App-Entwicklung

Nutzererfahrung als Grundlage der Markenbildung

„Wenn die App in der Versenkung des Homescreens auf der vierten Seite verschwindet, hat das für Marken keinen Mehrwert”, meint Felix van de Sand, Mitgründer und Managing Partner der auf User Experience spezialisierten Digitalagentur Cobe. Im Interview erklärt er, wieso die Nutzererfahrung im Umgang mit mobilen Anwendungen so wichtig ist.

Felix van de Sand von Cobe

Da die eigene App heute für Unternehmen und Marken zum Standard gehöre, werde die Nutzererfahrung zum wichtigsten Erfolgsfaktor, so Felix van de Sand von Cobe.

MOB: Erhebungen zeigen, dass sich Nutzer tendenziell immer weniger für neue Apps interessieren. In Deutschland soll sich dieser Trend allerdings genau andersherum entwickeln – die Neuinstallationen steigen. Herr Van de Sand, wie ist das zu erklären?
Felix van de Sand:
Laut einer aktuellen Studie des Digitalverbands Bitkom hat sich der durch Apps generierte Umsatz in Deutschland in den letzten Jahren fast verdreifacht. Während sich auf globaler Ebene bereits eine Trendwende vollzieht, ist der Markt in Deutschland noch nicht ausgereizt. Eine so simple wie plausible Erklärungsmöglichkeit dafür ist, dass wir in Deutschland häufig Nachzügler bei technologischen Entwicklungen im Bereich Consumer Electronics sind und die Nutzer hier entsprechend erst später auf den Zug aufspringen. Es gibt prominente Beispiele für Apps, die zunächst im US-Markt erfolgreich waren und erst mit Verspätung in Deutschland Anklang gefunden haben.

Ein wichtiger Grund für den weltweiten Rückgang der App-Downloads ist, dass mobiloptimierte Websites zusätzliche Apps überflüssig machen. Auch diese Interfaces müssen die Nutzer aber überzeugen und ihnen eine optimierte User Experience bieten, damit sie erfolgreich sind.

MOB: Welche Chancen birgt dieser Positivtrend für Entwickler?
Van de Sand: Die positive Entwicklung der Download- und Nutzungszahlen eröffnet für Entwickler grundsätzlich ein großes Beschäftigungspotential. Von Alltagsanwendungen über Versicherungs- und Banking-Portale bis hin zu den boomenden Sektoren Gesundheit und Gaming finden Apps in allen Bereichen Anwendung. Möglichkeiten zur Differenzierung und Weiterentwicklung von Apps sowohl bei der Entwicklung als auch der Gestaltung bieten vor allem vernetzte Schnittstellen wie Sprachassistenten, Smart-Home-Geräte oder Wearables, die zukünftig an Bedeutung gewinnen werden.

Die größte Chance und gleichzeitige Herausforderung für Entwickler ist es, Nutzer zu überzeugen und längerfristig an das Produkt zu binden. Wenn die App in der Versenkung des Homescreens auf der vierten Seite verschwindet oder schlimmstenfalls gleich wieder gelöscht wird, hat das für Marken keinen Mehrwert – im Gegenteil.

MOB: Wie lässt sich überhaupt der Bedarf bzw. die Nachfrage für eine Anwendung ermitteln?
Van de Sand:
Empfehlenswert ist eine mehrstufige Analyse, die quantitative Marktzahlen und Nutzungsdaten sowie qualitative Faktoren berücksichtigt. Bei unserer Arbeit führen wir eine intensive Zielgruppenforschung durch, die uns interessante Insights, zum Beispiel über die Preissensitivität, aber auch die Motivationen und Erwartungen der Nutzer liefert. Gekoppelt wird der Kreations- und Entwicklungsprozess von Apps und anderen digitalen Produkten an ein umfassendes Testing.

MOB: Welche Faktoren entscheiden heutzutage über den Erfolg einer neuen App?
Van de Sand: Da die eigene App heute für Unternehmen und Marken zum Standard gehört, wird die Nutzererfahrung zum wichtigsten Erfolgsfaktor. Mit reiner Benutzerfreundlichkeit ist es angesichts der Flut an verfügbaren und mitunter funktional deckungsgleichen Apps nicht mehr getan und auch der Innovationsrahmen ist innerhalb bestimmter Anwendungsmuster schnell ausgereizt. Hier kommt das User-Experience-Design ins Spiel, denn Apps sind verstärkt gefragt, durch ihren „look and feel” aus der Masse herauszustechen. Bei der Konzeption von Apps ist es wichtig, Nutzerbedürfnisse zu erkennen und zu befriedigen. Neben pragmatischen Komponenten sollte deshalb auch die emotional oftmals unbewusste Wahrnehmung der App durch den Nutzer berücksichtigt werden. Digitale Touchpoints wirken als Markenbotschafter, welche die Werte und Persönlichkeit von Marken aufgreifen sollten, um kanalübergreifend die Zielgruppen abzuholen.

MOB: Die Umsätze der App-Stores sind auch im ersten Quartal wieder explodiert, vor allem dank In-App-Transaktionen für Abos und andere Zusatzleistungen. Inwieweit muss heutzutage mit solchen Modellen kalkuliert werden, um schwarze Zahlen zu schreiben?
Van de Sand:
In-App-Transaktionen stellen eine gute und vor allem nachhaltig-rentable Alternative zur von vornherein kostenpflichtigen App dar. Für Anbieter ist es wichtig, Erlösmodelle entsprechend vorauszudenken. Gerade wenn sich die App bereits etabliert hat, können strategisch nachträglich eingeführte Zusatzleistungen die Nutzungsdauer und -intensität stärken. Auch derartige Add-ons sollten unter Einbezug eines nutzerorientierten Ansatzes entworfen und geplant werden, damit sie mit dem Markenbild vereinbar sind und aus Wahrnehmung der Anwender nicht zum App-Killer werden.

Bildquelle: Cobe

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