SCT Inst gewinnt an Fahrt

Paypal und Co. müssen sich anpassen!

„Richtig umgesetzt, wird SCT Inst die derzeitigen Verfahren wie vertrauensbasierte Netzwerke oder Vorkassensysteme ersetzen“, ist sich Daniel Günther, Lead Business Consultant Payments bei CGI in Deutschland, sicher. Über kurz oder lang werde es keinen Grund mehr geben, Systeme wie z.B. Paypal zu nutzen.

Daniel Günther, Lead Business Consultant Payments bei CGI in Deutschland

„Nur die besten Lösungen werden sich durchsetzen“, betont Daniel Günther, Lead Business Consultant Payments bei CGI in Deutschland.

Herr Günther, inwieweit wird SCT Inst bereits angeboten und genutzt?
Daniel Günther:
Am 21. November 2017 ist in der Eurozone das EPC-Regelwerk, das sogenannte Sepa Instant Credit Transfer Rulebook, in Kraft getreten. Von diesem Datum an steht den Banken gleichzeitig die paneuropäische RT1-Echtzeitzahlungsplattform der EBA Clearing, und somit die nötige Infrastruktur für die Abwicklung eines Realtime-Geldtransfers, zur Verfügung. Derzeit sind auf der Webseite der EPC ca. 400 deutsche Kreditinstitute als Plattformnutzer gelistet. Daran lässt sich ablesen, dass die Echtzeitüberweisung ein wichtiges Thema für die Kreditwirtschaft ist. Stand heute jedoch bieten nur wenige Banken ein SCT-Inst-Produkt an, da es bisher keinen echten Business Case dafür gab. So sind viele Finanzinstitute das Thema zunächst gelassen angegangen. Projekte zur Implementierung laufen allerdings schon, und viele Banken planen im Laufe des Jahres 2018 live zu gehen. Unsere Erfahrung zeigt, dass deutsche Kunden derzeit SCT Inst aktiv kaum nutzen. Sowohl Angebot als auch Nachfrage entwickeln sich bislang eher schleppend.

Warum hinkt Deutschland im weltweiten Vergleich hinterher?
Günther:
Generell ist die Akzeptanz für bargeldloses Zahlen in vielen anderen Ländern aus unterschiedlichen Gründen bereits höher und das Zahlverhalten der Kunden ein anderes. Deutsche Verbraucher haben immer noch eine hohe Affinität für Karten- und Barzahlung. Daher gab es bisher wenig Nachfrage nach bargeldlosen Direktzahlverfahren und die Entwicklung des Zahlmarktes in anderen Ländern ging schneller voran, es fand eine frühere Digitalisierung statt. Aber auch in Deutschland nimmt die Nachfrage nach bargeldlosen und damit digitalen Zahlverfahren zu. Marktanalysen und unsere Kundenumfrage „Client Global Insights“ von 2017 bestätigen diesen Trend.

Was wird sich 2018 demnach ändern?
Günther:
Wir erwarten, dass eine größere Anzahl deutscher Banken bis zum Jahresende SCT-Inst-fähig sein wird. Für eine zunehmende Nutzung seitens der Verbraucher ist die Implementierung von SCT Inst durch weitere Banken notwendig, um eine flächendeckende Infrastruktur in Deutschland zu schaffen. Es bleibt abzuwarten, wie Medienkampagnen und Bewerbung von Instant Payments am Ende aussehen werden. Für den Kunden spielt die Preisfrage eine bedeutende Rolle. Ist das Produkt zu teuer, wird die Kundenakzeptanz eingeschränkt sein. Zusätzlich müssen für die Initiierung der Zahlung smarte, vor allem aber auch mobile Lösungen entwickelt werden. Unter dem Strich lässt sich sagen: Eine Implementierung durch eine größere Anzahl von Banken und der Ausbau der Infrastruktur werden zu einer höheren Awareness für SCT Inst führen. Im Jahr 2018 sollte diese Entwicklung langsam beginnen. Auf lange Sicht wird SCT Inst zum Überweisungsstandard in der SEPA-Zone werden – Instant Payments sind einfach zu attraktiv für den Markt.

