Mobile Videokonferenzen

Per Webkonferenz vom Strand ins Büro

Mobile Videokonferenzen in HD-Qualität: Die aktuelle Verbreitung von 4G-Netzen sorgt für eine gestochen scharfe Bildübertragung und deutlich kürzere Latenzzeiten. Kein Wunder also, dass mobile Videomeetings zunehmend auch im klassischen Unified-Communications-Umfeld (UC) zum Zuge kommen.

Unified Communications versteht sich als Bündelung vielfältiger Kommunikationskanäle unter einer einheitlichen Oberfläche. Speziell auf mobilen Endgeräten wie Smartphone und Tablet sind E-Mails versenden und telefonieren längst ein alter Hut. Doch wie sieht es mit anderen gängigen UC-Funktionalitäten wie Instant Messaging oder Web- und Videokonferenzen aus?

Bei Mobile UC kommt es vor allem darauf an, den Mitarbeitern auch von unterwegs eine nahtlose Kommunikation sowie den Zugriff auf alle relevanten Geschäftsdaten zu ermöglichen. „Schließlich müssen hauptsächlich Außendienst-, Service-, aber auch alle anderen Mitarbeiter, die sich gerade nicht an ihrem Schreibtisch aufhalten, unter einen Hut gebracht werden“, berichtet Michael Brust, Senior Manager Global Solutions Marketing Mobility bei Unify (ehemals Siemens Enterprise Communications). Zu den unverzichtbaren UC-Features zählt er neben Instant Messaging, Präsenzfunktion sowie Telefon- und Webkonferenzen auch den sogenannten One-Number-Service. Damit ist ein Anwender unter einer einzigen Nummer erreichbar – egal ob über das eigene Smartphone, den jeweiligen Home-Office-Anschluss oder das klassische Bürotelefon kommuniziert wird.

Zudem versuchen die Verantwortlichen nicht erst seit den jüngsten Enthüllungen von Edward Snowden ihre Kommunikation vor Abhöraktionen oder Sicherheitsvorfällen zu schützen. „Gerade beim Thema Datentransfer – insbesondere wenn UC mobil genutzt wird –  muss das Thema Sicherheit groß geschrieben werden“, fordert Michael Brust. Mit den nötigen Vorkehrungen lassen sich etwaige Risiken dabei vergleichsweise einfach minimieren: „So sollte die Verschlüsselung zwischen dem mobilen Client und dem verwendeten Server aktiviert werden und etwa mittels Sicherheitsprotokollen wie TLS/SRTP erfolgen“, rät Brust. Für die flexible Bereitstellung mobiler UC-Lösungen sowie die sichere Integration in die bestehende Kommunikations- und IT-Infrastruktur von Unternehmen empfiehlt er zudem den Einsatz von Mobility-Management-Lösungen.

Geht es um mobile Webkonferenzen haben zuletzt Anbieter wie BT oder Arkadin neue Lösungen auf den Markt gebracht. Letzterer vermeldete unlängst eine steigende Nachfrage an Lösungen für Mobile Conferencing. Vor diesem Hintergrund hat der Frankfurter Serviceprovider verschiedene Apps für die mobile Nutzung von Onlinekonferenzen vorgestellt. Um mit dem Mobile Device Audiokonferenzen abhalten oder Webmeetings anschauen zu können, hat das Unternehmen eine passende App für seinen Webservice „Anywhere“ entwickelt. Zudem gibt es eigenen Angaben zufolge eine noch leistungsfähigere iPad-App, die mittels intuitiver Benutzeroberfläche das einfache Präsentieren sowie das Teilen von Inhalten gewährleisten soll. Mit nur einem Klick können sich sowohl Moderatoren als auch Teilnehmer zu einer Online- oder Audiokonferenz dazu schalten. Außerdem sei es möglich, kurzfristig weitere Teilnehmer via E-Mail oder Telefon zu spontanen Konferenzen einzuladen.

Bei BT hat man sich vor allem eine deutlich verbesserte Klangqualität auf die Fahne geschrieben und gemeinsam mit Dolby Laboratories einen neuen Audioservice auf den Markt gebracht, der in Kürze auch als mobile Version für iOS- und Android-Endgeräte verfügbar sein soll. Dabei sollen sich Telefonkonferenzen mit „MeetMe with Dolby Voice“ künftig so lebensecht anhören, als würden sich die Teilnehmer im selben Raum befinden. Der Hintergrund: „Audiokonferenzen sind ein wichtiges Mittel, um Mitarbeiter, die an unterschiedlichen Standorten arbeiten oder die unterwegs sind, schnell und kostengünstig miteinander in Kontakt zu bringen“, sagt Andrew Border, Vice President der Communications Business Group bei Dolby. „Derzeitige Lösungen leiden jedoch unter technischen Einschränkungen, die einen natürlichen Austausch behindern. Unsere gemeinsame neue Lösung sorgt dafür, dass sich Telefonkonferenzen anhören und anfühlen, als ob alle Teilnehmer im gleichen Raum wären. Das fördert das Engagement, die Spontanität und die Zusammenarbeit.“

