Nachgefragt bei Georg Ringmayr, Bayerisches Staatsministerium des Innern

Nutzung kommerzieller 3G-Lösungen

Interview mit Georg Ringmayr, Leitender Ministerialrat und Leiter des Sachgebiets IC6, das im Bayerischen Staatsministerium des Innern für Informations- und Kommunikationstechnik der Bayerischen Polizei zuständig ist

Georg Ringmayr, Bayerisches Staatsministerium des Innern

Georg Ringmayr, Leitender Ministerialrat und Leiter des Sachgebiets IC6 im Bayerischen Staatsministerium des Innern

Herr Ringmayr, Ein Großteil der polizeilichen Kommunikation wird über BOS-Digitalfunk abgewickelt – inwiefern ist vor diesem Hintergrund überhaupt die Nutzung von Mobilfunklösungen z.B. per Smartphones und Tablet-PCs sinnvoll?
Georg Ringmayr:
Der BOS-Digitalfunk ist als Nachfolgesystem des Analogfunks das zentrale Führungs- und Einsatzmittel im polizeilichen Sprechfunk. Er dient in Bayern ferner im Bedarfsfall zur Übermittlung von Status-, GPS- und Textmeldungen sowie der Alarmierung vor allem der nichtpolizeilichen BOS. Zur Nutzung komplexer mobiler Anwendungen oder zur Übermittlung von umfangreichen Dateien nutzt die Bayerische Polizei bereits seit vielen Jahren kommerzielle 3G-Lösungen. Dies ist aufgrund der derzeit im Vergleich zu UMTS und LTE relativ niedrigen Datenbandbreite des BOS-Digitalfunks auch zukünftig in Ergänzung zum BOS-Digitalfunk vorgesehen und soll weiter ausgebaut werden. Dabei stehen der konkrete fachliche Bedarf sowie die Handhabbarkeit und Robustheit im täglichen polizeilichen Einsatzfall immer im Vordergrund. Insofern liegt der Fokus vor allem auf alltagstauglichen Endgeräten und leicht bedienbare Anwendungen.

Welche konkreten Einsatzszenarien für Smartphones und Tablets gibt es im polizeilichen Umfeld bereits? Welche sind in naher Zukunft denkbar?
Ringmayr:
Kommerzielle Tablets aus dem Consumer-Bereich werden aufgrund ihrer Bauart und sehr eingeschränkten Robustheit im mobilen Anwendungsbereich der Bayerischen Polizei derzeit noch nicht eingesetzt. Zunehmend werden zwar Handys durch Smartphones ersetzt. Allerdings scheiden diese für komplexe polizeiliche Anwendungen aufgrund ihrer geringen Bildschirmgröße regelmäßig aus. In den nächsten Jahren ist mit der Einführung eines Mobile-Device- und Security-Managements geplant, einfache Anwendungsfälle mit wenigen Interaktionen über Smartphones abzuwickeln. Ab diesem Zeitpunkt können im Bereich der mobilen Büroarbeit bei Bedarf auch die derzeit eingesetzten Notebooks durch Tablets ersetzt werden. Für den polizeilichen Einsatz auf der Straße sind hingegen nach wie vor alltagstaugliche Spezialentwicklungen vorgesehen.

Inwieweit können Polizeibeamte im Außendienst via Smartphones und Tablets Zugriff auf Datenbanksysteme (z.B. POLAS/INPOL) oder andere Backendsysteme nehmen? Inwieweit könnten dadurch die Leitstellen entlastet werden?
Ringmayr:
Bei der Bayerischen Polizei werden seit dem Wegfall der Grenzkontrollen zu Österreich Ende der 90er-Jahre im Rahmen der Schleierfahndung mehrere hundert sogenannter Car-PC – eine Sonderentwicklung mit integriertem Monitor und Tastatur – mobil im Fahrzeug genutzt. Hierüber und über die in Kürze als Nachfolger flächendeckend zur Verfügung stehenden robusten und gehärteten Car-Pads können vor allem Abfragen in INPOL getätigt werden. Dadurch entfallen schon seit mehr als zehn Jahren zahlreiche Fahndungsanfragen über die Einsatzzentralen. Ferner können hierüber bestimmte weitere Auskunftssysteme abgefragt werden. Auf zahlreichen Standard-Notebooks kann darüber hinaus eine Vielzahl von weiteren Anwendungen und Bürosoftware einschließlich der Mailsysteme genutzt werden.

Stichwort Sicherheit: Wie können bei der Nutzung von Mobile Computing zum einen die Sicherheit sensibler Ermittlungsdaten, zum anderen der Datenschutz betroffener Bürger gewährleistet werden?
Ringmayr:
Neben der Handhabbarkeit und Robustheit im täglichen polizeilichen Einsatz müssen Datenübermittlung und Endgerätenutzung bestmöglich vor unberechtigten Zugriffen geschützt werden. Deshalb erfolgt die Nutzung ausschließlich in sicheren Netzen auf entsprechend abgesicherten Endgeräten. Dazu zählt in erster Linie die Verschlüsselung der Nachrichtenübermittlung sowie der Daten auf den Endgeräten. Darüber hinaus werden alle Zugriffe entsprechend nachvollziehbar protokolliert.

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