Status Quo Digitalis

Nur jede zweite Firma kennt die Plattformökonomie

Das Know-how über die digitale Transformation ist weiterhin eher schwach, trotz ausufernder Diskussionen sind viele Unternehmen noch nicht besonders weit vorangekommen.

Darstellung der digtiale Transformation

Wissen über die Digitalisierung ist noch nicht weit verbreitet

Deutschland 2018. Seit Jahren wird von der digitalen Transformation geredet. Die Fachmedien zu den Themen Informationstechnologie und Digitalwirtschaft bringen täglich Artikel zur Digitalisierung der Wirtschaft. Sind wir also bereits in der digitalen Zukunft angekommen? Wohl eher nicht, wie sich anhand einiger aktueller Studien zeigen lässt.

Plattformökonomie – wer kennt sie, wer nutzt sie?

So ist einer der zentralen Begriffe in der Digitalwirtschaft die Plattform. Einsicht in ihre Funktionsweise ist zentral für das Verständnis der Digitalwirtschaft und für den Aufbau von neuen, digitalen Geschäftsmodellen. Jedes Unternehmen sollte also wissen, wovon hier die Rede ist und auf welche Weise digitale Plattformen für das eigene Geschäft relevant sind.

Das ist bestenfalls bei jedem zweiten Unternehmen der Fall, denn mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Geschäftsführer und Vorstände von Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten gaben in einer Umfrage des IT-Branchenverbandes Bitkom an, von zentralen Begriffen aus dem Umfeld der Digital Transformation noch nie gehört zu haben. Unbekannt waren Begriffe wie Plattformökonomie, Plattformmärkte oder digitale Plattform.

Die andere Hälfte der Wirtschaft hat zumindest schon mal den Begriff gehört, tut sich mit der Nutzung oder Etablierung entsprechenden Konzepte schwer. So gibt mehr als jedes dritte dieser Unternehmen (39 Prozent) an, dass digitale Plattformen für das eigene Geschäft nicht relevant seien. Besonders skeptisch sind Industrieunternehmen: Von ihnen sagen zwei Drittel (67 Prozent), das Thema sei für sie ohne Bedeutung. Im Handel dagegen ist dieser Anteil mit 18 Prozent am geringsten.

Transformation – wie weit und wie schnell sind wir?

Daran lässt sich erkennen, dass die digitale Transformation bei den Unternehmen in Deutschland noch am Anfang steht. Zu diesem Schluss kommt auch eine aktuelle Studie des Marktforschungsunternehmens Lünendonk, das dafür 121 Großunternehmen und Konzerne befragte. Zwar haben gut drei Viertel der Unternehmen eine Digitalisierungsstrategie, aber nur jedes zweite hat bereits mit der Umsetzung konkreter Maßnahmen in einzelnen Bereichen begonnen

Für die Unternehmen ist die digitale Transformation nach wie vor eine komplexe und langfristige Herausforderung. Dabei gelingt es ihnen unterschiedlich gut, ihre Geschäftsmodelle neu auszurichten und Prozesse zu digitalisieren. „Auffallend ist, dass sich Unternehmen oftmals schwer tun, bestehende Denkmuster und Abläufe zu verlassen, um Operating Models an neue Kundenanforderungen anzupassen“, stellt Studienautor Mario Zillmann fest.

Interessant ist, dass die Studie Nachholbedarf an der Spitze der Wirtschaft aufdeckt: Die hier untersuchten, finanziell sehr gut ausgestatteten Großunternehmen gelten in der Außendarstellung häufig als Digitalisierungsvorreiter. Doch auch diese Unternehmen stehen eher am Anfang: Lediglich 20 Prozent konnten bisher Wettbewerbsvorteile durch die digitale Transformation erwirtschaften.

Digitale Arbeit – wer macht mit, wer hinkt hinterher?

Auch in anderer Hinsicht sind die Diskussionen der letzten Jahre sind an vielen Unternehmen spurlos vorbeigegangen. Sichtbar wird das bei Befragungen von Einzelpersonen zu ihrer Erfahrung mit digitaler Arbeit. Der D21 Digital-Index untersucht einmal pro Jahr etwa 20.000 Personen, wozu auch „Offliner“ gehören, die kein Internet nutzen – auch nicht im Beruf. Das sind immerhin 19 Prozent der Bevölkerung, und zwar vorwiegend (94 Prozent) ältere ab 50 Jahre. Ein wichtiger Abschnitt der Studie widmet sich der Digitalisierung der Berufswelt. Hier zeigt sich, dass die Chancen vielfach nicht genutzt werden.

„Digitalisierung ist in Deutschland weiterhin kein Selbstläufer“, fasst Frederik M. Blachetta von PwC Strategy die Ergebnisse der Studie zusammen. Ein Blick auf die deutsche Arbeitswelt: Nur 16 Prozent der Berufstätigen des D21-Digital-Index 2017 sind beruflich digital  unterwegs, von den restlichen 84 Prozent glaubt  mehr als die Hälfte erst gar nicht an Einsatzmöglichkeiten in ihrem Job, 20 Prozent haben schlichtweg kein Interesse – „erschreckend“, kommentiert Blachetta.

Die Zahlen des Digitalindex zeigen nach wie vor eine starke Spaltung der Deutschen in unterschiedlichen Nutzergruppen. Dies betrifft auch und vor allem der Einsatz modernster Digitaltechnologien in Unternehmen, beispielsweise Künstliche Intelligenz. „Die Technikenthusiasten bauen ihren Produktivitätsvorsprung bei der Arbeit durch die frühzeitige Nutzung künstlicher Intelligenzen wahrscheinlich weiter aus“, kommentiert Digital Berater Ole Wintermann in einem Blogbeitrag und vermutet, dass „die Technikskeptiker zunehmend Leidtragende der digitalen Spaltung sind.“

Bildquelle: Thinkstock

©2018Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok