Eine unangemesse Macht?

Politikwerbung in sozialen Netzwerken

Facebook-Politikchef Nick Clegg hat die Entscheidung verteidigt, anders als Twitter und Google an Werbung mit politischen Inhalten festzuhalten.

Nick Clegg, Politikchef von Facebook ((Bildquelle: Lino Mirgeler/dpa))

Nick Clegg, Politikchef von Facebook, hat die Entscheidung verteidigt, anders als Twitter und Google an Werbung mit politischen Inhalten festzuhalten. ((Bildquelle: Lino Mirgeler/dpa))

„Im Gegensatz zu Twitter und Google haben wir nun den weltweit führenden Mechanismus für Transparenz bei politischer Werbung“, sagte Clegg am Montag auf der Innovationskonferenz DLD in München. „Es ist jetzt unmöglich, politische Anzeigen im Verborgenen zu platzieren.“

Facebook hatte nach Kritik an der Rolle des Online-Netzwerks als Plattform für Propagandakampagnen aus Russland im Umfeld der US-Präsidentenwahl 2016 u.a. eine Datenbank eingeführt, in der Anzeigen mit politischen Inhalten zusammen mit Informationen über die Auftraggeber sieben Jahre lang gespeichert werden. In dieser Datenbank sind auch Politikkampagnen außerhalb der USA zu sehen.

Clegg, ein früherer britischer Vize-Premier, verteidigte auch die Entscheidung, Politwerbung aus dem Faktencheck-Programm des Online-Netzwerks herauszuhalten. „Das würde private Unternehmen in die außerordentlich machtvolle Rolle bringen, zu entscheiden, was wahr ist und was nicht.“ Den Unternehmen im Silicon Valley komme das als eine „unangemessene Macht“ vor.

Ein Höhepunkt von Cleggs Auftritt kam zum Schluss als niemand geringeres als Amazons Technikchef Werner Vogels fragte, wie Facebook seinen Nutzern begreiflich machen wolle, dass sie selbst das Produkt des Online-Netzwerks für die Werbeindustrie seien. „Hallo, ich bin Werner, ich arbeite für etwas, was jemand als Buchladen bezeichnet hat“, leitete Vogels seine Frage ein. Clegg verteidigte die Werbefinanzierung und entgegnete, man könne ein Online-Netzwerk natürlich auch mit einem Abomodell betreiben – aber dann wären viele Nutzer in Regionen wie Afrika davon aus finanziellen Gründen ausgeschlossen. „Es wäre ein Produkt für reiche Leute.“

dpa/ls

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