es war zu erkennen, dass Unternehmen in die Qualität der Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitern investieren und auch im Homeoffice eine bestmögliche Meeting-Umgebung zu schaffen. Dabei haben die Arbeitgeber laut eines von uns beauftragten IDC Reports vor allem in Videokonferenzlösungen sowie Headsets und Kameras investiert. Spannend ist, dass sich die Nachfrage nach massentauglichen Lösungen, die von Unternehmen pauschal für ihre Mitarbeiter gekauft werden, hin zu individuellen Lösungen verlagert hat. Headsets und Co. müssen nun vor allem den Anforderungen des Konsumenten entsprechen, der die Produkte mittlerweile nicht mehr nur für Office-Zwecke nutzt, sondern auch im Privatleben einsetzt. Auch vollständig integrierte Sprach-, Video- und Team-Collaboration-Lösungen werden immer gefragter.
MOB: Wie gestalten sich mittlerweile die Wünsche der Mitarbeiter und inwieweit werden diese bei den Planungen berücksichtigt?
Schäfer: Die Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben verschwimmen zunehmend und Unternehmen müssen das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter sicherstellen. Es ist zu erwarten, dass dies auch zu neuen Funktionen bei Videokonferenzlösungen führen wird. Absehbar ist die Zunahme intelligenter, benutzerzentrierter Anwendungen, die Mitarbeiter vor Videomüdigkeit und Burnout schützen sollen. Vermutlich wird es nicht mehr lange dauern, bis Videokonferenzlösungen über Timer- und Alarmfunktionen verfügen. So lassen sich Benutzer auf lange Meetings und das Einplanen von Pausen aufmerksam machen.
MOB: Wie könnte eine ganzheitliche Strategie für die Arbeitswelt nach der Pandemie aussehen, mit der sowohl die Arbeitgeber als auch die Arbeitnehmer zufrieden sind?
Schäfer: Wir stehen an der Schwelle zum „Next Normal“. Wie genau die neue Arbeitswelt nach der Pandemie aussehen wird, ist noch unklar. Was jedoch sicher ist: Unternehmen müssen sich langfristig auf neue Umstände einstellen. Laut IDC Report sehen 40 Prozent der befragten europäischen Unternehmen die Notwendigkeit, Arbeitsplätze neu zu gestalten und auf die Herausforderungen des Hybrid-Working-Trends anzupassen. Wenn ein Teil der Belegschaft wieder ins Büro zurückkehrt, muss dieses für eine Zusammenarbeit hybrider Teams ausgestattet sein. Videokonferenzlösungen, aber auch Software zur interaktiven Zusammenarbeit werden benötigt. Um sicherzustellen, dass Mitarbeiter während der Remote-Arbeit produktiv bleiben und effektiv kommunizieren können, benötigen sie professionelle Lösungen, die den Anforderungen ihres Arbeitsplatzes und Arbeitsstils entsprechen. Dabei können Headsets, Videokonferenzlösungen und persönliche Freisprecheinrichtungen helfen, Ablenkungen zu reduzieren, um die Produktivität und die Zusammenarbeit im Team zu verbessern.
MOB: Ist Remote Work letztlich gekommen, um zu bleiben?
Schäfer: Die Corona-Pandemie hat uns eine schwierige Zeit beschert, bringt aber auch positive Auswirkungen auf das hybride Arbeiten mit sich. Es ist zu erwarten, dass die Arbeitsorte dezentraler werden und Unternehmen sich an dem bestehenden Konzept der Coworking Spaces orientieren werden. Dabei lassen sich vielfältige Vorteile für Unternehmen erschließen: verbesserte Unternehmensstabilität, geringerer CO2-Fußabdruck und bessere Work-Life-Balance der Mitarbeiter.
Bildquelle: Poly