Die letzte Meile

Pünktliche Lieferung mit Roboter

Google und Amazon wollen es mit Drohnen versuchen, die Metro Group setzt dagegen auf Lieferroboter mit Rädern.

„Same Day Delivery ist im Moment ein ganz großer Trend“, sagt Dr. Babak Zeini, Geschäftsführer der Digitalberatung futurest. Seine Erfahrung nach hat der Handel dafür ganz unterschiedliche Konzepte, die sich jedoch in einem Punkt gleichen: „Der Kunde muss zu einer bestimmten Uhrzeit zu Hause sein und dann eine Zeit lang auf die Einkäufe warten.“ Diese Situation verhindere eine erfolgreiche Einführung, meint Babak Zeini im Smarter Service Talk von Bernhard Steimel. Same Day Delivery werde nur dann flächendeckend funktionieren, wenn die Wartezeit für den Kunden vermieden wird. „Die Einkäufe müssen punktgenau zu einer vereinbarten Uhrzeit ausgeliefert werden.“ Das Problem dabei: Herkömmliche Transportfahrzeuge sind vor allem in den Städten nicht schnell genug, es müssen andere Möglichkeiten genutzt werden.

Das Londoner Startup Starship Technologies baut für diese Aufgabe einen autonom fahrenden Liefer-Roboter, der die Einkäufe nach Hause bringt. Der Roboter kommt zu einer festgelegten Zeit und sendet dann eine SMS mit einem Code. Der Kunde gibt den Code in den Roboter ein, so dass sich der Gepäckraum öffnet und er seine Produkte herausnehmen kann. Die Metro Group testet dies in einem Versuchsgebiet in Düsseldorf-Grafental. Dort werden die Roboter beim Lieferservice im Media Markt eingesetzt und für die Lebensmittelbestellung bei Emmas Enkel.

Das britische Unternehmen hat vor kurzem mit weiteren Tests in Redwood City, CA und Washington, DC begonnen. Dort arbeitet das Gerät für die Lieferdienst-Startups DoorDash und Postmates. Weitere Tests gibt es schon seit einiger Zeit in London, Bern und Hamburg. In den europäischen Testgebieten gehört das kleine Wägelchen mit den sechs Rädern schon zum Straßenbild. Der Robot wiegt knapp 10 kg und kann kleinere Lasten bis maximal 15 Kilo transportieren - beispielsweise zwei gut gefüllte Einkaufstüten aus dem Supermarkt. Starship Technologies hat beim Design offensichtlich darauf geachtet, dass der Roboter niedlich aussieht und möglichst wenig bedrohlich. Auch wenn deshalb nur kleinere Einkäufe transportiert werden können: Das Gerät fällt zwar auf, wirkt aber ungefährlich.

Passanten müssen Roboter akzeptieren

Das ist sicher wichtig für die Akzeptanz des Roboters im Alltag, denn er soll ausschließlich auf dem Gehweg unterwegs sein. Bordsteinkanten sind für ihn übrigens kein Hindernis, denn die Räder sind so konzipiert, dass er sie recht flott hinaufklettern kann. Seine Reichweite ist wegen möglichst platzsparender Akku-Packs begrenzt, sie beträgt fünf Kilometer. Er ist auch nicht besonders flott, mit gut 6,5 km/h ist er nur wenig schneller als ein Mensch. Um seinen Weg zu finden und Hindernisse zu erkennen, ist der Roboter mit neun Kameras und Ultraschallsensoren ausgestattet. Dabei haben Fußgänger Vorfahrt: Auf sehr schmalen Wegen wartet er so lange, bis die Durchfahrt frei ist.

In den aktuellen Tests ist der Roboter übrigens weit von voller Autonomie entfernt. Er wird in der Anfangszeit immer begleitet von Mitarbeitern, die seine Programmierung überprüfen und genau verfolgen, welche Situationen das Gerät nicht so optimal bewältigt. Später soll ein Mitarbeiter über das Internet bis zu hundert Roboter überwachen und bei Problemen notfalls eingreifen. Das Londoner Startup plant, die Roboter in lokalen Lieferzentren zu stationieren, die Lieferzeiten zwischen fünf und 30 Minuten erlauben. Ähnlich wie die Lieferdrohnen von Google und Amazon möchten die Londoner mit ihrem autonomen Minitransporter das teuerste Stück der Lieferkette angehen: Die letzte Meile. Starship Technologies schätzt, auf diese Weise die Lieferkosten langfristig auf ein Zehntel der heute üblichen Kosten zu senken.

„Wir erproben, wie so ein Prozess organisiert wird und wie die Kunden diese Art der Lieferung annehmen“, sagt Barak Zeini, dessen Digitalberatung die Metro Group bei dem Projekt unterstützt hat. Dabei werden sehr viele Erkenntnisse über diese noch neuartige Form der Auslieferung gewonnen. So geht es natürlich in erster Linie darum, dass die Technologie auch wirklich funktioniert, in zweiter Linie aber auch um die gesellschaftliche Akzeptanz. „Da tauchen viele Fragen aus, die nur ein Feldtest beantworten kann“, erklärt Babak Zeiknini. „Ein Beispiel: Finden die Anwohner die Lieferroboter eher lästig oder sind sie froh, dass jetzt weniger große Lieferwagen durch das Wohngebiet zockeln und Parkplätze versperren?“

Bildquelle: Starship Technologies

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