Gesundheitswesen

Per App zum Sporteln animieren

Inwieweit die Digitalisierung den Gesundheitsmarkt beeinflusst, erläutert Dr. Magnus Kobel im Interview. Via App will der Geschäftsführer der Magnum Est Digital Health GmbH eine möglichst breite Zielgruppe motivieren, sportliche Aktivitäten und gesundheitsbewusstes Verhalten in den Alltag zu integrieren.

  • Mann macht Liegestütze

    Die meisten Lösungen würden die Nutzer mit besonders ambitionierten Zielen adressieren, so Dr. Magnus Kobel. Er wolle hingegen eine möglichst breite Zielgruppe motivieren, sportliche Aktivitäten und gesundheitsbewusstes Verhalten in den Alltag zu integrieren.

  • Dr. Magnus Kobel

    „Wir wollen eine möglichst breite Zielgruppe motivieren, sportliche Aktivitäten und gesundheitsbewusstes Verhalten in den Alltag zu integrieren,“ so Kobel.

Herr Dr. Kobel, inwieweit ist die Digitalisierung bereits in den deutschen Gesundheitsmarkt vorgedrungen?
Dr. Magnus Kobel:
2018 könnte das Jahr werden, in dem die Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen auch im Alltag ankommt. Stichpunkte hierfür sind z.B. Telemedizin, private elektronische Gesundheitsakten und digitale Bonussysteme. Nehmen wir die Telemedizin: Es ist bisher beispielsweise nicht möglich, bei einem neuen Hausarzt anzurufen, bei dem man sich persönlich bisher noch nicht vorgestellt hat, und einen simplen Rat zur Abklärung eines Symptomes o.ä. einzuholen. Denn hier besteht das deutsche Gesetz darauf, dass jeder Patient wenigstens einmal persönlich beim Arzt vorbeigeschaut haben muss, um telefonisch einen medizinischen Rat zu erhalten. Das Ausmaß dieser Regelung wird deutlich, wenn wir die ländlichen Städte und Dörfer betrachten, die etwas abgeschieden von den Großstädten mit ihrer dichten Gesundheitsversorgung liegen. Nicht nur, dass Landärzte händeringend gesucht werden, auch kann die Anfahrt einer einfachen Rückfrage wegen mal eben zwei bis drei Stunden dauern, exklusive der Wartezeit beim Arzt vor Ort, weil man ohne Termin erscheint. Für eine erste Einschätzung, ob in jenem Fall überhaupt die Konsultation eines Arztes notwendig ist, ist dieser Weg zeitraubend, kostspielig und nervenaufreibend. Dieses sogenannte Fernbehandlungsverbot wurde von der Bundesärztekammer im Mai gekippt. Zahlreiche Telemedizinanbieter aus dem In- und Ausland werden hier schnell für ein breites Angebot sorgen.

Parallel befassen sich alle Versicherungen intensiv mit Digitalisierungslösungen und stocken ihre Budgets deutlich auf, um die Customer Experience zu verbessern und sich vom reinen Kostenerstatter zum Gesundheitsdienstleister zu entwickeln. Es geht dabei auch darum, digitale Berührungspunkte direkt zu den Versicherten zu bekommen. An diesem Punkt kommt Yas.life ins Spiel. Wir motivieren mit unserer App-Lösung für Versicherungen und Krankenkassen zu gesundheitsbewusstem Verhalten im Alltag und belohnen dies mit Prämien. Wir sorgen dabei nicht nur für digitale Prävention, sondern auch für täglich positive Kundenerlebnisse und Interaktion zwischen Versicherten und ihrer Versicherung.

Welche Faktoren hemmen den Digitalisierungsfortschritt im deutschen Gesundheitswesen?
Kobel:
Exemplarisch ist die elektronische Gesundheitsakte: Bald 20 Jahre wurde versucht, eine zentrale Lösung zu entwickeln, wie der Austausch von Patienten und Ärzten sicher und gleichermaßen effektiv auch auf digitalem Wege stattfinden kann, um sich dem Ziel einer flächendeckend ausgelasteten medizinischen Versorgung in Deutschland anzunähern. An dieser Stelle wurde jede Menge Geld verbrannt, ohne dass ein brauchbares Ergebnis zustande kam. Die teilnehmenden Versicherungen und Krankenkassen hatten schlussendlich die Nase voll und lassen private Lösungen für eine elektronische Gesundheitsakte entwickeln. Spannend ist dabei, dass es verschiedenen Initiativen gibt, bei denen Wettbewerber sowohl aus der Kassenwelt als auch von privaten Versicherungen kooperieren. So gibt es das Projekt Vivy um die Allianz herum, die Lösung der IBM mit der Techniker Krankenkasse als größter Anbieter sowie „Meine Gesundheit“ mit der Compugroup Medical im Hintergrund und mehreren großen privaten Krankenversicherungen als Anbieter.