Zusammenhalt im Team stärken

Neben mobilen Audiokonferenzen sowie Webmeetings, die sich aufgrund der besseren Handhabbarkeit wohl vornehmlich auf Tablets durchsetzen werden, rücken zunehmend mobile Videokonferenzen in den Fokus. Mittlerweile bieten alle etablierten Videokonferenzanbieter ihre Lösungen auch in einer mobilen Variante an. „Um sich von überall schnell mit Kollegen, Kunden oder Partnern austauschen zu können, ist die mobile Teilnahme an Videomeetings ideal“, betont Thomas Nicolaus, Polycom Area Sales Vice President DACH und Osteuropa. Denn die Verständigung und damit die Zusammenarbeit klappen besser, wenn man sich nicht nur hören, sondern auch sehen kann. Außerdem werden laut Nicolaus Teamzusammenhalt und Bindung ans Unternehmen gestärkt. „Werden allerdings zusätzlich zur reinen Videoübertragung während des Meetings Inhalte wie Präsentationen etc. geteilt, wird es für die Nutzer schwierig, da der Content aufgrund der kleinen Displaygröße meist schwer zu erkennen ist“, beschreibt Thomas Nicolaus einen kleinen Wermutstropfen.

Einer der Gründe, für die zunehmende Akzeptanz der Videokommunikation per Device liegt sicherlich in der zuletzt deutlich verbesserten Übertragungsgeschwindigkeit. Bereits in 3G-Netzen sowie im heutigen WLAN sind Verbindungen mit gutem Bild und gutem Ton möglich. „Eventuelle Einschränkungen könnten im WLAN jedoch bestehen, wenn die angeschlossene Internetzuleitung in der Bandbreite beschränkt ist“, fügt Uwe Klatt, Regional Director Central and Northern Europe bei Lifesize, hinzu. Im 3G-Netz dagegen komme es auf die Abdeckung mit dem Datensignal am betreffenden Standort an.

Und es kommt sogar noch besser, denn die Nutzung im 4G-Netz (Long Term Evolution, LTE) verspricht deutlich geringere Latenzzeiten bei Videoverbindungen. „Dadurch lässt sich im Rahmen von Videokonferenzen die Zeit, bis Aktionen im Client ausgeführt werden können – wie etwa das Stummschalten von Teilnehmern –, reduzieren“, berichtet Robert Gratzl, Managing Director, Vice President und General Manager bei der Citrix SaaS Division. Ein weiterer Vorteil des 4G-Standards: Die zur Verfügung stehende Datenrate ist im Schnitt höher als bei UMTS.

Doch nicht alles am neuen LTE-Standard sorgt für Begeisterungsstürme. So gibt es hinsichtlich der Verbreitung noch weiße Flecken auf der Landkarte. „In Deutschland wurde LTE anfänglich als DSL-Ersatz in ländlichen Gebieten eingeführt, mittlerweile geht der Ausbau in städtischen Bereichen als mobiler Breitbandzugang weiter“, erklärt Thomas Nicolaus von Polycom. Während im Dezember 2012 in Deutschland rund 17 Millionen Menschen über LTE angeschlossen waren, lag im Oktober gemäß einer Meldung im Blog 4G.de der deutschlandweite Durchschnitt hinsichtlich der LTE-Abdeckung bei 67 Prozent. Demnach ist Bremen mit einer LTE-Abdeckung von 90 Prozent der Spitzenreiter. Demgegenüber zählt das Saarland mit einer Abdeckung von gerade einmal 36 Prozent zu den Nachzüglern.

Vergleicht man die hiesigen Zahlen mit denen von Nachbarstaaten, fällt folgendes ins Auge: „Anders als bei uns ist die Schweiz beim LTE-Ausbau gemeinsam mit Schweden Spitzenreiter in Europa“, berichtet Nicolaus. Schon zwei Drittel der Eidgenossen werden über LTE mit Breitband versorgt. Demgegenüber hinkt der Ausbau in Österreich hinterher: „Hier wurde zunächst der städtische Bereich ausgebaut, wohingegen die Lizenzen für den ländlichen Bereich lange nicht versteigert wurden. Daher wird hier mit dem Ausbau erst begonnen“, berichtet Thomas Nicolaus. In diesem Zusammenhang beobachtet Robert Gratzl abschließend, dass die entsprechenden Endgeräte und Tarife von den in der DACH-Region agierenden Mobilfunkprovidern noch recht selten angeboten werden – und hier im Vergleich zu anderen europäischen Ländern noch mit verhältnismäßig hohen Investitionskosten verbunden sind.

Bildquelle: Thinkstock/ iStock

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