Öffentliche Hotspots

Rein anonymisierte Daten im freien WLAN?

Die Nutzer öffentlicher Hotspots müssen in der Regel selbst für die Verschlüsselung ihrer Daten sorgen, erklärt Hans-Dieter Wahl von Bintec Elmeg im Interview.

Hans-Dieter Wahl, Bintec Elmeg

Hans-Dieter Wahl, Business Line Manager für WLAN bei Bintec Elmeg

Herr Wahl, inwieweit besteht nach der Abschaffung der sogenannten Störerhaftung im vergangenen Jahr Rechtssicherheit für die Betreiber öffentlicher Hotspots und öffentlicher WLAN-Netze?
Hans-Dieter Wahl:
Nach der letzten Änderung des Telemediengesetzes (TMG) besteht keine Störerhaftung mehr für Anbieter von öffentlichem WLAN. Demnach kann der Betreiber auch nicht mehr verpflichtet werden, den Zugang nur nach einer Registrierung freizugeben. Die Wahrscheinlichkeit, dass man als Anbieter dennoch abgemahnt wird, ist sehr gering, weil man gegen derartige unrechtmäßige Abmahnungen jederzeit gerichtlich vorgehen kann. Der Abmahner bleibt dann auf seinen Kosten sitzen.

Die Betreiber von öffentlichem WLAN und öffentlicher Hotspots sind meist kommerzielle Anbieter (Einzelhandel, Gastronomie, Mobilfunkanbieter ...) oder staatliche Einrichtungen (Kommunen, Städte, Bildungsträger). Wie können diese anhand der WLAN-/Hotspot-Nutzung detailgenaue personenbezogene Standortdaten ermitteln und Bewegungsprofile anlegen?
Wahl:
Die aktuellen Smartphones verhindern inzwischen wirkungsvoll das Ermitteln von Bewegungsprofilen über das Auswerten der Geräte-MAC-Adressen, solange diese nicht mit einem WLAN-Netz verbunden sind. Das alleinige Erfassen der MAC-Adressen genügt nicht mehr, um aussagekräftige Bewegungsprofile zu erzeugen. Darüber hinaus werden bzw. wurden niemals personenbezogene Daten, sondern lediglich anonymisierte Daten erfasst.

Was sollten die Betreiber öffentlicher WLANs und Hotspots tun, um die Netze vor Cyber-Attacken zu schützen?
Wahl:
Die meisten öffentlichen WLANs sind unverschlüsselt, um den Benutzern einen barrierefreien Zugang zu erlauben, dadurch kann der Datenverkehr der anderen WLAN-Nutzer problemlos mitgelesen werden. Der Betreiber sollte daher seine WLAN-Gäste in seinen AGB darüber informieren, dass der WLAN-Gast selbst für die Verschlüsselung der Daten zuständig ist. Vertrauliche Daten (z.B. Passwörter) sollte der WLAN-Gast nur über Https-Webseiten austauschen, E-Mail-Abrufe sollten nur über SSL-Verbindungen erfolgen, usw.

Wie können die Betreiber öffentlicher Hotspots ihre Netze vor einem Missbrauch durch die Nutzer (z. B. Download illegaler Webinhalte, Posting von Hass-Kommentaren, Kommunikation mit Terrornetzen) schützen?
Wahl:
Eine Reihe der obigen Szenarien kann man ausschließen, indem man unerwünschte Inhalte durch einen Webfilter aussperrt. Die unerwünschte Nutzung von öffentlichen WLANs lassen sich auch verhindern, indem man den Zugang begrenzt. Im Hotel z.B. über einen Zugangscode nur für Hotelgäste oder einen zeitlich begrenzten Zugang.

In letzter Zeit hört man hinsichtlich aktueller Netztechnologien immer wieder von „Wifi-Mesh“. Was steckt dahinter?
Wahl:
WLAN Mesh ist nicht neu. Es ermöglicht eine Punkt-zu-Mehrpunkt-Funkverbindung, ähnlich wie eine WLAN-Funkbrücke. WLAN Mesh kann z.B. dazu verwendet werden, entfernte Access Points einer WLAN-Infrastruktur, die über keine LAN-Anbindung verfügen, über eine WLAN-Funkverbindung an das Netz anzubinden. WLAN Mesh hat aber auch Nachteile. Bei gleichzeitiger Nutzung eines WLAN-Radiomoduls als Access Point und Mesh-Knoten, reduziert sich die Performance. Alternativ kann man für den Mesh-Knoten auch ein dediziertes Radiomodul verwenden, das erhöht aber die Kosten für den Access Point.

Welche Nutzungsszenarien sind für Wifi-Mesh aus Ihrer Sicht am sinnvollsten? Inwieweit kann diese Technologie klassische WLAN-Netze ersetzen?
Wahl:
WLAN Mesh ist eine sinnvolle Ergänzung in manche Szenarien, aber kein Ersatz für klassische WLAN-Infrastrukturlösungen.

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