Belohnungen als Motivationsschub

Psychologie in der App-Entwicklung

Stefan Trebbin, Creative Consultant bei der Diva-e Digital Value Enterprise GmbH, spricht über Belohnungssysteme, die bei der App-Entwicklung berücksichtigt werden sollten.

Stefan Trebbin, Diva-e

„Die Belohnungsmechanismen müssen schon früh in der Konzeptphase der App abgebildet werden", sagt Stefan Trebbin von Diva-e.

Herr Trebbin, wie lassen sich Nutzer heutzutage am besten motivieren, in einer App aktiv zu bleiben?
Stefan Trebbin:
80 Prozent aller Smartphone-Nutzer nehmen in den ersten 15 Minuten nach dem Aufwachen ihr Smartphone in die Hand. Der Schlüssel zu solch einer intensiven Nutzung liegt in der Kognitionspsychologie und der Anwendung ihrer Erkenntnisse für die App-Konzeption. Der Impuls, eine App zu nutzen, wird durch geprägte Gewohnheiten ausgelöst. Um davon bei der Entwicklung einer App zu profitieren, muss man bestimmte psychologische Komponenten im Blick behalten, etwa den Auslöser: äußerlich, z.B. durch Push-Benachrichtigung, oder innerlich, etwa durch wiederholte positive Assoziationen. Ist der Auslöser erfolgreich, folgt die Handlung durch den Nutzer.

Welche Rolle spielen hier psychologische Belohnungssysteme und welche Arten gibt es?
Trebbin:
Variable Belohnungen sind Teil unserer Produkt- und Erfahrungswelt und steuern uns unbewusst. Dabei unterscheidet man zwischen drei Arten: soziale Belohnung, Besitz und intrinsische Belohnung. Soziale Belohnung ist z.B. Akzeptanz in der Gruppe. Hier geht es um das allgemeine Bedürfnis nach sozialer Bestätigung. Apps wie Facebook sprechen dieses Bedürfnis – und dessen Befriedigung – an und sind deshalb erfolgreich. Auch im Hinblick auf Besitz als Belohnung gibt es eine evolutionäre Prägung: der Mensch als Jäger. Beute zu erjagen sicherte einst das Überleben, heute übertragen wir das Jagdverhalten auf Konsum- oder virtuelle Güter – einschließlich des Belohnungsgefühls. Und es gibt die innere Belohnung, die mit einer persönlichen Form von Erfüllung einhergeht – etwa, indem man bestimmte Dinge zu Ende bringt oder aus Neugier macht, ohne einen sachlichen Vorteil davon zu haben.

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Welche Herausforderung stellen die Belohnungssysteme für den App-Entwickler dar?
Trebbin:
Die Belohnungsmechanismen müssen schon früh in der Konzeptphase der App abgebildet werden. Hier liegt der größte Schwachpunkt in der Praxis, da meistens das fertige Konzept in die Entwicklung gegeben wird. Die frühe Anwendung dieser Prinzipien beeinflusst jedoch das Marken- und Geschäftskonzept. Die App sollte nicht nur gewohnheitsprägend erstellt werden, auch die Handlungsabläufe müssen so effizient und nutzerfreundlich wie möglich gestaltet sein. Hierzu sollte man den Erfahrungsschatz von UI-/UX-Designern nutzen und anschließend Usability-Tests durchführen.

Wie sollte sich die Testphase einer App gestalten?
Trebbin:
Man sollte so früh wie möglich Skizzen der ersten Entwürfe nehmen und einen Test mit Kollegen machen. Das Verhalten jedes Probanden sollte genau beobachtet werden und man sollte sich erzählen lassen, was er gerade denkt und vorhat. Dadurch merkt man schnell, an welcher Stelle es hakt – und kann sofort nach einer Lösung suchen, ohne große Entwicklerressourcen zu verbrauchen. Tests sollten nach jeder Verbesserung durchgeführt werden und die Entwicklung bis

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