Doch auch diese Initiativen stehen vor diversen Herausforderungen. Bei allen Anforderungen in Bereichen wie Technik, Aufsicht und Datenschutz sowie dem offiziellen und inoffiziellem Widerstand von Interessensgruppen, die sich im Status Quo bequem eingerichtet haben, droht dann immer noch, dass man die größte Herausforderung aus den Augen verliert: der Endnutzer, der eine einfache Anwendung mit einem klaren Nutzen wünscht.

Immerhin ist eine zunehmend höhere Bereitschaft zu beobachten, Gesundheitsdaten digital zu teilen, wenn dies mit einem direkten Nutzen verbunden ist. Ist dieser Nutzen deutlich erkennbar und das Vertrauen zur entsprechenden Firma vorhanden, dann sind Nutzer gerne bereit, zusätzliche persönliche Informationen zur Verfügung zu stellen. Das sehen wir z.B. an unserer App. Sie kann anonym genutzt werden, es legen aber überraschend viele Nutzer freiwillig ein Profil an. Selbstverständlich geben wir nie persönliche Gesundheitsdaten weiter, auch nicht an unsere Kooperationspartner. Aggregiert lassen sich ausreichend wertvolle Erkenntnisse generieren, um dem Einzelnen zu helfen und präventive Tipps mitgeben zu können. Kurzum: Die Akzeptanz nimmt zu, dennoch ist es nach wie vor nachvollziehbar, dass es auch Menschen gibt, die sagen, dass sie ihre Gesundheitsdaten digital nicht – oder so wenig wie möglich – teilen möchten.

Mit welchen Herausforderungen war es verbunden, eine eigene App für den Health-Bereich zu entwickeln?
Kobel:
Natürlich war uns bewusst, dass bereits abertausende Gesundheits-Apps auf dem deutschen Markt existieren. Wichtig war demnach, dass wir von Anfang an herausstellen, worin sich unsere App von anderen unterscheidet. Die meisten Lösungen adressieren die Nutzer mit besonders ambitionierten Zielen. Wir wollen hingegen eine möglichst breite Zielgruppe motivieren, sportliche Aktivitäten und gesundheitsbewusstes Verhalten in den Alltag zu integrieren. Unser Konzept ist daher bewusst einfach, gibt nur positive Motivation, ohne dabei zu überfordern. Darüber hinaus liefert die App über Prämien einen monetären Anreiz, ohne ein Gefühl von Verpflichtung auszulösen.

Wie animiert die App ihre Nutzer zum Sporteln?
Kobel:
Sie sorgt über eine intuitive Oberfläche mit Gamification-Charakter, Zwanglosigkeit und nicht zuletzt über monetäre Anreize für mehr Bewegung im Alltag. Unser Konzept ist dabei einfach und nutzerfreundlich aufbereitet und erreicht damit diejenigen, die sich gesundheitsbewusst verhalten wollen, ohne dafür unzählige Eingaben machen zu müssen. Die App lässt sich mit Schrittzählern, Fitnessuhren und Smartphone-Health-Apps verknüpfen und sammelt täglich sportliche Aktivitäten, die in sogenannte Fitnesspunkte umgewandelt werden. Ein Nutzer erhält maximal 25 Fitnesspunkte pro Tag – für 5.000 Schritte gibt es bereits fünf Punkte, für 10.000 gibt es zehn – und 20 Minuten Laufen werden mit 15 Punkten belohnt.

Neben der Übertragung von anderen Geräten ist auch eine manuelle Eingabe für eine Vielzahl von Tätigkeiten möglich: von Treppen steigen über Ballsportarten bis hin zur Hausarbeit vergibt Yas täglich maximal 5 Punkte für anderweitige körperliche Aktivitäten. Es ist für die Motivation der Nutzer sehr wichtig, hier eben auch diese Aktivitäten zu belohnen, die nicht direkt digital getrackt werden können. All diese Fitnesspunkte lassen sich anschließend in Prämien umwandeln. Partner bieten Rabattcodes oder Gutscheine bei großen und kleinen Sportmarken, Online-Shops für gesunde Ernährung, Wellness- und Care-Angeboten oder für Kurseinheiten und Mitgliedschaften in Fitnessstudios an.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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