CO₂-Emissionen senken

Ohne Vorarbeit keine Innovation

Alexander Heine, Geschäftsführer der CM-Logistik-Gruppe, vertritt in der Debatte um die CO₂-Steuer eine Klare Position. Im Interview erklärt der Logistikexperte seine Kritik an der Lösung der Bundesregierung und zeigt, wo Nachbesserungsbedarf besteht.

Alexander Heine

„Wir brauchen geförderte EU-Klimaziele, die alle Staaten umsetzen“, Alexander Heine.

MOB: Herr Heine, Ist die zum Jahresbeginn in Kraft getretene CO₂-Steuer aus Ihrer Sicht ein geeignetes Mittel, um den Klimaschutz voranzutreiben?
Alexander Heine:
CO₂-Emissionen machen genau wie eine Pandemie vor Landesgrenzen nicht halt, sodass ein nationaler Alleingang in Sachen Klimaschutz nicht zielführend ist. Es braucht eine europäische Lösung. Die nächsten großen Fragen sind: Was passiert mit den eingenommenen Geldern aus der CO₂-Steuer? Wofür werden sie eingesetzt? Nutzt der Staat sie für die notwendige Infrastruktur, um das Betanken der LKW mit Wasserstoff und LNG gewährleisten zu können oder ein Netz aus Stromstationen aufzubauen? Das ist so noch nicht erkennbar. Ganz abgesehen vom Wettbewerbsnachteil, der durch diesen Alleingang für deutsche Unternehmen entsteht.

MOB: Welche Unternehmen wird diese Steuer besonders hart treffen?
Heine:
Es trifft wirklich alle, denn jeder produzierende Betrieb muss seine Ware befördern – und sei es nur in die Verkaufsräume. Zuallererst trifft es aber uns Logistiker, da der Staat die CO₂-Steuer direkt über den Diesel abrechnet. Die Unsicherheit in der Pandemie macht es unmöglich, diese Ausgaben an die Kunden weiterzureichen, wodurch der Preisdruck auf Transportunternehmen enorm steigt. Bei der CM-Logistik-Gruppe gehen wir bei einer Flotte von knapp 200 Kraftwagen von einem jährlichen Mehrkostenaufwand von ca. 175.000 Euro aus.

MOB: Aus Angst, Unternehmen könnten ihre Produktion in Länder verlagern, in denen es keine CO₂-Bepreisung gibt, wurde die Carbon-Leakage-Verordnung entworfen, die gefährdeten Anbietern finanzielle Kompensationen zusagt. Wie bewerten Sie diesen Ansatz?
Heine:
Momentan betrifft diese Verordnung den Logistiksektor noch nicht, auch wenn der Bundesverband Spedition und Logistik eine Miteinbeziehung zu Recht fordert, um den Wettbewerb mit landesnachbarschaftlicher Konkurrenz offen zu gestalten. Die bürokratischen Hürden sind aber extrem hoch, weshalb sich Vorteile und der Aufwand im Vergleich zu den Vorteilen für die meisten Unternehmen in der Transportbranche nicht rechnet.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11-12/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

MOB: Tut die Bundesregierung aus Ihrer Sicht genug, um gangbare Alternativen zu fossiler Antriebstechnologie zu fördern?
Heine:
Nein, sie tut nicht genug. Zwar legt das produzierende Gewerbe bereits selbst den Fokus auf erneuerbare Energien und die Entwicklung schreitet voran, allerdings fehlt die notwendige Infrastruktur. Es gibt nicht genug LNG-Zapfsäulen, es fehlen Wasserstofftankstellen und von einem flächendeckenden Netz von Stromladestationen sind wir noch weit entfernt.  

MOB: Was wäre eine sinnvolle Alternative zur CO₂-Steuer?
Heine:
Wir brauchen geförderte EU-Klimaziele, die alle Staaten umsetzen. Zudem hat der Transportsektor bereits einiges selbst getan: Allein der Durchschnittsverbrauch unserer Flotte hat sich in den letzten Jahren um acht Liter reduziert.

Bildquelle: CM-Logistik-Gruppe

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