Kein Grund zur Panik

Perfekter Zeitpunkt fürs Voice Marketing?

„Sollte noch keine Voice-Marketing-Strategie bestehen“, so Carina Schmitz, Marketing Manager bei Selligent Marketing Cloud, sei dies noch kein Grund zur Panik, sondern vielmehr der perfekte Zeitpunkt dafür, eine zu entwickeln.

Carina Schmitz, Marketing Manager bei Selligent Marketing Cloud

„Unternehmen müssen sich keine Sorge machen, wenn noch keine Voice-Marketing-Strategie ausgearbeitet wurde“, beruhigt Carina Schmitz, Marketing Manager bei Selligent Marketing Cloud.

Frau Schmitz, welche Bedeutung messen deutsche Unternehmen anno 2019 digitalen Marketing-Maßnahmen bei – im Vergleich zu klassischer, analoger Werbung?
Carina Schmitz:
Digitales Marketing spielt heute eine wichtige Rolle im Leben von jedem Konsumenten – und die digitale Marketing-Landschaft verändert sich rasant. Verbraucher verbringen 3,5 Stunden pro Tag auf mobilen Geräten – mehr Zeit denn je. Es ist also nicht überraschend, dass digitale Werbeausgaben weltweit rasant ansteigen. Trotzdem sind traditionelle und analoge Formen des Marketings noch nicht vollkommen ersetzt worden, ganz im Gegenteil. Print ist wieder im Kommen und wird von Kunden weiterhin geschätzt – so sind Werbekataloge, die sich bequem zu Hause durchblättern lassen, immer noch eine wichtige Säule des Marketings. Es ist also keine „Entweder/Oder“-Situation, sondern Unternehmen müssen durch Messung ihrer Daten die richtige Balance zwischen digital und analog finden.

Was sind die derzeit beliebtesten digitalen Marketing-Kanäle?
Schmitz:
Natürlich muss jedes Unternehmen selbst entscheiden, wie es Konsumenten am besten erreicht. Benachrichtigungen per Mail, von Hinweisen auf Angeboten bis zu Follow-up-Mails nach dem Kauf spielen weiterhin eine große Rolle, aber auch Push-Nachrichten auf mobile Geräte sind wichtige Kommunikationskanäle.

Auch wenn sie schon viele Jahre im Einsatz ist, so ist die E-Mail nach wie vor ein Dauerbrenner und hat bis heute nichts von ihrer Relevanz eingebüßt. Stattdessen entwickelt sie sich immer weiter, z.B. durch interaktive Optionen, bei denen Kunden direkt in der Mail aktiv werden können und nicht erst Landing Pages öffnen müssen. Dennoch sollte man anmerken, dass eine digitale Marketing-Strategie sich natürlich nicht nur auf einen einzigen Kanal beschränken, sondern auch Social Media, Mobile und Web-Marketing umfassen sollte.

Was steckt an dieser Stelle hinter „Voice Marketing“ und welche Rolle spielt dieser Trend bereits in Deutschland?
Schmitz:
Alexa, Siri und Co. sind fester Bestandteil von immer mehr deutschen Haushalten. Die intelligenten Sprachassistenten stecken inzwischen längst nicht mehr allein in Smartphones, Tablets oder „smarten“ Lautsprechern, sondern auch in Alltagsgeräten wie Weckern, Kühlschränke, Glühbirnen und Mikrowellen. Aktuellen Trends zufolge werden bis zum Ende des kommenden Jahres bereits 50 Prozent aller Suchanfragen im Internet per Sprachbefehl erfolgen. Aus „Touch Points“ werden „Listening Points“ und die Marketing-Branche versucht aktuell mit Hochdruck, ihre Markenbotschaften mit ins Gespräch zu bringen.

Wann sollten Unternehmen auf den „Voice Marketing“-Zug aufspringen, um ihre Zielgruppen zu erreichen? Für wen lohnt es sich?
Schmitz:
Unternehmen müssen sich keine Sorge machen, wenn noch keine Voice-Marketing-Strategie ausgearbeitet wurde. Laut einer Brightedge-Umfrage sehen lediglich 21,2 Prozent aller Marketer weltweit in Sprachsuche einen „wichtigen Marketing-Trend“, während Künstliche Intelligenz und Personalisierung die Prioritätenliste anführen. Doch die Revolution durch Sprachsteuerung schreitet schnell voran: Seitdem Apple seinen Siri-Sprachassistenten im Jahr 2011 vorgestellt hat, ist das Segment explosionsartig gewachsen. Und entsprechend rasant verändern sich auch die Gewohnheiten der Verbraucher im Umgang mit Technologie. Sollte also noch keine Voice-Marketing-Strategie bestehen, ist dies noch kein Grund zur Panik, sondern vielmehr der perfekte Zeitpunkt dafür, eine zu entwickeln.

