Höhere Produktivität, schneller Burnout

Pro und Contra: Mobile Arbeitsplätze

Notebooks, Tablets und Smartphones – Digitalisierung und Vernetzung haben zu einer Flexibilisierung der Arbeitswelt geführt. Viele Unternehmen haben bereits von diesem Wandel profitiert, andere hingegen haben das Potential und auch die Risiken, die ein mobiler Arbeitsplatz beinhaltet, noch nicht erkannt.

Pro und Contra: Mobile Arbeitsplätze

Höhere Produktivität oder schneller Burnout – was bringen mobile Arbeitsplätze mit sich?

Mehr als die Hälfte aller deutschen Angestellten arbeitet mittlerweile an einem mobilen oder teilmobilen Arbeitsplatz. Dies ergab die 2016 von der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGfP) herausgegebene Studie „Mobiles Arbeiten: Kompetenzen und Arbeitssysteme entwickeln“. Ein weiteres Ergebnis: Für mehr als die Hälfte der mobil Beschäftigten hat die Zunahme der Mobilität einen positiven Effekt auf ihre Arbeitsleistung, -qualität und -zufriedenheit. Richtig umgesetzt können mobile Arbeitsplätze also zu einem wahren Wachstumsmotor werden.

Zu diesem Ergebnis kam auch die 2016 von der Economist Intelligence Unit herausgegebene Studie „Mobility, performance and engagement: How CIOs can contribute to business performance by shaping the employee experience “, der es gelang, einen konkret messbaren Zusammenhang zwischen der Einrichtung eines mobilen Arbeitsplatzes und dem Produktivitätsanstieg eines dort beschäftigten Angestellten nachzuweisen. Im Vergleich mit Unternehmen, die immer noch auf stationäre Arbeitsplätze setzen, ist ein durchschnittlicher Anstieg der Produktivität von 16 Prozent festzustellen. Diese geht einher mit einem Anstieg von 18 Prozent bei der Kreativität und von 23 Prozent bei der Arbeiterzufriedenheit. Schließlich wächst auch das Gefühl der Unternehmensverbundenheit um 21 Prozent.

16 Prozent mehr Produktivität – das bedeutet, eine zusätzliche Leistung von 41 Arbeitstagen pro Arbeitnehmer jährlich. Auch die Steigerungen bei der Arbeiterzufriedenheit und der Loyalität zum Unternehmen sind in ihrer Bedeutung nicht zu unterschätzen. Bereits 2013 kam die Studie „Powering Your Bottom Line Through Employee Engagement“ der US-amerikanischen UNC Kenan-Flagler Business School zu dem Ergebnis, dass nicht oder nur wenig emotional verbundene Angestellte ein US-amerikanisches Unternehmen im Schnitt 3.400 Dollar je 10.000 Dollar Jahresgehalt kosten. Zwischen 450 und 500 Millionen Dollar jährlicher Verlust werden in der Studie allein für die US-amerikanische Wirtschaft angenommen.

Mobile Arbeitsplätze bringen also eine Vielzahl positiver Effekte für den Betrieb mit sich. Und ein Ende ihres Siegeszuges ist kaum abzusehen. Die 2014 von der Boston Consulting Group vorgestellte Studie „The Connected World: The Mobile Internet Economy in Europe“ kam zu dem Ergebnis, dass sich der Umsatz der Mobile Economy – welche den mobilen Arbeitsplatz überhaupt erst möglich macht – bis 2017 mehr als verdoppeln wird. Ein mobiler Internet-Zugang wird es noch weiteren Unternehmen gestatten, Arbeitsprozesse besser aufeinander abzustimmen, kosteneffizienter zu gestalten und gänzlich neue Abnehmergruppen anzusprechen.