Welche konkreten Möglichkeiten bietet SCT Inst für Finanzdienstleister und Verbraucher?
Günther:
Für Banken ist es definitiv ein weiterer Schritt in Richtung Digitalisierung, um kundengerechte und konkurrenzfähige Produkte anzubieten. Unsere aktuelle globale Bankkundenumfrage zeigt deutlich, dass Banken die Digitalisierung schneller vorantreiben müssen, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollen. Für Unternehmen sind die Vorteile offensichtlich: Die SCT Inst führt zu einer effizienteren Gestaltung des Liquiditätsmanagements und die Bonität des Zahlers wird binnen Sekunden geprüft. So findet die Anwendung beim Online-Handel bedingt durch eine Verkürzung der Abwicklungszeit den größten Zuspruch. Mithilfe von mobilen Instant-Lösungen werden Echtzeitzahlungen künftig selbst am Point of Sale zum Standard werden. Auch für den Verbraucher bietet SCT Inst eine Reihe an Vorteilen: So ist es z.B. in der Shared Economy, etwa bei AirBnB und ähnlichen Angeboten, eine ideale Lösung. Weitere Anwendungsbeispiele wären das Aufladen einer Prepaid-Karte oder der Kauf eines höherwertigen Produkts, wie beispielsweise eines Autos am Wochenende.

Welche Schwierigkeiten stehen diesen Pluspunkten gegenüber?
Günther:
Schwierigkeiten hat zunächst die deutsche Kreditwirtschaft, die das Zahlen in Echtzeit erst einmal umsetzen muss. Bisherige Prozessarchitekturen müssen umgestellt werden, damit die beauftragten Zahlungen in der entsprechenden Geschwindigkeit verarbeitet werden können. Diese Umstellung ist nicht zu unterschätzen und birgt hohe Aufwände, denn Software-Landschaften sind über Jahrzehnte evolutionär gewachsen und weisen eine hohe Anzahl an Schnittstellen zu umliegenden Systemen auf. Ist diese Umstellung vermeintlich gemeistert, sind Instant Payments immer noch kein Selbstläufer. Erste Praxiserfahrungen zeigen eine noch vergleichsweise hohe Anzahl an Zahlungsablehnungen, sogenannten Rejects. Banken müssen dafür kundenfreundliche Lösungen finden. Operationale Prozesse wie Fehlerermittlung, Kundenkommunikation und Reaktionszeiten müssen gut durchdacht werden.

Inwieweit gibt es bereits einheitliche Standards, um das IP für alle Beteiligten zu erleichtern?
Günther:
Das wesentliche Regelwerk ist das Rulebook der Regulierungsbehörde. Darüber hinaus spielen APIs, sogenannte Application Programming Interfaces, auf Basis der PSD2 eine bedeutende Rolle – standardisierte Schnittstellen bringen Drittanbieter wie Fintechs, die sich ganz auf die Entwicklung von Software im Rahmen der Zahlungsinitiierung konzentrieren, in den Markt. Bargeldloses Direktzahlen vom heimischen Notebook ist eine schicke Sache; dennoch wird dieses Zahlinstrument sein volles Potential erst dann entfalten, wenn Point-of-Sale-Lösungen entstanden sind. Wenn es möglich sein wird, mit einem mobilen Device, etwa einem Smartphone, schnell und einfach eine Transaktion am POS zu initiieren, wird die Anwendung von Instant Payments zunehmen. Der Fantasie, solche Lösungen möglichst einfach und bequem zu gestalten, sind kaum Grenzen gesetzt. So gibt es bereits heute sogenannte Overlay-Services in Form von „Mobile Phone Number Identifiers“. Hier werden in zentralen Datenbanken Kontonummern und Telefonnummern miteinander verknüpft; zur Beauftragung einer Echtzeitüberweisung genügt dann das Auswählen des Empfängers in der Kontaktliste im Smartphone.

Wie kann ein Instant-Payment-Auftrag grundsätzlich erteilt werden? Welche Rolle spielen hierbei mobile Endgeräte?
Günther:
Grundsätzlich erfolgt ein Zahlungsauftrag wie eine SEPA-Überweisung über die Angabe der IBAN des Zahlungsempfängers. Die Kanäle, die einem Verbraucher zur Beauftragung einer Zahlung zur Verfügung stehen, hängen von der Wahl seines Providers ab. Aber auch hier stehen wir erst am Anfang. Intuitiv bedienbare Zahlauslösemöglichkeiten werden in den kommenden Jahren entstehen. Ob dieser Markt von Banken oder vor allem Drittanbietern bedient werden wird, lässt sich noch nicht absehen. Banken werden initial vor allem Online- und Mobile-Banking-Lösungen anbieten – auch dies wieder vor dem Hintergrund, dass eine voll umfängliche Direktzahlinfrastruktur, inklusive POS, noch nicht existiert. Klar ist: Mit mobilen Endgeräten erhöht sich die Attraktivität der Nutzung von Instant Payments und damit ist ein großer Schritt in eine Welt ohne Bargeld getan.