Welche Herausforderungen müssen Marketer bzw. Marketing-Verantwortliche bewältigen, die sich konkret mit Voice Marketing auseinandersetzen (wollen)?
Schmitz:
Eine der Herausforderungen ist ganz sicher die richtige Art der Suchmaschinenoptimierung. Außerdem ist ein hohes Maß an Personalisierung besonders wichtig – hier müssen Unternehmen über die richtigen technologischen Möglichkeiten verfügen. Schließlich müssen sich Marketer entscheiden, welche Plattformen und strategischen Partnerschaften am wichtigsten sind, denn angesichts der immensen Werbeeinnahmen von Google und dem Aufstieg von Amazon zur drittgrößten Online-Werbeplattform ist ein offener Markt für Werbung auf Sprachassistenten nur ein logischer Schritt.

Was bedeutet Voice Search für die Suchmaschinenoptimierung (SEO)? Oder anders gefragt: Was genau kann man im SEO tun, um sich optimal auf Voice Search Optimisation (VSO) vorzubereiten?
Schmitz:
Suchmaschinenoptimierung unterscheidet sich aus zwei Grünen von herkömmlicher SEO: erstens, weil Ergebnisseiten bei der Browsersuche eine Handvoll von Resultaten anzeigen – die Sprachsuche liefert jedoch jeweils ein einziges Ergebnis! Und zweitens reagieren Browser-Anfragen vorwiegend auf Keywords, während Sprachsuchen eher in ganzen Sätzen gesprochen werden. Im ersten Schritt sollten sich Marketer darauf konzentrieren, bei Suchergebnissen an erster Stelle zu landen, am besten in den sogenannten „Snippets“, den grafisch abgehobenen Fenstern, welche Google besonders prominent anzeigt. Um bei Suchanfragen, die in ganzen Sätzen gesprochen werden, an vorderster Stelle zu landen, sollten Websites lang verkettete Keywords (auch Long Tail Keywords genannt) enthalten, die natürlichen Sprachmustern folgen. Auch eine gut sortierte FAQ-Seite mit Antworten auf Fragen mit „Wo“, „Wie“, „Wieviel“, etc. erhöht den Stellenwert bei der Sprachsuche.

Welche Rolle spielt Personalisierung im Voice Marketing und wie gelingt sie am besten?
Schmitz:
Rund 40 Prozent der Erwachsenen verwenden Sprachsuche bereits täglich. Und ebenso wie auf anderen Kanälen verlangen diese Nutzer ein hochgradiges Maß an Personalisierung und Relevanz. Das gilt vor allem für eigens von Marken entwickelte Sprach-Apps: Wenn Kunden nach attraktiven Produktvorschlägen suchen – etwa in einer sprachgesteuerten Online-Shopping-App –, sollten die Suchergebnisse auf jeden Fall ihre persönlichen Vorlieben und Einkaufshistorien berücksichtigen. Um dieses Maß an individualisierten Customer Experiences zu liefern, müssen Marketer ihre Datenarchitekturen entsprechend anpassen, damit aussagekräftige Daten aus universellen Kundenprofilen auf allen Kanälen verfügbar sind – auch bei der Sprachsuche. Nur so kann eine reibungslose Customer Journey gewährleistet sein.

Welche weiteren Trends sollten Werbetreibende für die Zukunft auf dem Schirm haben?
Schmitz:
Wichtige Trends, die Marketer auf dem Schirm haben sollten, sind die Personalisierung und der Wert von Daten (Verbraucher sind sich dem Wert ihrer Daten bewusst und erwarten entsprechende Leistungen im Gegenzeug), Location-based Marketing (standortbezogene Botschaften direkt „on the go“), Vorhersagen über Bedürfnisse und Produktwünsche von Kunden durch Künstliche Intelligenz (herkömmliche „andere Kunden haben auch dieses Produkt gekauft“-Empfehlungen reichen heute nicht mehr). Das ist natürlich nur die Spitze des Eisberges, aber auf jeden Fall für Marketer nicht zu unterschätzen.

Bildquelle: Selligent

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