Ständige Erreichbarkeit der Arbeitnehmer

Trotz dieser Vorteile hat der mobile Arbeitsplatz hat auch eine erhebliche Zahl von Kritikern. Diese fürchten vor allem das Aufkommen einer Verpflichtung der ständigen Erreichbarkeit für das Unternehmen – 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Und diese Sorge ist berechtigt. Denn auch die Tourismusbranche hat die Thematik für sich erkannt. Mehr und mehr Hotels und Urlaubseinrichtungen werden derzeit mit Wi-Fi-Hotspots ausgestattet, um Gästen eine ständige Erreichbarkeit – und damit Mitarbeit an Projekten – auch im 'Urlaub' zu ermöglichen. Die bereits erwähnte Studie des DGfP kommt hier zu einem eindeutigen Ergebnis: Flexibilisierung, die ständige Erreichbarkeit des Arbeitnehmers für den Arbeitgeber, kann die psychische Belastungsfähigkeit der Angestellten auf eine harte Probe stellen – im schlimmsten Fall sogar sprengen. Hier ist ein reales Gefährdungspotential gegeben, das Unternehmensführungen keinesfalls ignorieren dürfen. Denn die Zahl der potentiell gefährdeten Angestellten scheint nicht unerheblich zu sein.

In der vom Bitkom herausgegebenen Studie „Arbeit 3.0: Arbeiten in der digitalen Welt“ gaben in einer Befragung unter deutschen Angestellten 56 Prozent an, bereits eine ihnen unliebsame Vermischung von Beruf und Freizeit vorauszusehen bzw. erlebt zu haben. 25 Prozent der Angestellten und 23 Prozent der Personaler/Entscheider erklärten zudem, in der wachsenden Mobilität eine Karrierebremse zu erkennen. Und 60 Prozent der Personaler/Entscheider waren der Ansicht, dass mobile Arbeitsplätze für die Mitarbeiterkommunikation mehr hinderlich als förderlich seien. Probleme, denen sich Geschäftsführungen in den kommenden Jahren werden stellen müssen.

Die Führungsriege ist gefragt

Es wird Aufgabe der Unternehmensführungen sein, diese organisatorischen Probleme in den Griff zu bekommen. Beispielsweise empfielt die DGfP-Studie, Mitarbeiter in die Handhabung ihrer flexiblen Arbeitsplätze durch klare Vorgaben 'einzuweisen' und 'anzuleiten'. Nur so wird es gelingen, die eigenen Arbeiter effektiv aus- und nicht überzubelasten. Mindestens ebenso wichtig wird es aber sein, die mobilen Arbeitsplätze technisch durchdacht und planvoll umzusetzen. Gerade hier sieht die 2016 von Wandera veröffentlichte Studie „Uncovering the True Costs of Enterprise Mobility: A study into the total cost of ownership “ über US-amerikanische Unternehmen noch erheblichen Handlungsbedarf.

Die meisten Unternehmen haben noch nicht einmal die Gesamtkosten ihrer mobilen Arbeitsplätze im Blick, lassen zum Beispiel die Kosten ihrer stationären IT-Ressourcen und ihrer IT-Sicherheit unberücksichtigt. Schnell liegen die Investitionen für die angestrebte Unternehmensmobilität dann rund 116 Prozent über dem ursprünglich angenommenen Wert. Besonders wichtig ist hier die Wahl des richtigen Netzbetreibers, macht dessen Preis im Schnitt doch 48 Prozent der Gesamtkosten des mobilen Arbeitsplatzes aus. Hier lohnt es sich, zu prüfen, ob auch dem Preis entsprechende Zusatzleistungen, z.B. ein global zugänglicher Wi-Fi-Zugang, wie er von dem Anbieter iPass angeboten wird, im Angebot enthalten sind. Denn die nächste Generation der mobilen Arbeitsplätze wird bei den jährlich wachsenden Datenmengen kaum ohne Internetanschluss mit hoher Übertragungsrate auskommen können.

*Der Autor Mato Petrusic ist Vice President EMEA & APAC bei iPass.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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