Nachfrage nach E-Learning steigt

Online-Weiterbildung für Mitarbeiter

Der Bedarf nach fachübergreifendem Wissen steigt – Fortbildungen bieten zwar Lösungen, sind aber teuer und zeitaufwendig. Während Arbeitnehmern schon mit dem Tagesgeschäft ausgelastet sind, wollen Arbeitgeber Mitarbeiter weiterbilden, doch dazu fehlen häufig Ressourcen.

Präsenzseminare und Schulungen sind teuer und zeitaufwendig – online Weiterbildungsmaßnahmen bieten Mitarbeitern die Möglichkeit flexibel zu lernen.

Noch vor einigen Jahren war Mitarbeiterweiterbildung mit hohem Aufwand und Mehrkosten verbunden. Laut der IW-Weiterbildungserhebung investierten Unternehmen 2010 in Deutschland rund 29 Mrd. Euro in Weiterbildung, knapp über 1.000 Euro pro Mitarbeiter. Ausgaben, die wohl überlegt sein wollen, denn meist bleibt es nicht dabei. Unternehmensberaterin Hedwig Seipel verfügt über jahrelange Erfahrung im Bereich der beruflichen Weiterbildung und weiß: „Zu den hohen Kosten der Seminare kommen noch versteckte Kosten hinzu. Wer zahlt dem Unternehmen den Ausfall der Mitarbeiter, während diese ein Seminar besuchen? Niemand. Mancher Personalchef überlegt insgeheim, ob sich das überhaupt noch rentiert.“

In der beruflichen Weiterbildung gewinnen daher E-Learning-Konzepte wie das Mobile- und Video-Learning an Bedeutung. Neue Kommunikationsmöglichkeiten  machen das mobile Lernen für jedermann greifbar. Videobasierte Kurse ermöglichen dabei das örtlich und zeitlich unabhängige Lernen. Eine Weiterentwicklung, der sich mehr und mehr Unternehmen anschließen: „Lernen soll zunehmend interaktiv und gleichzeitig selbstbestimmt stattfinden – Weiterbildung findet heute in einer dynamischen Wissenswelt statt“, so Seipel. Laut statistischem Bundesamt boten 73 Prozent der deutschen Unternehmen 2010 ihren Beschäftigten Weiterbildungsmaßnahmen zur Qualifizierung an. Tendenz steigend. 66 Prozent der Unternehmen setzten jedoch neue Weiterbildungsformen wie Job-Rotation und selbstgesteuertes Lernen, beispielsweise durch Mobile- und Video-Learning, ein. Nur knapp über die Hälfte aller Unternehmen bot die klassische Form der Weiterbildung mit Lehrgängen, Kursen und Seminaren an.

Ein Grund für den Wandel sei – neben Zeit- und Kostenersparnis – das Lernergebnis, so Seipel. „Man muss sich Lernen in Präsenzseminaren wie eine Berg- und Talfahrt vorstellen. Studien haben gezeigt, dass Teilnehmer eines Präsenzseminars während der Unterrichtsstunde zwar hohe Aufmerksamkeit zeigen, diese Kurve fällt aber ganz schnell wieder ab, sobald sich die Teilnehmer an ihrem normalen Arbeitsplatz befinden. Der gewünschte Lerneffekt ist nicht so groß wie erwartet und gewünscht. Bei modernen Lernkonzepten gibt es diese Berg- und Talfahrt nicht. Wichtig hierbei sind häufigere und vor allem individuelle Lernimpulse“, sagt sie.

Online-Weiterbildung gefragt

Betreiber von Online-Weiterbildungsplattformen bestätigen den Trend: „Früher waren die User Studenten oder wissensdurstige Privatleute. Seit etwa zwei Jahren merken wir einen Zuwachs an Firmenkunden“, erklärt Martin Schlichte, CEO bei Lecturio.

Mit über 5.000 Videokursen hat sich die Lernplattform fit für die dynamische Wissenswelt gemacht. „Der User möchte sich selbst testen und so Erlerntes verfestigen bzw. Lücken erkennbar machen. Und er will in seinem eigenen Tempo lernen und somit flexibel und einsatzbereit im Job bleiben“, so Schlichte. Firmen können Mitarbeiter beispielsweise zum Bilanz- oder Finanzbuchhalter schulen lassen, sie in den ganz normalen Office-Anwendungen fit machen oder fachspezifische Softwareanwendungen näherbringen.

„Schon frühzeitig haben wir ein Quiz-Programm implementiert. Das weckt den Spieltrieb und stärkt die Motivation“, sagt Martin Schlichte. Die Software zeigt, wo Lücken sind und wo sich bereits ein Lernerfolg abzeichnet. Denn erst wenn man eine Frage beantworten soll, treten die Wissenslücken zu Tage. Das ist besonders auch bei der Wiederholung wertvoll, etwa, wenn der Nutzer sich mit einem Thema über einen längeren Zeitraum nicht befasst hat, weil im Job aktuelle Projekte Vorrang hatten. Der Lernende kann die Einheiten dann wiederholen und auf die Kapitel zurückspringen, die er noch nicht sicher beherrscht – und das so lange, bis er sattelfest ist.

Auch die Aufmerksamkeitsspanne ist ein Thema. Die individuelle Aufnahmefähigkeit divergiert. Sie ist nicht nur von dem einzelnen Menschen, sondern auch von der Tagesform abhängig. Zudem bringt die geforderte Flexibilität im Job Unterbrechungen mit sich. Telefonanrufe, Umsteigezeiten auf Reisen und spontane Anfragen unterbrechen den Lernprozess zwar, das ist aber kaum relevant: Videokurse passen sich den Gegebenheiten an, so kann jeder Kurs angehalten oder mehrere Kapitel hintereinander angesehen werden.

Das mobile Lernen über stationäre Rechner funktioniert ebenso wie über Smartphone und Tablet, ohne Inhaltsverluste. Über eine App synchronisieren sich sämtliche Endgeräte automatisch: Flexibles Lernen im Büro am PC, mit dem Laptop in der Bahn oder mit dem Smartphone im Park. Durch die Offline-Funktion kann die Lektion auch ohne Internet weitergenutzt werden.

Größere Unternehmen wie etwa das Networking-Portal Xing haben ebenfalls Mobile-Learning für ihre Mitarbeiter entdeckt: „Wir nutzen Lecturio, um neuen Mitarbeitern auf interessante Art und Weise Fakten über Xing zu vermitteln. Wir verbinden dabei Informationsvermittlung mit Spaß am Lernen. Gleichzeitig können die Mitarbeiter sich die Kurse zeitlich flexibel gestalten. Das kommt gut an“, sagt Xenia Meuser, Vice President Human Resources bei Xing.

„Ich würde mir wünschen, dass online Lernen zur Selbstverständlichkeit wird“, sagt Hedwig Seipel. Martin Schlichte sieht hierin die Zukunft: „Die hohe Nachfrage von Unternehmen wie auch von Menschen, die sich selbst weiterbilden, bestätigt unsere Annahme. Video-Learning ist nicht nur so unterhaltsam, sondern wird vermutlich bald ebenso selbstverständlich sein wie Fernsehen. Sei es, um neuen Stoff zu erlernen, sei es, um Wissen einfach und unkompliziert aufzufrischen.“


www.lecturio.de

Bildquelle: Stockbyte

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