Vermarktung von Smartphone-UI

Preispolitik frisst Nutzererfahrung

Xiaomi hat nach der Entdeckung eines Reddit-Nutzers bestätigt, dass die Vermarktung von Menüflächen im Smartphone zukünftig ein fester Bestandteil des Geschäftsmodells sei.

Smartphone Werbung

Sonderangebote auf dem Sperrbildschirm – leider nicht nur eine Marketing-Fantasie.

„Werbung war und wird auch immer ein integraler Bestandteil von Xiaomis Internetdiensten sein und ist ein zentraler Aspekt des Geschäftsmodells”, ließ Xiaomi auf Nachfrage des US-Magazins „The Verge” verlautbaren, nachdem ein Nutzer Werbebanner in verschiedenen Anwendungen ausgespielt und diese schließlich sogar im Einstellungsmenü angezeigt bekommen hatte. Die Beobachtung wurde im Zusammenhang mit dem jüngsten Update von Xiaomis Android-Software Miui auf die Version 8.9.13 gemacht. Eine Praxis, die laut Hersteller über die Einstellungen unterbunden werden kann, aber trotzdem einen faden Nachgeschmack hinterlässt.

Als Smartphone-Nutzer muss man auch ohne Banner im Musikplayer oder Einstellungsmenü stellenweise schon ziemlich aufdringliche Praktiken hinnehmen. Das fängt bei der auf neuen Smartphones vorinstallierten Bloatware an und geht bis zu den sinnbefreiten Push-Mitteilungen, die von immer mehr Apps ausgehen. Vor allem bei unerfahreneren Nutzern geschieht das zunehmenden auf Kosten der Nutzererfahrung. Dass mit den Plänen von Xiaomi nun auch noch die letzten werbefreien Flächen des Smartphones vermarktet werden sollen, ist dementsprechend nicht nur für Kunden des chinesischen Herstellers bedenklich, sondern könnte auch darüber hinaus eine fragwürdige Signalwirkung entfalten – zumindest, wenn andere Hersteller nachziehen.

Werbefreie Benutzeroberflächen sollten kein Privileg werden, das man sich durch einen Aufpreis erkaufen muss. Diese Praxis geht allenfalls noch als Geschäftsmodell für die Vermarktung von Apps durch, die in ihrer nicht werbefreien Variante aber eben auch kostenlos sind. Xiaomi kann man hier nur noch zu Gute halten, dass sie nicht die ersten sind, die diesen Weg gehen. Vor allem bei Amazons Kindle- und Fire-Geräten gehört diese Produktpolitik schon seit geraumer Zeit zum Alltag. Heißt: Wem konstante Werbeeinblendungen auf dem Sperrbildschirm des Geräts nichts ausmachen, der bekommt das Tablet für 15 Euro weniger. Das klingt nicht nur nach einem schlechten Geschäft für den Nutzer, sondern das ist es auch – erst recht, wenn aus dem Sperrbildschirm irgendwann Einstellungsmenüs, Messenger oder Musikplayer werden. 

Bildquelle Thinkstock/iStock

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