Wie ist es um Sicherheit und Datenschutz beim Instant Payment via Smartphone oder Tablet bestellt?
Günther:
Sicherheit und Datenschutz von SCT Inst sind nicht besser oder schlechter als die der bisherigen Zahlverfahren, die schon heute mit diesen Geräten ausgelöst werden können – die Daten werden genauso verschlüsselt übersendet. Nutzer werden sich keine Sorgen machen müssen, dass durch die schnelle Verarbeitungszeit heutige Datenschutzmaßnahmen mit geringerer Sorgfalt angewendet werden.

Wie schnell ist Instant Payment tatsächlich?
Günther:
Um diese Frage zu beantworten, muss man definieren, was man unter Instant Payment versteht. Das Regelwerk des Regulators schreibt einen Verarbeitungszyklus von zehn Sekunden im Interbankenclearing vor. Dies beinhaltet aber nur den Austausch des Zahlungstitels zwischen Auftraggeber- und Empfängerbank. Weitere Faktoren, die eine Rolle im Abwicklungsprozess spielen, sind im Bereich Mobile Banking z.B. die Eingabe der Zahlung am Frontend beim Online Banking oder beim Smartphone. Je nach Anbieter und Service können hier einige Sekunden oder gar Minuten verstreichen. Auch die zur Verarbeitung eines Überweisungsauftrages nötigen Checks in der Auftraggeber-Bank, etwa zur Prüfung der Deckung auf dem Konto oder der Betrugsprüfungen, sind nicht Teil des Regelwerks. Logischerweise werden sich diese Prüfungen im Milli- und maximal im Sekundenbereich abspielen; sie sind aber nicht einheitlich geregelt. Die Verarbeitungszeit einer Echtzeitüberweisung von Bank zu Bank wird sich im Allgemeinen kaum voneinander unterscheiden, um keine Wettbewerbsnachteile nach sich zu ziehen; den Unterschied werden die Zahlungsinitiierungs- und Kontoinformationsservices machen – wir empfehlen hier bei der Auswahl eines Anbieters genau nachzufragen.

Inwieweit können Schnellüberweisungen Ihrer Meinung nach die Zahlungswelt revolutionieren?
Günther:
Noch lässt sich dies nicht genau absehen, aber eines ist klar: Die Veränderungen werden disruptiv sein. Um in Bildern zu sprechen: Meines Erachtens verhält sich der Schritt vom Postbrief zur E-Mail genauso wie der Schritt von der SEPA-Standardüberweisung zu SEPA Instant Payments. Durch Echtzeitzahlungen werden Überweisungsbeträge nahezu unmittelbar auf dem Konto des Empfängers verfügbar sein. Einige Anwendungsfälle sind bereits bekannt, viele weitere werden sich in den kommenden Jahren in der Praxis entwickeln.

Welchen Einfluss wird das Instant-Payment-Angebot der Kreditinstitute auf Dienstleister wie Paypal ausüben?
Günther:
Richtig umgesetzt, wird SCT Inst die derzeitigen Verfahren wie vertrauensbasierte Netzwerke oder Vorkassensysteme ersetzen. Über kurz oder lang wird es keinen Grund mehr geben, Systeme wie z.B. Paypal zu nutzen. SCT Inst bietet nahezu sofortige Verfügbarkeit der Zahlung auf dem Konto des Zahlungsempfängers; dies können Paypal und Co. nicht darstellen. Wahrscheinlich werden aber genau diese Anbieter ihre Angebote der gegenwärtigen Entwicklung anpassen und ihr Angebot umstellen – weitermachen wie gehabt, ist keine Alternative.

Welche weiteren Trends zeichnen sich im Jahr 2018 im Bereich „Mobile Payment“ ab?
Günther:
Open Banking gemäß der EU-Verordnung PSD2 bringt eine weitere Entwicklung mit sich: Drittanbietern in der Zahlungsabwicklung wird der Zugang zum Markt ermöglicht werden, was im Umkehrschluss zu mehr Wettbewerb in diesem Marktsegment führen wird – eine neue Industrie entsteht. Auf Wunsch des Kunden muss die Hausbank diesen Software-Anbietern, nämlich den Fintechs, Zugriff auf Kontodaten gewähren oder Zahlungsaufträge ausführen. Wir erwarten daher zunehmende Dynamik in diesem Geschäftsfeld – mehr Services und Lösungen werden entstehen. Vorstellbar wäre beispielsweise die Entwicklung eines Echtzeitzahlverfahrens mittels Lastschrift, ein SDD Inst, welches aufgrund der Bekanntheit gerade auch für den deutschen Markt interessant sein könnte. Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Echtzeittrend langsam entwickelt, über die nächsten Jahre aber an Fahrt gewinnt. Langfristig haben die Verbraucher die Qual der Wahl zwischen vielen verschiedenen Services. Eines ist sicher: Nur die besten Lösungen werden sich durchsetzen.

Bildquelle: CGI

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